Tischtennis: Abgekartetes Spiel

Tischtennis: Abgekartetes Spiel

Odenkirchen stieg auf, und damit war 1950 die Gründung der Tischtennis-Abteilung des Rheydter Spielvereins perfekt. Damals spielte schon Geld eine Rolle. Die Tischtennisspieler waren in Westdeutschland ein Top-Team.

Die Sache war einfach gut abgekartet. Der Aufstieg der Odenkirchener Tischtennisspieler war so gut wie sicher, zumal ein Supertalent wie Hans Werner Schippers gewonnen werden konnte. Tatsächlich wurden die Odenkirchener als Niederrheinliga-Meister der Oberliga West, der damals höchsten Spielklasse, zugewiesen. Dann aber fehlte das liebe Geld für die anstehenden weiten Reisen. Der Retter stand schon fest: der Rheydter Spielverein, der praktisch über Nacht zu einer neuen Abteilung kam, die in den folgenden Jahren für viel Furore sorgte und 2010 ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

"Das war vorauszusehen. Zwischen der Tischtennis-Abteilung von Odenkirchen 05/07 und dem Spielverein war die Sache schon vorher freundschaftlich vereinbart worden", erinnert sich Hans Werner Schippers, der heute 80 Jahre alt ist. "Schippers war schon ein Ausnahmetalent", bestätigt auch Eberhard Schöler, der stellvertretende Präsident der Europäischen Tischtennis Union, der viele Jahre die Geschicke der Abteilung begleitete, weil seine Brüder Reinhard und Karl Heinz aktiv zum Erfolg des Spielvereins beitrugen.

Ein Vizeweltmeister

Der Vizeweltmeister 1969 war 1968 erster Sieger des Internationalen Tischtennisturniers, das die Abteilung anlässlich der Rheydter Blumenwoche durchführte. Schon zuvor konnten sich aber auch die Erfolge dieser Abteilung sehen lassen. Eberhard Schöler bestätigt: "Die Rheydter waren in Westdeutschland führend und redeten auch deutschlandweit ein Wörtchen mit." Hans Werner Schippers wurde mit Hilde Gröber im Mixed Deutscher Meister. "Das war nicht nur sportlich ein gutes Paar", gesteht er heute noch gerne. Für ihn gab es aber auch weitere Erfolgserlebnisse. 1954 wurde er mit Werner Höveler Westdeutscher Meister. Mit den Schöler-Brüdern wurden Verstärkungen gefunden, die den Spielverein in Tischtenniskreisen weiter im Gespräch hielten. Doch dann ging es 1960 bergab, gar bis in die Landesliga. 20 Jahre dauerte es, bis die Tischtennisspieler des RSV wieder in der Oberliga West ein kurzes Intermezzo gaben. Der große sportliche Erfolg war aber nicht mehr zu schaffen. Dafür stimmte es über die vielen Jahren in einem ganz anderen Bereich: der Geselligkeit, der Kameradschaft. "Man spielte, weil es Spaß machte. Das war in Rheydt sehr ausgeprägt", erinnert sich Eberhard Schöler.

Darüber blieben die Tischtennisspieler des Spielvereins auch in anderen Bereichen sehr emsig. Als Funktionär war Siegfried Wimmers im Kreis über Jahrzehnte eine feste Größe. Überhaupt profitierte der Kreis erheblich vom Idealismus vieler RSV-Mitglieder. Die wurden älter, aber nicht weniger aktiv. Heiner Schwarz machte auf sich bei vielen internationalen Seniorenturnieren aufmerksam. Inzwischen ist die Abteilung selbstständig, aber stolz, mit dem Rheydter Spielverein namentlich verbunden zu sein. Aber sicher wird sie nicht nach 60 Jahren ihre Aktivitäten einstellen. Irgendwie wird es weiter gehen, und irgendwann wird sich vielleicht wieder ein Ausnahmetalent wie Hans Werner Schippers finden lassen.

(RP)