Analyse: Auch im Amateurfußball nimmt die Geldflut zu

Analyse: Auch im Amateurfußball nimmt die Geldflut zu

Jupp Heynckes verdiente 1964 bei Borussia 160 Mark im Monat. Heute können Ausnahmekicker von ihrem Verdienst auch nach der Karriere noch luxuriös leben. Davon sind die unteren Ligen weit entfernt, aber auch dort wird immer mehr Geld bezahlt.

Jahresgehälter für Spitzentrainer im zweistelligen Millionenbereich sind inzwischen im internationalen Fußball keine Ausnahme. Für Spieler werden Millionen bei Klubwechseln aufgerufen und dann auch jährlich an die Ausnahmekicker bezahlt. Wer oben angekommen ist, kann nach dem Karriere-Ende sorglos ein Luxusleben führen. Nicht zuletzt profitieren von dieser kaum zu stoppenden Geldflut auch Funktionäre, Schiedsrichter der gehobenen Klasse und weitere Personen, die vom Profifußball profitieren. Und was machen die Amateure?

Wenn Jupp Heynckes als erstes Gehalt bei Borussia 1964 als 160 Mark im Monat angibt, dürfte ein Amateurverein mit diesem Betrag kaum einen Spieler auf den Platz locken können. In der Oberliga sind durchaus vierstellige Gehälter an der Tagesordnung, dazu kommen noch Erfolgsprämien. Für etliche "Amateure" ist der Fußball mangels beruflicher Perspektive damit die Hautverdienstquelle.

Wie sieht es in den Ligatiefen des Fußballs aus, direkt um die Ecke? Spielt auch da Geld eine entscheidende Rolle? Ist in den Katakomben des Fußballs der persönliche Ehrgeiz, der Reiz des Gewinnens der Antrieb? Diese Sorte Fußballer scheint auszusterben, wobei die Klubs darauf achten, Geldangelegenheiten in den Bereich böser Unterstellungen zu schieben. Doch einige Vorgänge in den vergangenen Jahren lassen vermuten, dass Geld, und das teilweise nicht zu knapp, eine erhebliche Rolle beim sportlichen Erfolg spielen soll.

Da gibt es hochtalentierte Spieler, die sicher Oberliga spielen könnten, die plötzlich ihr sportliches Glück in der Kreisliga B suchen. Bekäme der Kicker 800 Euro pro Monat und die Aussicht auf eine vierstellige Aufstiegsprämie, wüsste Heynckes, dass ihn Borussia 1964 gehörig über den Tisch gezogen hätte.

In der Winterpause können Spieler nur mit Einverständnis des abgebenden Vereins wechseln. Es gibt keine festen Wechselgelder wie zum Saisonstart. Wenn also der sportliche Schuh drückt, der finanzielle aber reichlich groß ist, können auch schon mal vierstellige Beträge zwischen den Klubs das Einverständnis zu einem Wechsel beschleunigen. Die Rückkehr eines solchen Spielers in der neuen Saison ist dann durchaus für festgelegte geringere Beträge zu bewirken und somit als geschäftlicher Erfolg zu verbuchen.

Da ist ein Trainer, der ein doppeltes Gehalt und entsprechende Erfolgsprämien ausschlägt, schon die Ausnahme. Ist das nun derjenige, der das Spiel nicht richtig verstanden hat, einer der die Entwicklung nicht mitbekommen hat? Vielleicht hat er aber auch nur Spaß am Fußball und arbeitet gerne mit Menschen, die ihren Sport noch als schönste Nebensache der Welt begreifen. Heynckes würde sich wahrscheinlich über einen solchen Kollegen und Sportler freuen.

(RP)