Großes Interesse am Basketball Wieso der TV 1848 das Potenzial nicht ausschöpfen kann

Basketball · Der TV 1848 hat seine Basketball-Abteilung wieder aufleben lassen - und die Resonanz ist groß, gerade im Jugendbereich. Nach dem WM-Titel der Nationalmannschaft ist zudem mit weiterem Zulauf zu rechnen. Doch in Mönchengladbach trifft dieses Wachstum auf strukturelle Probleme.

 Die Basketballer beim Mönchengladbacher TV 1848. Die Abteilung wurde mit vielen neuen Gesichtern wiederbelebt, im kommenden Jahr will der TV 1848 bei den Junioren und Senioren am Spielbetrieb teilnehmen.

Die Basketballer beim Mönchengladbacher TV 1848. Die Abteilung wurde mit vielen neuen Gesichtern wiederbelebt, im kommenden Jahr will der TV 1848 bei den Junioren und Senioren am Spielbetrieb teilnehmen.

Foto: Moritz List

Wenn eine deutsche Mannschaftssportart abseits des Fußballs große Erfolge feiert, ist das auch immer mit der Frage verbunden: Was bleibt hängen, wie kann das Momentum kompensiert werden? Beim sensationellen Weltmeistertitel der deutschen Basketballer ist das nicht anders. Daher formulierte Dennis Schröder, der Taktgeber des Teams, bereits kurz nach dem WM-Triumph die Hoffnung, „dass wir möglichst viele Kinder und Erwachsene dazu bewegen, Basketball zu spielen.“

Der TV 1848 Mönchengladbach hat dafür bereits die Vorarbeit erledigt: Seit August gehört Basketball wieder zum Portfolio des Vereins. Zweimal in der Woche bietet man seitdem Übungseinheiten in der Halle am Geroweiher an; dienstags für die Jugend, freitags für die Senioren. Die eigene Halle beim TV 1848 ist für Basketball nicht ausgerichtet. Interesse war derweil sofort vorhanden.

Der Verein kündigte sein neues Angebot zunächst im internen Newsletter an – und stieß damit auf große Resonanz, gerade im Jugendbereich. Eigentlich sollte das Angebot auf 20 Zusagen begrenzt sein, letztendlich ließ man bis zu 30 Jugendliche für die Einheit am Dienstag zu. Damit ist die Halle jedoch voll – 35 weitere Jugendliche stehen aktuell auf der Warteliste.

Die Basketballabteilung ist nicht neu beim TV 1848. Die Gründung geht auf das Jahr 1993 zurück. Damals erlebte der Sport hierzulande einen Aufschwung durch den Auftritt des sogenannten „Dream Teams“ um Michael Jordan bei Olympia 1992 und den EM-Sieg der deutschen Mannschaft ein Jahr später. Es folgten ab 1994 ein Spielbetrieb beim TV 1848, Basketballcamps und sogar Reisen in die USA.

Ende der 1990er-Jahre ebbte das Interesse jedoch ab: Es fehlte an Trainern und Spielern, und schließlich wurde das Angebot eingestellt. Geschlossen wurde die Abteilung indes nie. „Es gab immer mal Anfragen, aber nie genug Spieler für einen Trainingsbetrieb. Keiner hat es in die Hand genommen“, sagt Ina Meuter aus dem Sportbeirat des TV 1848.

Das nötige Engagement brachten nun Axel Gruhn, ehemaliger Zweitligaspieler, und Moritz List, aktueller Akteur bei den Odenkirchen Raiders, zum TV 1848. Beide umtrieb regelmäßig der Gedanke, wie Basketball in der Stadt gefördert werden kann. Denn über viele Jahre gab es einzig die Raiders in Odenkirchen als einzige Anlaufstelle in Mönchengladbach. Früh in die Gespräche involviert war auch der TV 1848. „Vor zwei Jahren haben wir erstmals lose gesprochen: Was können wir machen? Mit Odenkirchen hat man einen Verein, bei dem es super läuft – aber es gibt keinen Verein zentral in der Stadt. Daraus ist alles Weitere entstanden“, sagt Gruhn, der in den 1990er-Jahren für ART Giants Düsseldorf und später viele Jahre als Kapitän für die Lions Mönchengladbach spielte.

Es folgten weitere Treffen mit dem Vorstand des TV 1848, der in diesem Jahr sein 175-jähriges Vereinsjubiläum feierte. Seit Sommer steht der mit 3400 Mitgliedern zweitgrößte Sportverein der Stadt nun mit neuer Führung und neuem Konzept für die Basketball-Abteilung da. „Bislang ist das Angebot allerdings nur vereinsintern beworben worden“, sagt List.

Die erhöhte Aufmerksamkeit für den Basketball durch den WM-Erfolg ist allerdings Fluch und Segen zugleich für den Verein. Denn mit dem aktuellen Zulauf und den nur zwei Hallenzeiten in der Woche ist man im Prinzip ausgelastet. „Es gab bereits im Vorfeld einen Nährboden für Basketball, durch den WM-Titel wird das noch mehr. Der Andrang ist groß. Wir hoffen auf weitere Hallenzeiten, um ein breites Angebot zu haben“, sagt Gruhn.

Es ist ein altbekanntes Problem in Mönchengladbach: Die Nachfrage an Sportangebote ist vorhanden, die Kapazitäten an Hallenzeiten in der Stadt hingegen nicht. „Seit Jahren haben wir das Problem auch im Volleyball oder Handball, wo Leute auf Wartelisten stehen. Es ist kaum möglich, alle Anfragen zu bedienen. Langsam gehen uns die Ideen aus. Das ist ein großes Problem“, sagt Meuter vom TV 1848. Dieses Hindernis stellt sich nun auch der Basketball-Abteilung in den Weg. Denn langfristig braucht man mehr Hallenzeiten, um die Jugendgruppen altersspezifisch aufzuteilen und zu trainieren.

Immerhin kann der TV 1848 den Basketballern ab Herbst eine dritte Hallenzeit aus seinem Kontingent im Stadtgebiet frei machen, erneut in der Halle am Geroweiher. Mehr geht im Moment allerdings nicht. Die neue Hallenzeit kommt dann der Jugend zugute, da dort der Zulauf im Moment größer ist.

Bei den Senioren kommen freitags bislang stets rund 20 Leute zusammen, von Neulingen bis erfahrenen Spielern. Moritz List leitet diese Einheiten, die einem klaren Konzept folgen. „Wir wollen nicht nur zocken, sondern den Leuten auch etwas über das Spiel beibringen und vermitteln“, sagt Gruhn. List ergänzt: „Wir haben ein hohes Know-how und Erfahrung. Daher hat jede Einheit den gleichen Ablauf, mit Übungen zum Spielverständnis und Würfen.“ Das Training der Senioren soll bestenfalls dazu beitragen, Leute zu finden, die sich ebenfalls in der Abteilung engagieren. Denn das Vorhaben von List und Gruhn ist ambitioniert: Im kommenden Jahr möchte man bei den Junioren und Senioren jeweils eine Mannschaft im Spielbetrieb stellen.