Sport und Schulen in Mönchengladbach: „100 Millionen für Schulsanierungen"

Schule und Sport in Möchengladbach : „100 Millionen für die Sanierung der Schulen“

Harald Weuthen, Fachbereichsleiter Schule und Sport, über steigende Schülerzahlen, Digitalisierung und Sportanlagen-Sanierung.

Herr Weuthen, die Anmeldezahlen für die Mönchengladbacher Schulen wurde jetzt veröffentlicht. Sind Sie überrascht?

Weuthen Nein, wir haben seit Jahren konstante Schülerzahlen zwischen 2200 und 2300 Schülern pro Jahrgang. Auch bei der Verteilung auf die unterschiedlichen Schulformen gibt es keine Überraschung. Es wird daher auch keine Versorgungsprobleme geben. Sicher ist es in einigen Schulen eng, bei den Gesamt­schulen und Realschulen, temporär auch bei einzelnen Gymnasien, aber generell passt es.

Bei einigen Schulen sind die Anmeldezahlen aber schon recht niedrig. Die Hauptschule Kirschhecke meldet 28 Anmeldungen.

Weuthen Ja, aber solche Ergebnisse gibt es jedes Jahr. Es gibt noch 65 säumige Schüler, die noch nicht angemeldet worden sind, für sie brauchen wir ja auch noch Platz. Ich gehe bei der Hauptschule Kirschhecke also weiterhin von einer Zweizügigkeit aus. Außerdem müssen wir noch berücksichtigen, dass in Klasse 7 viele Schüler die Schulform wechseln. Im vergangenen Jahr waren das 120 Schüler. Deshalb ist es gut, wenn wir noch Reserven haben. Insgesamt bestätigen sich aber die Prognosen, die wir vor einigen Jahren erstellt haben.

Die Schülerzahlen werden wieder steigen. Ab wann macht sich dieser Trend bemerkbar?

Weuthen Ab nächstes Jahr steigen die Einschulungen auf 2424, 2021/ 22 erwarten wir 2505 Schulanfänger, im Jahr darauf 2553 und schließlich 2600. Wir sind auf diesen Anstieg vorbereitet, müssen die Situation aber kontinuierlich beobachten. Jetzt zeigt sich, dass es gut war, vor einigen Jahren Grundschulen nur sehr moderat zu schließen. Wir planen zudem Erweiterungsbauten an 16 Standorten. Das ist einerseits das Ergebnis der Ausbauoffensive Offene Ganztagsschule, kommt uns aber andererseits auch beim steigenden Bedarf an Klassenräumen entgegen. Alles in allem ist es aber noch auch keine exorbitant hohe Anzahl von Schulanfängern, die auf uns zukommt. Noch Anfang 2000 hatten wir rund 3200 Schulanfänger.

Die steigende Zahl der Schulanfänger wird sich ein paar Jahre später auch in den weiterführenden Schulen bemerkbar machen.

Weuthen Ja, ab 2024 ist auch der Sekundarbereich betroffen, wo es teilweise jetzt schon eng ist. Aber die Politik hat kluge Entscheidungen getroffen, so dass wir vorbereitet sein werden. Die Geschwister-Scholl-Realschule soll um einen Zug erweitert werden. Es sollen sechs Klassenräume und zwei Fachräume gebaut werden. Für die Gesamt­schulen Mülfort und Volksgarten werden kurzfristig Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, die eine Sechszügigkeit prüfen sollen. Es ist beabsichtigt, die Ergebnisse Ende des Jahres der Politik vorzustellen. Das Geld für einen Ausbau müsste ab 2021 bereitgestellt werden, so dass es möglich ist, bis 2024 die erforderlichen Erweiterungsbauten zu errichten.

Wird das reichen? Es kommt ja auch noch die Umstellung auf G9 dazu, die ebenfalls zu einem erhöhten Raumbedarf führt.

Weuthen Wir werden uns in nächster Zeit alle Gymnasien ansehen, Gespräche führen und den Raumbedarf feststellen. Ab 2022 stehen für ganz NRW 500 Millionen Euro für den G9-Umbau zur Verfügung. Bis Mitte 2020 sollten wir wissen, was in Mönchengladbach benötigt wird.

Lange Zeit war von Sanierungsstau die Rede. Wo steht Mönchengladbach mit Blick auf die Schulen heute?

Weuthen Durch den städtischen Haushalt und Förderprogramme von Bund und Land fließen bis 2022 ca. 100 Millionen Euro in die Sanierung beziehungsweise Erneuerung der Schulen. Insbesondere das Programm Gute Schule 2020 hat sehr geholfen, den Sanierungsstau vielfach aufzuheben. Es gibt aber noch zwei weitere Pakete, durch die die Situation an den Schulen verbessert wird. Zum einen sind das die Erweiterungsbauten, die durch die Ogata-Offensive möglich werden, und zum anderen die Gelder, die jetzt in die Qualitätsverbesserung fließen, also in die Digitalisierung oder in die Modernisierung der naturwissenschaftlichen Räume. Dadurch können wir den Schulen bessere Rahmenbedingungen für ihre pädagogische Arbeit bieten. Das Gebäudemanagement der Stadt macht in diesem Zusammenhang, bei schwierigen Rahmenbedingungen, zurzeit einen sehr guten Job.

Wie weit sind die Gladbacher Schulen bei der Digitalisierung?

Weuthen Wir haben als Verwaltung unsere Hausaufgaben gemacht und in den letzten Jahren Planungsgrundlagen geschaffen, auf die wir jetzt aufbauen können: die Schulentwicklungspläne zum Beispiel, den Rahmenplan Ogata, den Medienentwicklungsplan und den 1. Bildungs- und Jugendhilfebericht. Das sind Bestandsaufnahmen und Konzepte, die eine tragfähige Basis bilden. Der Medienentwicklungsplan zum Beispiel ist die Grundlage dafür, die avisierten 16 Millionen Euro aus dem Digitalpakt sinnvoll und schnell einsetzen zu können. 16 Millionen sind übrigens genau die Summe, die wir laut Medienentwicklungsplan für die Digitalisierung der Schulen brauchen.

Und wie ist der aktuelle Stand?

Weuthen Für die Breitbandanbindung nutzen wir das stadteigene Vitus Net. 60 Prozent der Schulen haben wir schon erreicht, bis Ende nächsten Jahres sollen es alle Schulen sein. An der Inhouse-Verkabelung bis zum Server der Schule sind wir dran. Über den Digital Pakt soll dann jede Schule im Gebäude WLAN und in jedem Klassenzimmer LAN-Verbindungen erhalten. Außerdem sollen alle Räume mit Präsentationstechnik ausgestattet werden. Vorgesehen sind mobile Endgeräte wie Laptops oder Tablets und zwar pro fünf Schüler ein Gerät zum mobilen Arbeiten. In der Hans-Jonas-Gesamtschule und der Realschule Volksgarten wird aktuell modellhaft ein umfassendes WLAN-Netz installiert.

Ist die Textilakademie in dieser Hinsicht ein Vorbild?

Weuthen Sie arbeiten dort ohne Lehrbücher, es gibt keine Kopierer, in allen Klassen gibt es Whiteboards, das ist schon eindrucksvoll. Vor allem aber können die Schulen dort lernen, wie man den Unterricht mit digitalen Medien gestaltet. Die Ausstattung allein reicht ja nicht, die digitalen Medien müssen auch pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden. Deshalb muss auch jede Schule ein Medienentwicklungskonzept vorlegen.

Sie sind auch für den Bereich Sport zuständig. In den letzten Jahren ist viel Geld in die Außensportanlagen geflossen.

Weuthen Ja, bis 2022 werden alle Außensportanlagen saniert und modernisiert sein. Insgesamt sind dann seit 2004 30 Millionen investiert worden. Beispielhaft möchte ich zwei Sportanlagen nennen, die innerstädtisch nach der Erneuerung richtige Highlights geworden sind. Das Grenzlandstadion und die Sportanlage Radrennbahn, die multifunktional und den ganzen Tag von verschiedenen Gruppen genutzt werden können. Aktuell beschäftigen wir uns mit dem Campuspark, dort werden Fördermittel in Höhe von 4,6 Millionen Euro fließen. Es wird neben dem Umbau des RSV Stadions auch eine Wegeverbindung vom Stadion bis zur Breite Straße und damit zum Campus geben. Außerdem werden zurzeit wiederum zwei Bolzplätze (Römerbrunnen/Hehner Straße) in der Stadt in Kunstrasenspielfelder umgewandelt und in Planung ist eine beleuchtete Laufstrecke am Schloss Rheydt. Das alles war und ist ein Riesenkraftakt, der gelingt, weil Verwaltung, Politik, Stadtsportbund und Vereine an einem Strang ziehen.

Wie sieht es bei den Hallen in der Stadt aus?

Weuthen Da sind wir auf dem gleichen Weg, aber noch nicht ganz so weit. Bis jetzt haben wir 15 Millionen Euro investiert. Zurzeit sind zwei Hallen – die am Asternweg und die an der Voigtshofer Allee in Arbeit, für zwei weitere Turnhallen Zeppelinstraße und Volksgartenstraße 124 werden zurzeit Machbarkeitsstudien erstellt. In diese vier Hallen investieren wir 5,5 Millionen Euro: Wir haben den politischen Auftrag, analog zu den Außensportanlagen eine Prioritätenliste aufzustellen, die dann abgearbeitet wird. Die Basis dafür haben wir geschaffen: 21 von 64 Hallen wurden identifiziert. Jetzt werden sie genauer begutachtet und dann werden wir mit einer Priorisierung in die politische Beratung gehen. Außerdem werden zurzeit alle Grundschulen ohne eigene Turnhalle bewertet. Auch hier werden Machbarkeitsstudien erstellt, anhand derer man über die Errichtung von Turnhallen an Grundschulen entscheiden kann.

Im Hockeypark sollen wieder internationale Spiele ausgetragen werden. Wie wichtig ist das für den Standort Mönchengladbach?

Weuthen Die Pro League Spiele nach Mönchengladbach zu vergeben, ist ein wichtiges Signal durch den Deutschen Hockeybund. Es ist gut, dass wieder wahrgenommen wird, dass wir eines der schönsten Hockeystadien Europas in der Stadt haben und dort hochklassiges Hockey angeboten wird. Darüber hinaus sollen die Lehrgänge der Hockey-Nationalmannschaft in Mönchengladbach zentriert werden. Dazu müsste am Hockeypark ein Boardinghaus errichtet werden, die Gespräche dazu laufen zurzeit mit dem Hockeybund und dem Land NRW als möglichen Fördergeber. Die Errichtung des Hauses ist natürlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die noch zu prüfen ist.

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