Der Trainer des VfL Jüchen im Gespräch

Interview Georg „Jolo“ Krahwinkel : „In meinem Alter ist es besser, bei Spielen nur zuzuschauen“

In einer vorgezogenen Partie des 37. Spieltages am Donnerstag ist der VfL Jüchen der SpVg. Odenkirchen 0:2 unterlegen. Das Ergebnis hat für die als Absteiger feststehenden Jüchener keine Auswirkungen mehr. Außer dass eine Niederlage gegen den Lokalrivalen immer mehr wehtut als andere. Odenkirchen hat mit dem Dreier seine Aussichten auf den Klassenverbleib in der Landesliga als aktuell Tabellenzehnter deutlich erhöht. Über das Spiel, den Abstieg, die Zukunft für ihn und das Team spricht VfL-Trainer Georg „Jolo“ Krahwinkel (68).

Herr Krahwinkel, das vorerst wohl letzte Lokalderby in der Landesliga hat Jüchen verloren. Woran lag es?

Krahwinkel Das Spiel war fußballerisch kein Leckerbissen. Odenkirchen hat aus den wenigen Möglichkeiten das Optimale rausgeholt und den 2:0-Vorsprung bis zum Schluss verteidigt.

War bei Ihrer Mannschaft die Luft schon raus? Hat das Nachbarschaftsduell keine zusätzliche Motivation gebracht?

Krahwinkel Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten uns mit einem Heimsieg aus der Landesliga verabschieden. Leider haben wir fußballerisch nicht überzeugt. Die Niederlage ist verdient.

Nach dem Rückstand gab es eine gute Chance, noch vor der Pause auf 1:2 zu verkürzen.

Krahwinkel Ja, Kapitän Yannick Peltzer hat einen Foulelfmeter vergeben. Sein Schuss knallte gegen die Latte. Geht der Ball rein, wären wir wieder im Spiel gewesen.

Mit dem Nimbus, Jüchen vor zwei Jahren vor dem Abstieg bewahrt zu haben, wurden Sie Anfang April als „Retter“ verpflichtet. Was sind für Sie die Gründe, warum Jüchen in die Bezirksliga absteigen muss?

Krahwinkel Es lag sicherlich nicht an den letzten Spielen. Der Abstieg ist das Resultat der gesamten Saison, die in vielerlei Hinsicht verkorkst war. Das Potenzial war und ist vorhanden. Große Teile der Mannschaft haben nur selten ihr Leistungsvermögen abgerufen.

Ein Blick auf die Aufstellungen und die Anzahl der Einsätze einzelner Spieler zeigt, dass kaum Kontinuität in der Startaufstellung herrschte.

Krahwinkel Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor, warum es nicht gereicht hat. Häufig waren es urlaubsbedingte Ausfälle, zuletzt vor allem die vielen Sperren wegen der Platzverweise oder fünften Gelben Karte.

Sie hatten lange überlegt, ob Sie den Trainerposten übernehmen. Bereuen Sie Ihre Entscheidung inzwischen?

Krahwinkel Ganz sicher nicht. Ich habe mehrmals abgelehnt. Am Ende habe ich wegen der freundschaftlichen Bindung zum Verein und einigen Vorstandsmitglieder doch zugesagt. Dazu gehörte aber auch meine Überzeugung, dass ich fest daran geglaubt habe, das Ruder herumzureißen. Mit dem Trainerwechsel, der nicht gegen die Arbeit meines Vorgängers Michele Fasanelli gerichtet war, sollte vor allem ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Der Effekt ist leider ausgeblieben.

Wie gehen Sie persönlich damit um?

Krahwinkel Ich bin traurig, dass es nicht geklappt hat. Für die Mannschaft und den Verein tut mir das Leid. Jüchen muss sich jetzt neu orientieren.

Vorsitzender Christoph Sommer hat verkündet, dass die Planungen für den kommenden Bezirksliga-Kader fast abgeschlossen sind. Wie ist Ihr Eindruck?

Krahwinkel Viele Spieler bleiben dem VfL erhalten. Das zeigt, dass der Verein von der Leistungsfähigkeit überzeugt ist. In Marcel Winkens wurde ein guter Trainer verpflichtet. Dazu haben neben Kevin Afari (Anm. d. Red.: Der Torwart kommt aus Odenkirchen) schon weitere Spieler ihre Zusage zu einem Wechsel nach Jüchen gegeben.

Werden Sie zukünftig noch einmal als Trainer einspringen?

Krahwinkel Vermutlich nicht. In meinem Alter ist es besser, die Spiele als Zuschauer zu verfolgen.

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