Lokalsport: Bereit für die Special Olympics

Lokalsport : Bereit für die Special Olympics

Die Athleten des Vereins Schwimmen mit Behinderten trainieren intensiv für den Wettbewerb, der im Mai in Kiel ist.

Kurz vor dem Startschuss noch einmal tief durchatmen, sich im Wasser in die richtige Startposition begehen - und dann: Los! Während seine Teamkameraden vom Block aus starten, beginnt Indro Choudhuri seinen 50-Meter-Lauf aus dem Wasser. Am Beckenrand und auf der Tribüne des Vitusbads feuern die Zuschauer die Schwimmer an - insbesondere ihn. Choudhuri zeigt im Becken enormen Kampfgeist. Der 50-jährige Schwimm-Veteran ist seit seiner Geburt geistig und körperlich gehandicapt. Ohne voll entwickelte Arme und mit nur einem Bein hat er über die Jahre seinen eigenen Stil entwickelt, der den Schwimm-Begeisterten im Vitus-Bad sichtlich Respekt abverlangt. Zwar kommt er von den acht Startern als Letzter ins Ziel, den Applaus und Jubel seitens der anderen Schwimmer hat er aber sicher.

"Demnächst stehen die Special Olympics in Kiel an", sagt der Vorsitzende des Vereins Schwimmen-mit-Behinderten, Arno Schmieder. Anders als die Paralympischen Spiele richten sich die Special Olympics bundesweit an Sportler mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Die vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannte Sportbewegung wurde 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von John F. Kennedy, ins Leben gerufen. Die deutschen Special Olympics in Kiel sind in diesem Jahr vom 14. bis zum 18. Mai. "Trainiert wird dafür seit Monaten", sagt Karl Remus, Schriftführer und Betreuer des Vereins. Sein Sohn Thomas ist in diesem Jahr auch dabei. Qualifiziert hat man sich im Kampf gegen viele Konkurrenten in mehreren Vorläufen. Die Mannschaft will mit vielen Medaillen nach Hause kommen. 20-mal gab es im Vorjahr Edelmetall.

"Geschwommen wird in Leistungsklassen", erklärt Remus. Nach den Qualifizierungsläufen werden die Zeiten der Schwimmer analysiert und in eben jene Leistungsklassen eingeteilt. "Damit keine unfairen Vorteile entstehen", sagt Remus. Trainer Axel Giesen trainiert die rund 20 Wettkampf-Schwimmer aus allen Altersklassen einmal pro Woche in den verschiedenen Stilen, wie Brust oder Kraul, und im Staffel-Schwimmen.

Logischerweise muss der Trainerstab ganz individuell auf Jeden eingehen, da jeder mit einem anderen Handicap umzugehen hat. "Einen enormen Ehrgeiz haben hier alle", sagt Schmieder. Für Menschen mit einer Behinderung sei es oft nicht leicht, nicht nur am öffentlichen Leben, sondern auch an sportlichen Wettkämpfen teilzunehmen. "Viele trauen es sich nicht. Hier bekommen sie die Unterstützung, um sich auch sportlich mit anderen messen zu können."

Das Startgeld von 1000 Euro wurde in diesem Jahr von der Stadtsparkasse gespendet. Das Geld aus dem PS-Los-Ertrag kommt regelmäßig sozialen Einrichtungen zugute. "Uns ist es ein wichtiges Anliegen, auch Behinderten Sport und Wettkampf zu ermöglichen", sagt Filialleiter Burkhard Wingerath. Die Arbeit des Vereins sei eine gute Sache für das Gemeinwohl in der Stadt.

Der Verein leidet allerdings schon seit längerer Zeit an einem akuten Trainer- und Betreuer-Mangel. "Der Aufwand, diese Aktivitäten für behinderte Menschen zu ermöglich ist natürlich höher, als für nicht Behinderte", sagt Schmieder. Und da das Ehrenamt heutzutage immer weniger Anreize biete, sei es schwierig, qualifizierten Nachwuchs zu finden. "Es wäre extrem schade, wenn den behinderten Menschen in der Stadt diese Möglichkeit nicht mehr zur Verfügung stehen würde", sind sich alle Anwesenden einig.

(dola)
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