Mönchengladbach: Spindel feiert Geburtstag im neuen Haus

Mönchengladbach : Spindel feiert Geburtstag im neuen Haus

Seit Jahresbeginn ist die Kleinkunstbühne "Die Spindel" direkt gegenüber dem Standort der Vorgängereinrichtung zu Hause. Seit 20 Jahren kümmert sich der türkische Kabarettfan Tacettin Binici um das Theater. Im BIS geht's nun weiter.

Ein fast schon geflügeltes Wort grassiert seit 20 Jahren in Mönchengladbach. "Da musste ein Türke nach Gladbach kommen, erst seitdem gibt es hier eine Kabarettbühne." (Gewiss, später folgten das Rote Krokodil in Wickrath und das TiG in Eicken)

Daran erinnert die Gladbacher Chanteuse und Kabarettistin Monika Hintsches bei ihrer Anmoderation zu der runden Geburtstagsfeier im BIS. Die Aussage war stets von Ehrfurcht bestimmt. Allerdings war damit in den Anfängen nicht Tacettin Binici gemeint, der das bestehende Kleinkunsttheater "Kervan" in die "Spindel" umbenannte, sondern jener Ahmet Inanici, der im Lokal "Kervan Saray" an der Aachener Straße irgendwann Ende der 1980er-Jahre anfing, Kabarettisten einzuladen. Damals kamen die noch nicht so bekannten (und nicht so teuren) Harald Schmidt und Dieter Nuhr. Bald darauf erfolgte der Umzug an die Bismarckstraße.

Von da an hatte Inanicis Landsmann Binici die Federführung bei dem Kultur-Unternehmen. "Ich hatte immer Liebe zur Kunst und Kultur. Als ich damals angesprochen wurde, habe ich nicht lange überlegt", erinnert sich Tacettin Binici auf der BIS-Bühne im Gespräch mit Monika Hintsches. Leicht sei es nie gewesen in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten, hebt Binici hervor, der seit vier Jahren als Vorstand des Vereins Die Spindel das Programm organisiert und nicht mehr als Privat-Impresario. "Man trifft auf viele Unterstützer, aber auch auf Kräfte, die sich einem in den Weg stellen", gibt "Taci" Binici zwiespältige Empfindungen preis. An den Dauer-Clinch mit der Marketing-Gesellschaft, von der er seinerzeit den Kellerraum in Haus Erholung gemietet hatte, bis die Spindel dort ausziehen musste, mag der Theatermacher bei der Jubiläumsfeier nicht erinnert werden. Immerhin sei er jetzt "heilfroh, dass wir von Neuwerk aus wieder ins Zentrum zurückgekehrt sind".

Ein Spindel-Geburtstag ohne Live-Programm wäre kaum eine abendfüllende Sache. Also dürfen sich die rund 70 Besucher über Beiträge freuen, die zur Spindel passen. Monika Hintsches etwa schwadroniert keck über die Menopause und fragt Besucher nach ihren Lieblingsflüchen. Um dann mit einem Chanson von Kurt Tucholsky davon zu singen, wie Frau am besten ihren Wutausbruch zügeln kann: "Och, leg doch deine Wange an meine Wange", beschwichtigt der Reim wie ein Beruhigungsmittel alle Aggressionen. Später wird Hintsches von ihrem Traummann singen - ja, es muss ein Neandertaler sein!

Wie ruppig und direkt das Liebeslieben im Mittelalter war, besingt Barde Hotte Jungbluth standesgemäß zur Laute. Und auch Stücke in Mundart gibt er zum Besten.

Und dann tritt noch ein Youngster der Comedyszene an: Stephan Tacke-Unterberg trägt einen skurrilen Dialog mit einem plärrenden, spießigen Vermieter vor, der sich frühmorgens über störenden Lärm beschweren kommt. Das ist achtbar gespielt, aber inhaltlich reichlich dünn. Aber Tacke-Unterberg hat ja noch Zeit, sich fortzuentwickeln. Und auch für den Kabarettnachwuchs war und ist die Spindel ja immer da. Das war stets der Plan von Binici und dem seit 2010 von Georg Heinen an der Spitze repräsentierten Verein "Die Spindel".

(RP)