Lokalsport: Der fitteste Gladbacher

Lokalsport: Der fitteste Gladbacher

2017 wurde Crossfit-Athlet Kevin Winkens "fittest man in Germany". Dieses Jahr will der Athlet zu Weltmeisterschaft.

Bei einigen Ärzten gilt der Body-Mass-Index (BMI) immer noch als verlässliche Größe, wenn es um den Gesundheitszustand ihrer Patienten geht - unabhängig davon, dass dieses Maß bereits 1832 entwickelt wurde und nur noch bedingt an heutige Gesellschaften angepasst ist. Legt man den BMI zugrunde, dann ist es um den Gesundheitszustand von Kevin Winkens nicht allzu gut bestellt. "Da gelte ich als übergewichtig", sagt der 28-Jährige grinsend. Auf 1,75 Meter Körpergröße kommen bei ihm 83 Kilogramm Gewicht - das entspricht einem BMI von 27,1 und wird als "prä-adipös", kurz vor Fettleibigkeit, angegeben. Dabei ist Winkens nicht mal ansatzweise dick, im Gegenteil: 2017 wurde er als "fittester Deutscher" ausgezeichnet und steht auch dieses Jahr in diesem Ranking unter den Top-Leuten. Über seinen körperlichen Zustand sagt der BMI also nichts Sinnvolles aus.

Foto: Georg Amend

Winkens ist ein Voll-Athlet der Crossfit-Bewegung, die es vor fast einem Jahrzehnt aus den USA nach Deutschland geschafft hat. Es ist sowohl eine Trainingsmethode als auch Wettkampfsportart, die olympisches Gewichtheben, Ausdauerübungen und Turnelemente vereint. "Es ist jetzt nicht so, dass wir am Barren arbeiten", sagt Winkens. "Aber was beim Turner der Aufschwung ist, sind bei uns die Muscle-Ups." Der Handstand gehört ebenfalls zu den Turnelementen, Crossfit-Athleten können darin laufen oder "Liegestütze" machen, die aber nicht horizontal am Boden, sondern vertikal mit den Beinen in der Luft ausgeführt werden. Ringe, Hanteln, schwere Bälle - aus all dem setzen sich Workouts zusammen.

Im Handstand kann Winkens auch laufen oder "Liegestütze" machen, die Langhantel ist auch kein wirkliches Hindernis. Foto: Georg Amend

Und diese nutzt die Crossfit-Gemeinschaft weltweit, um ihre Leistungen vergleichen zu können. "Es sind vorgegebene Workouts, die Freitagsmorgens um 2 Uhr rauskommen", sagt Winkens und deutet auf sein Handy. Für die dort aufgelisteten Übungen hat jeder Athlet sieben Minuten Zeit, der Score ergibt sich daraus, wie viel der einzelne in dieser Zeit schafft. All das wird per Video dokumentiert, ein "Judge" (deutsch: Richter) kontrolliert die korrekte Ausführung. So wird das Workout vergleichbar - was Winkens zum fittesten Deutschen 2017 machte.

. . . mit den Armen hochziehen, eventuell die Beine um 90 Grad abspreizen. Foto: Georg Amend

In diesem Jahr ist das Ziel nicht, diesen "Titel" zu verteidigen, sondern sich erneut als einer der besten 30 Athleten für die Regionalausscheidung Europas, zu der auch zehn Teilnehmer aus Afrika kommen, zu qualifizieren, um dann den nächsten Schritt zu machen: Die fünf besten Teilnehmer dieser "EM" fahren zur Weltmeisterschaft, den Crossfit-Games.

. . . dann festhalten und Schwung holen. . ., Foto: Georg Amend

Winkens ist nicht nur Athlet, er ist auch Trainer. Die korrekte Bezeichnung lautet "Crossfit-Box-Owner", nachdem er sein eigenes Studio dieser Trainingsmethode eröffnet hat. "Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht, wusste aber, dass das nicht etwas für immer ist", sagt Winkens. "Dann habe ich Lizenzen als Ernährungscoach und Personaltrainer gemacht und in einem Studio gearbeitet. Da musste ich also Miete zahlen, um meine Leute trainieren zu können. Da war es eine klügere Entscheidung, selber eine Box aufzumachen." Das "Crossfit Vitus" an der Rheydter Straße hat inzwischen rund 110 Mitglieder, das älteste ist 62, das Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren. "Wir haben inzwischen fast mehr Frauen als Männer, die Mitglieder sind", sagt Winkens. "Jeder kann mit Crossfit anfangen, man kann es auf jedes Niveau anpassen. Wenn man es will, ist es immer anstrengend."

Training an den Ringen: Zunächst heißt es hochspringen. . . Foto: Georg Amend

Für den Sport muss der gebürtige Gladbacher, der in Viersen wohnt, natürlich auf seine Ernährung achten. "Ich brauche Minimum 4000 Kalorien am Tag", sagt Winkens. Auf die kann man relativ leicht kommen, aber nicht unbedingt auf gesundem Wege. "Falsche Kohlehydrate wie Zucker würden mir natürlich bei der Menge an Kalorien helfen. Aber dadurch wird man langsamer und regeneriert schlechter", warnt Winkens, der daher zum Beispiel auf Haferflocken-Shakes setzen muss, um seine Kalorienmenge zu erreichen. "Ich esse auch gerne Pizza und Schokolade, aber ich muss es halt auf ein Minimum reduzieren", sagt der Athlet schulterzuckend und ergänzt grinsend: "Aber ein- bis zweimal pro Woche versuche ich, ein normaler Mensch zu sein."

Früher trainierte Winkens in einem Fitnessstudio, brachte 76 Kilo auf die Waage. "Ich war viel schmaler damals, im Vergleich zu heute ein richtiger Lauch", sagt der Athlet, der seitdem sieben Kilo reine Muskelmasse zugelegt hat und ein Vielfaches seines Körpergewichtes bewegen kann: 215 Kilo beim Kreuzheben, 190 Kilo aus der Kniebeuge. Er trainiert zweimal am Tag, nur vor den Workouts gibt es einen "active rest-day", der so aussieht: "Eine Stunde bewegen: laufen, schwimmen oder rudern. Das ist für mich Pause", sagt Winkens. BMI hin oder her - fit ist er.

(ame)