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Andreas Tölzer: „Es ist mein Wunsch Judo-Bundestrainer zu werden“

Interview Andreas Tölzer : „Es ist mein Wunsch, Bundestrainer zu werden“

Der „Bulle von Gladbach“ hat eine neue Aufgabe: Ab sofort kümmert sich Andreas Tölzer vom 1. JC Mönchengladbach als U21-Bundestrainer um den Judo-Nachwuchs in Deutschland.

Andreas Tölzer ist der neue U21-Bundestrainer und kümmert sich um den Judo-Nachwuchs. Im Interview spricht der „Bulle von Gladbach“, wie der Olympia-Dritte von 2012 auch genannt wird, über seine Ziele beim Deutschen Judo-Verband, die Beziehungen zu seinem Heimatverein in Mönchengladbach und wirft einen Blick auf die kommenden Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Herr Tölzer, seit dem 1. Januar 2022 sind Sie der neue U21-Bundestrainer für den deutschen Judo-Nachwuchs. Wie kam es dazu?

Andreas Tölzer Es war immer mein langfristiges Ziel, dass ich mich als Trainer auf die Bundesebene hocharbeite. Dass es jetzt so schnell geklappt hat, freut mich natürlich. Die Stelle als Nachwuchscoach wurde frei, ich wurde gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Ich habe nicht gezögert und dankend angenommen.

Ein langfristiges Ziel, das nun doch relativ schnell Realität wurde. Hätten Sie das gedacht?

Tölzer Auf den Trainerpositionen kann sich immer mal kurzfristig etwas ändern, ich hatte aber eher nach 2024 damit gerechnet. Dass ich diese Aufgabe als U21-Coach jetzt schon vom Deutschen Judo-Bund anvertraut bekomme, ist eine schöne Sache und ich fühle mich geehrt.

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Ist dann der „Herren-Bundestrainer Andreas Tölzer“ das nächste Ziel?

Tölzer Natürlich ist es mein Wunsch, irgendwann einmal Bundestrainer für die Herren zu sein. Wie in den meisten Sportarten wird auch beim Judo in olympischen Zyklen gedacht. Das Ziel ist es, im Optimalfall immer für zwei Zyklen – also zwei Olympische Spiele – als Bundestrainer zu planen. Ich habe jetzt einen Dreijahresvertrag bis Ende 2024 unterschrieben, auf diesen Job konzentriere und fokussiere ich mich nun. Nach den drei Jahren wird man sehen, ob mein Vertrag verlängert wird oder ob andere Chancen und Möglichkeiten für mich bereitstehen. Die Entwicklung ist aber natürlich schwer vorauszusagen.

Dann bleiben wir in der Gegenwart: Wie lief der Start als neuer U21-Bundestrainer im Januar?

Tölzer Da es eine fließende Übergabe war, habe ich bereits vor dem 1. Januar mit den ersten Aufgaben begonnen. Im Oktober ist der U21-Coach in den Herrenbereich gewechselt, so war ich zum Beispiel schon bei den Junioren-Europa- und Weltmeisterschaften 2021 dabei. Dann gab es im Dezember ein Trainingscamp in unserem Olympischen Trainingszentrum in Kienbaum. Wie das Jahr nun läuft, hängt auch von der Pandemie ab. Als Bundestrainer des Nachwuchses werde ich etwa 160 bis 180 Tage im Jahr unterwegs sein – in Kienbaum, bei den Bundesstützpunkten und auf der ganzen Welt. Es stehen die Junioren-Europameisterschaft in Tschechien und die Weltmeisterschaft an, wobei der Austragungsort der WM noch nicht vergeben worden ist.

Trauen Sie einem Ihrer neuen Schützlinge dort schon den großen Wurf zu?

Tölzer Das ist schwer einzuschätzen. Ich glaube an meine Athleten, sie arbeiten hart, um ihre individuellen Ziele zu erreichen. Ich habe von Ende der U18 bis zur U21 drei Jahrgänge unter meiner Verantwortung. Leider gab es 2021 wenig Vergleichsmöglichkeiten für die jungen Athleten, daher wissen wir nicht genau, wo wir international stehen. Ich werde aber versuchen, die Sportler mit meiner Erfahrung bestmöglich auf diese Wettkämpfe vorzubereiten.

2004 waren Sie bei Ihren ersten Olympischen Spielen in Athen dabei, 2012 folgte mit der Bronzemedaille in London der größte Erfolg. Zudem sind Sie Europameister und zweifacher Vize-Weltmeister. Was können die jungen Talente von Ihnen lernen?

Tölzer Ich versuche meine persönlichen Erfahrungen aus meiner aktiven Zeit und das gelernte Wissen als Diplom- Trainer weiterzugeben. Da geht es um das richtige Krafttraining, aber auch um eine passende Ernährung und nicht zuletzt natürlich um die Techniken auf der Judomatte. Zudem versuche ich mich selbst weiter fortzubilden, um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben und den jungen Athleten die beste Betreuung garantieren zu können.

Mit dem Tölzer-Umdreher ist ein Griff im Judo sogar nach Ihnen benannt worden. Wird der in Ihrem Training explizit einstudiert?

Tölzer Das versuche ich mit einzubauen. Aus meiner Sicht ist es elementar wichtig, vor allem für junge Kämpfer, dass ihnen ein breit gefächertes Wettkampfrepertoire an die Hand gegeben wird und sie so auf der Matte mehr Möglichkeiten haben: auch im Stand- und Bodenkampf. Im Erwachsenenbereich findet man dann heraus, was für den Einzelnen am besten funktioniert, aber junge Athleten brauchen viele verschiedene Einflüsse – und da ist der Umdreher einer davon.

Die nächsten Olympischen Sommerspiele finden 2024 in Paris statt: Hat jemand aus dem Nachwuchskader schon das Zeug, um sich dafür zu qualifizieren?

Tölzer Ich wünsche es mir, bei meinen ersten Spielen war ich auch erst 24 Jahre alt. Allerdings ist der Zeitraum bis zum Beginn der Qualifikation enorm kurz. Es benötigt schon eine Medaille bei der diesjährigen Junioren-WM, damit man sich Chancen für Paris ausrechnen kann. Allgemein haben wir im U21-Kader einige talentierte Athleten, denen ich den Sprung zutraue.

Sie arbeiten mit den besten 32 Nachwuchstalenten zusammen, aber wie sieht es an der Basis aus. Wie ist es um den Breitensport bestellt?

Tölzer Viele Menschen in Deutschland haben schon mal Judo gemacht, es dann aber nicht weiterverfolgt. Diese Sportler muss man versuchen zu binden. Dafür sollte Judo meiner Meinung nach mehr in den Schulsport integriert werden. Am Beispiel von Frankreich kann man sehen, wie viel das bringen kann, um eine gute Basis für diesen Sport zu schaffen. Außerdem vermittelt Judo mit seinem Wertesystem wichtige Aspekte wie Respekt und Höflichkeit – also Dinge, die man auch in seinem alltäglichen Leben an den Tag legen sollte. Was die Zukunft des Breitensports angeht, bin ich froh, dass Andreas Kleegräfe – zuvor Präsident des Nordrhein-Westfälischen Judo-Verbandes – nun einen Vorstandsposten im DJB übernommen hat und sich um die strukturelle Zukunft des Breitensports kümmert.

Ihr Heimatverein ist der 1. JC Mönchengladbach. Wie oft halten Sie noch Kontakt?

Tölzer Ich bin weiterhin Mitglied im Verein und bis zum Herbst 2021 war ich zudem Vize-Präsident. Als nun die neuen Wahlen anstanden, habe ich mich nicht erneut aufgestellt. Da ich die Stelle als U21-Bundestrainer antreten werde, bin ich nun noch mehr eingebunden, als in meiner vorherigen Rolle als Landestrainer. Zeitlich kann ich dem Verein gar nicht mehr gerecht werden. Natürlich bleibe ich in Kontakt und verfolge, was beim Verein passiert.