Einstige Hochburg kämpft mit Problemen Die letzten Basketball-Bastionen in Mönchengladbach

Basketball · Basketball als Vereinssport ist in Mönchengladbach seit Jahren wenig ausgeprägt. Die Odenkirchen Raiders kämpfen um Nachwuchs, bessere Bedingungen und den Aufstieg in die Oberliga. Der Saisonstart ist schon mal gelungen. Zudem nimmt neuerdings ein zweiter Verein aus der Stadt am Spielbetrieb teil

 Die Odenkirchen Raiders gehen in der Basketball-Landesliga an den Start.

Die Odenkirchen Raiders gehen in der Basketball-Landesliga an den Start.

Foto: Moritz List

In Mönchengladbach war Basketball mal ziemlich angesagt. Die Lions Mönchengladbach gehörten ab 2004 für mehrere Jahre zur 2. Bundesliga, an Spieltagen kamen 400 bis 500 Zuschauer in die Jahnhalle. Es wären wahrscheinlich sogar noch mehr kommen, bei 500 Besuchern war die Kapazitätsgrenze der Halle allerdings erreicht.

Bis 2007 hielt die hiesige Hochphase des Sports, dann folgte aufgrund einer Neuorganisation des Spielbetriebs der Abstieg in die Regionalliga, der Absturz des Vereins und der Abwärtstrend des Basketballs insgesamt in der Stadt. Das Aus der Lions konnte auf dem Niveau niemand kompensieren. Irgendwann meldeten sich weitere Klubs ab. Basketball war als Vereinssport auf einmal gar nicht mehr angesagt in Mönchengladbach.

Einzig die Odenkirchen Raiders sind über all die Jahre geblieben. Inzwischen geht die Mannschaft in ihre zweite Saison in der Landesliga, der sechsthöchsten Spielklasse. Im Vorjahr spielte Odenkirchen sogar in der Aufstiegsrunde mit, belegte am Ende Platz drei. Als Saisonziel für diese Spielzeit nennt Trainer Pasquale Rendina das obere Mittelfeld, perspektivisch hofft man auf den Sprung in die Oberliga.

„Der Aufstieg in die Oberliga wäre wichtig für den Basketball in Mönchengladbach, in der Oberliga ist mehr Pep drin, die Spielklasse zieht ein bisschen mehr und ist attraktiver“, sagt Moritz List, Spieler und Assistenztrainer der Mannschaft.

Dabei sei Basketball in der Stadt gar nicht so unattraktiv, wie die ausgedünnte Vereinslandschaft vermuten lässt, sagt List: „Die Community ist deutlich größer, als man denkt.“ Auf den öffentlichen Basketballplätzen in Hardt, Rheindahlen, am Grenzlandstadion oder in Odenkirchen-Süd würden sich regelmäßig zahlreiche Spieler treffen. Auch List und Rendina sind oft dabei. „Die Begeisterung für den Sport ist da. Auch ehemalige Spieler der Lions sind dabei“, sagt List.

Diese Begeisterung kommt allerdings kaum beim Verein an. Das hat mehrere Gründe. Da wäre beispielsweise eine generelle Entwicklung, die viele Sportarten betrifft und die Trainer Rendina ebenfalls für den Basketball feststellt: „Die Jugendliche wollen sich nicht an einen Verein binden, sie wollen lieber das tun, worauf sie gerade Lust haben.“ Die Pflicht, feste Trainings- und Spielzeiten einzuhalten, schreckt offenbar ab. Anstatt in Vereinen organisieren sich die Spieler oft in Gruppen, die sich dann unverbindlich regelmäßig an ihrem Basketballplatz treffen.

Eine andere Herausforderung seien fehlende Trainer, gerade im Jugendbereich. Und dann sind da laut List noch die sportlichen Voraussetzungen. Die Raiders trainieren und spielen in der Sporthalle der Hauptschule Kirschhecke in Odenkirchen. Zum Training steht der Mannschaft zumeist nur die halbe oder ein Drittel der Halle zu Verfügung – also kein ganzes Basketballfeld. Auch die Körbe haben schon etliche Jahre und Spiele miterlebt, schwingen bei jedem Korb mit und haben auch ansonsten eine leichte Schieflage. So berichtet es List.

Zwar gebe es bei den Spielen auf den Freiplätzen auch einige aktive Spieler aus Mönchengladbach, diese spielen allerdings in Krefeld, Kaarst oder Willich. „Da sind die Hallen und die Bedingungen besser“, sagt List.

Trotzdem schließt sich der eine oder andere auch den Odenkirchener Raiders an. Gerade zu dieser Landesliga-Saison musste der Kader umfangreich aufgefüllt werden. „Bei uns ist die Fluktuation oft ein Problem: Studium, Auslandsaufenthalt oder Beruf – ein Team bleibt selten über Jahre zusammen. In der vergangenen Saison hatten wir ein sehr junges Team, fast alle kamen aus Mönchengladbach. Nun ist die Hälfte weg“, sagt List.

Also nutzten er und Rendina ihr Netzwerk auf den Freiplätzen der Stadt. Mit Kai Bonzelett und Fabian Kamphausen sind auch zwei Spieler aus den damaligen Erfolgszeiten der Lions neu in der Mannschaft. „Das sind sehr gute Zugänge. Beide bringen Erfahrung und Reife ins Team“, sagt Rendina. Allerdings ist das 15-köpfige Team in dieser Saison mit durchschnittlich rund 30 Jahren deutlich älter als in der Vorsaison. Außerdem dauerte die Spielersuche, erst kurz vor Saisonbeginn konnte der normale Trainingsbetrieb aufgenommen werden. Der Auftakt in die Liga lief derweil gut, zum Auftakt gewann Odenkirchen gegen den Remscheider SV mit 72:60. Am kommenden Wochenende geht es für die Raiders zur dritten Mannschaft der TG Düsseldorf.

Zuletzt stand der Basketball in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit aufgrund der Heim-Europameisterschaft in der vorderen Reihe; der Fernsehsender RTL holte die K.o.-Spiele der deutschen Mannschaft um NBA-Star Dennis Schröder sogar kurzfristig in sein Programm. Am Ende gewann Deutschland die Bronzemedaille.

Ob das Interesse an Basketball dadurch aber nachhaltig in Deutschland wächst, da sind sich List und Rendina unsicher. „Die EM war sehr erfolgreich. Allerdings sind nur die K.o.-Spiele im Fernsehen gezeigt worden. Das waren drei Spiele. Ich weiß nicht, ob das reicht und die Leute abgeholt hat“, sagt Rendina.

Zumindest einen positiven Aspekt gibt es zur neuen Saison für den Basketball in Mönchengladbach. Mit dem Rheydter TV hat sich nun eine zweite Mannschaft aus der Stadt für den Spielbetrieb gemeldet. Die Mannschaft startet in der Kreisliga Niers.

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