Der Gladbacher HTC startet in die neue Saison der Tennis-Bundesliga

Interview mit den GHTC-Verantwortlichen : „Wir haben Stars zum Anfassen“

Teamchef Henrik Schmidt und Michael Hölzle, Leiter Kommunikation der Tennis-Abteilung des GHTC, sprechen über die Bundesliga und die 100-Jahr-Feier.

Der GHTC wird 100 Jahre alt. Eigentlich das beste Jahr, um noch einmal Deutscher Meister zu werden, oder?

Schmidt und Hölzle lachen.

Schmidt Es ist das ideale Jahr, um sicherlich auch sportlich ein Ausrufezeichen zu setzen. Wir müssen aber schon sagen, dass man in der Tennis-Bundesliga beileibe keinen Meistertitel planen kann. Der Rochusclub Düsseldorf versucht das seit 30 Jahren, stellt immer eine gute Mannschaft auf, aber irgendwie hat es dann trotzdem nicht geklappt. Als wir 2016 Deutscher Meister geworden sind, hatte das ja auch mit Glück, Tagesform und allem möglichen zu tun. Meistertitel kann man leider nicht planen, aber wir hätten in diesem Jahr sicher nichts dagegen, wenn es passieren würde.

Im vergangenen Jahr hatten Sie die – Ihr Zitat: „Vom Papier her beste GHTC-Mannschaft der Klubhistorie“ und wurden am Ende Sechster. Jetzt sind sie mit Robin Haase noch stärker geworden…

Schmidt Genau. Die Mannschaft ist nicht schlechter, von daher glaube ich auch, dass der Kader gut aufgestellt ist. Gerade mit Robin Haase, der im Einzel und Doppel ein Weltklasse-Spieler ist und seit Jahren in den Bundesliga-Vereinen, gerade zuletzt bei Blau-Weiß Halle, seine Leistungen gebracht hat. Er ist also auch ein Spieler, der wirklich gerne Bundesliga spielt, was dann, wenn es um Tagesform und Match-Tie-Breaks geht, wichtig ist, ob Spieler ihre letzten zehn Prozent abrufen oder nicht. Das ist bei Robin Haase immer der Fall, darauf kann man sich verlassen. Der Kader ist sehr gut aufgestellt, einziges Manko ist, dass die anderen Mannschaften auch gute Kader haben.

Wenig überraschend, natürlich.

Schmidt Ja, man muss einfach sagen: Mit dem Kader können wir Erster oder Sechster werden. Und selbst wenn wir Fünfter oder Sechster werden, muss es nicht sein, dass wir eine schlechte Saison gespielt haben, sondern manchmal mit Verfügbarkeiten und Turnierausgängen zu kämpfen hatten. Nehmen wir unseren ersten Spieltag am Sonntag, 7. Juli bei Blau-Weiß Krefeld: Da spielen zwei Top-Favoriten direkt gegeneinander. Da geht es auch darum, welche Spieler von welchem Klub in der ersten Woche von Wimbledon ausscheiden. Wenn unsere Spieler noch alle da aktiv sind, die aus Krefeld aber nicht, kann das auch den Spielausgang beeinflussen. Wir haben nur teilweise Einfluss darauf, welchen Kader wir zur Verfügung haben. Deswegen kann man einen Meistertitel nicht planen. Man kann versuchen, die bestmögliche Kaderplanung zu machen, aber zwischen den Top-Teams ist von Platz eins bis sechs alles möglich.

Hand aufs Herz: Gucken Sie die großen Turniere im Fernsehen immer in der Hoffnung, dass Spieler des GHTC ausscheiden?

Schmidt Wenn man ehrlich ist, hat man da zwei Herzen in seiner Brust. Meistens ist es für Michael Hölzle, Patrice Hopfe (GHTC-Trainer, Anm. d. Red.) und mich so, dass wir zehn Monate im Jahr unsere Spieler anfeuern, aber in den zwei Monaten, in denen die Bundesliga stattfindet, sind wir auch froh, wenn sie mal ein Match verlieren. Als Dustin Brown noch bei uns gespielt hat, haben wir einmal mit der Mannschaft an einem Samstagnachmittag zusammen gegrillt und Dustins Live-Spiel in Stuttgart geguckt. Und die komplette Mannschaft hat an dem Tag für den Gegner applaudiert, weil wir unbedingt wollten, dass Dustin am nächsten Tag Bundesliga spielt (lacht).

Wie schwierig ist es, eine Mannschaft einzustellen, wenn man erst am Tag vorher weiß, wer kommt?

Schmidt Die Kaderplanung sieht ja so aus: Man bespricht mit jedem einzelnen Spieler jeden Spieltag. Als Teamchef schaut man, dass man für jeden Spieltag aus dem 14er-Kader sechs bis neun Spieler optional hat. Und dann schaut man auf den Turnierverlauf. Und jeder Spieler, der da verliert, geht tatsächlich vom Platz in die Kabine und sagt: Ich komme morgen. Oder: Ich habe mich leicht verletzt, könnte spielen, aber wollt ihr überhaupt, dass ich angeschlagen komme? Die Spieler teilen uns auch mit, in welchen Wochen sie kein Turnier spielen. Die haben wir dann zu 100 Prozent im Kader. Dann haben wir noch Tim Sandkaulen als unseren Gladbacher Jung, der eigentlich die komplette Saison da ist, weil er sonst College-Tennis spielt und sich die Bundesliga-Zeit in Deutschland reserviert.

Was ist wichtiger: Die Stars dabei zu haben oder einen Gladbacher wie Tim Sandkaulen?

Hölzle Unser Kader ist ja sehr stabil. Daher kann man sagen, dass sich die Fans auch mit den ausländischen Spielern identifizieren. Aber wenn ein Philipp Kohlschreiber da ist oder eben Tim mitspielt, sieht man schon, dass die Zuschauerzahlen noch einmal steigen. Robin Haase hat einen deutschen Vater und spricht auch fließend Deutsch. Das wird auch noch einmal helfen, dass die Leute ihn gerne sehen wollen.

Schmidt Das strahlt auch bis in die Grenzregion aus. Wir haben Anfragen von Vereinen aus Venlo und Roermond bekommen, ob wir schon wissen, wann Robin spielt. Der Radius wird größer. Die Leute, die man aus dem Fernsehen kennt, sind die Zuschauermagneten, aber eben auch die lokalen und regionalen. Wenn wir kommunizieren, dass Tim Sandkaulen wahrscheinlich am Wochenende zum Einsatz kommt, merken wir, dass es voll wird. Genauso ist es bei Kohlschreiber oder Haase.

Hölzle Wenn wir Stars schon mal da haben, versuchen wir, sie nicht nur auf den Platz zu bringen, sondern auch so einzusetzen, dass möglichst viele Leute aus der Region etwas davon haben. Wir haben bei jedem Heimspiel Vereine aus der Region als Partnerklub da, deren Mitglieder mit ihren Familien eingeladen werden. Da gibt es dann auch ein Foto mit der Mannschaft, das nachher noch gerahmt wird, damit der Partnerklub es zum Beispiel in seinem Klubheim aufhängen kann. Dieses Jahr sind es Grün-Weiß Geldern, der SV Orsoy, Rot-Weiß Süchteln, Blau-Weiß Bedburg-Dyck und Schwarz-Weiß Rheydt.

Wie werden die Vereine ausgesucht?

Schmidt Die können sich das ganze Jahr über bei uns bewerben. An dem jeweiligen Heimspiel hat dann der ganze Verein freien Eintritt, da kommen immer so 30 bis 50 Leute. Lustig war das jetzt mit dem SV Orsoy: Der Verein hat bei uns angefragt und feiert selber – wie wir mit dem GHTC – in diesem Jahr sein 100-Jähriges. Die machen jetzt ihre 100-Jahr-Feier als Tennisverein bei uns beim Bundesligaspiel. Über die Anfrage haben wir uns sehr gefreut, das ist doch total cool.

Wie groß ist ansonsten der Radius, aus dem Ihre Zuschauer kommen?

Hölzle Wenn wir Vereine von weiter weg zu Gast haben, sehen wir natürlich auch, dass die nur ein paar Zuschauer mitbringen. Aber insgesamt ist der Radius so um die 100, 150 Kilometer groß. Aus Kleve, Goch, Oberhausen und so weiter kommen immer viele Anfragen. Eine Stunde Fahrt nehmen die Leute für ein Spiel der Tennis-Bundesliga schon in Kauf. Was man nicht unterschätzen darf: Als Tennis-Fan schaue ich die großen Turniere im Fernsehen und fahre da vielleicht einmal im Leben hin. Aber da komme ich nicht wahnsinnig nahe an die Spieler heran. Die verschwinden nach dem Spiel alle im Tunnel und dann sind sie weg für den Zuschauer. Beim Bundesliga-Tennis bin ich fünf Meter vom Platz entfernt und zehn von den Spielern. Das sind Stars zum Anfassen. Das sieht man auch nach den Spielen, wenn Philipp Kohlschreiber und die anderen sehr damit beschäftigt sind, Autogramme zu geben und Selfies mit Fans zu machen.

Also ein Klubkonzert statt großer Bühne?

Schmidt Ja, irgendwie schon. Zudem gibt es noch Veranstaltungen, die alle Vereine machen, wie einen Kids Day, der bei uns am 4. August ist, bei dem Kinder unter 18 Jahren freien Eintritt haben. Oder am 13. Juli, wenn wir ein Show-Training mit der Bundesliga-Mannschaft machen und danach noch gemeinsam grillen. Da kann ja jeder auch mal zu den Spielern hingehen. Das müssen die Bundesligaspieler aber auch wissen und in Kauf nehmen. Ein Spieler, der auf so etwas keine Lust hat, wird dann auch keine Bundesliga spielen. Philipp Kohlschreiber spielt seit 15 Jahren Bundesliga – das zeigt, der hat da kein Problem mit, sondern findet das mal ganz nett. Er hat übrigens für die ersten beiden Heimspiele am 12. und 14. Juli fix zugesagt. Zu 99 Prozent – da finden Halbfinale und Finale in Wimbledon statt. Kohli ist zwar wirklich ein selbstbewusstes Kerlchen, aber das Halbfinale in Wimbledon auf einem Belag, der nicht sein liebster ist, traut er sich dann auch nicht vollends zu (lacht).

Ist es kein Problem, Spieler, die viele Vereine hatten, zu integrieren?

Schmidt Das kommt immer ein bisschen auf die Person an. Aber grundsätzlich ist es so, dass wir ja immer nur Spieler nehmen, die mit anderen im Team schon befreundet sind. Die Integration passiert, ohne dass wir etwas tun müssen, weil sich die Spieler in einem Freundeskreis bewegen. Robin Haase hat Philipp Kohlschreiber gefragt: „Wie ist es in Gladbach?“. Und da hat Kohli gesagt: „Wehe du gehst woanders hin, wir wollen doch zusammenspielen.“ Das passiert hinter den Kulissen. Da geht es nicht immer um Geld, vor allem nicht bei den Spielern auf dem Niveau.

Wenn es nicht um Geld geht – warum ist dann Haases letzter Klub Halle insolvent geworden?

Schmidt Ich meinte, dass es den Spielern nicht darum geht, noch mehr on top zu haben. Robin Haase hat beispielsweise nicht mit uns verhandelt. Er hat gesagt, was er sich vorstellt und gefragt, ob wir das realisieren können. Ich weiß auch, dass er ausschließlich bei uns angefragt hat. Er hat nicht seinen Manager beauftragt, bei vier, fünf Vereinen anzufragen, um zu sehen, bei wem er am meisten verdienen kann. Er hat nicht gezockt.

Wie hoch ist denn der Etat in der Tennis-Bundesliga?

Schmidt Die Etats gehen von 200.000 Euro bis 550.000 Euro.

Wo steht der GHTC?

Schmidt Im unteren Mittelfeld. Man muss aber überlegen, wofür die Vereine Geld ausgeben. Es gibt welche, die haben vollamtlich tätige und bezahlte Teamchefs und Trainer. Ich mache das ehrenamtlich, Patrice Hopfe macht das ehrenamtlich, weil wir Spaß dran haben. Wenn du aber schon 120.000 Euro nur für Teamchef und Trainer ausgeben musst, bist du natürlich schon anders unterwegs.

Und der Team-Etat?

Schmidt Wenn wir nur über Spielerausgaben reden, liegen wir vom Etat her auf Platz vier oder fünf. Und das ist auch unser realistisches Saisonziel – Platz vier oder fünf. Wir haben einen Kader, der, wenn es super läuft, auch Erster oder Zweiter werden kann. Aber realistisch ist Platz vier oder fünf.

Welche Rolle spielt Tennis im Thema „100 Jahre GHTC“? Tennis ist ja die jüngere der beiden Sportarten im Verein.

Schmidt Absolut. Der GHTC ist aus der Tradition heraus ein Hockeyverein. Da wollen wir auch nicht, dass sich das im Hockeybereich ändert, sondern hoffen, dass er wieder wächst und wieder an noch erfolgreichere Zeiten anknüpft. Es ist doch schön, wenn wir zwei Sportarten erfolgreich im Verein umsetzen. Wir haben im Tennis jahrelang den Leistungssport im GHTC gefördert, aber in den letzten Jahren fast mehr im Breitensport- und Jugendbereich getan als im Leistungssport. Da sind wir stabil geblieben, aber wir haben enormen Zuwachs im Bereich Jugend- und Breitensport im Tennis. Unsere Tennisschule mit Daniel Puttkammer und Steffen Claßen ist extrem erfolgreich. Damit haben wir allein in den letzten drei Jahren um die 150 Kinder on top integriert. Das ist im Tennissport schon sensationell. Da wird einfach extrem gut gearbeitet, auch von unserer Jugendleiterin Eva Amrath. Das ist unfassbar, was sie leistet.

Den Zuwachs im Nachwuchs gibt es auch in der Hockeyabteilung und kann für beide Bereiche auch nur die Basis sein im GHTC, oder?

Schmidt Exakt. Wir haben im Tennis angefangen, den Leistungssport aufzubauen, hatten da aber auch mehrere Jahre Probleme im Jugendbereich. Seit drei, vier Jahren haben wir aber die meisten Zuwächse im Jugendbereich und die zweitmeisten im Breitensport der Erwachsenen. Erst dann kommt der Leistungssport als Nummer drei im Verein. Darüber sind wir aber sehr glücklich, weil unsere Idee nicht war, immer nur Leistungssport zu betreiben, sondern als Verein zu wachsen. Das geht jetzt tatsächlich auf. Wir haben seit zwei, drei Jahren Mitgliederzuwachs in beiden Abteilungen.

Wie ist die Stimmung zwischen Tennis- und Hockeyspielern?

Schmidt Es ist nicht so, dass man jede Feier gemeinsam macht, weil die Freundeskreise im Hockey und im Tennis anders organisiert sind. Aber man kann eindeutig sagen, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Es gibt da keine offenen Baustellen, wie das teilweise noch vor 20, 30 Jahren im GHTC war.

Hölzle Ich bin ja relativ neu im Verein, weil ich erst im letzten Jahr dazugekommen bin. Aber ich habe mich gewundert, wie gut das zwischen den einzelnen Abteilungen funktioniert. Wenn ich nach meinem Tennisspiel noch eine Apfelschorle trinke, haben wir im Gastro-Bereich große Tische, an denen sich Hockey und Tennis sehr schnell vermischen. Außerdem haben wir zwei-, dreimal Vereinsfeiern, die gibt es nicht nur für Hockey oder nur für Tennis. Das wird auch am 6. Juli beim „Tag des offenen Tores“ so sein.

Was passiert da?

Schmidt Da machen wir von der Tennisjugend was, von der Hockeyjugend was, da werden die Hockeyherren da sein und die Tennis-Bundesliga-Mannschaft. Dann können alle Mitglieder mit ihren Familien eine nette Zeit miteinander haben und einen Cocktail trinken. Genau so soll das auch sein in einem Klub. In diesem Jahr arbeiten wir gerade für das 100-Jährige auch an der Renovierung der Anlage, da würde ich Jan Klatt vom Hockey als „Projektleiter Verschönerung der Anlage“ bezeichnen, der die Gänge streichen, Fahnen und Plakate aufhängen ließ und vieles mehr. Dafür finden gemeinsame Meetings statt, und das wird auch gemeinsam finanziert. Da ist echt eine gute Zusammenarbeit für das 100-Jahr-Thema.

Hat sich der Verein da neu definiert?

Robin Haase ist der einzige Zugang des GHTC. Foto: REUTERS/VINCENT KESSLER