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Spektakulärer Kriminalfall in Mönchengladbach

Der Sadist von nebenan

Ein 68-Jähriger aus Mönchengladbach tötet seine Lebensgefährtin auf bestialische Weise, und die ganze Stadt ist geschockt. Der Mann galt als unbescholten und freundlich. Hinter die Fassade hatte noch niemand geschaut. Ein Rückblick.

Das Interesse an diesem Mordfall war groß. Zuschauer und Vertreter der Medien füllten den Zuschauerraum. Auf der Anklagebank saß ein Mann, dem man eine solche Bluttat ganz und gar nicht zugetraut hätte. Ein Rentner, der als netter Nachbar galt, als unbescholten und unauffällig. Ausgerechnet dieser Mann sollte seine lebenslustige Lebensgefährtin auf unfassbare Art und Weise umgebracht haben.

Es geschah in der Nacht zum 7. November 2016 im beschaulichen Wickrath. Als am morgen Polizeiautos und Spurensucher in weißen Overalls in der Straße auftauchten, ahnten die Nachbarn zwar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Doch was der Chefermittler zwei Tage später über die Vorgänge in der Mordnacht berichtete, war für viele so unfassbar, dass es ihnen die Sprache verschlug. Mit diesem Mann hatte man geredet, gelacht und gefeiert. Der nette 68-Jährige ein Sadist? Warum war niemanden etwas aufgefallen? Wie konnte so etwa verborgen bleiben?

Frau tot in Wohnung in Mönchengladbach gefunden Foto: Reichartz

Jetzt stand der 68-Jährige, der stark im Gemeindeleben integriert war, vor Gericht, weil er seine 55-jährige Freundin mit verschiedenen Gegenständen sexuell missbraucht hatte. Von einer Taschenlampe und einem Zollstock war die Rede im Prozess. Die Frau sei am Ende an massivem Blutverlust gestorben, so das Gutachten der Rechtsmediziner.

Der 68-jährige Täter habe ein sexuell abweichendes Verhalten gezeigt, sagte der psychiatrische Sachverständige Martin Albrecht. Eine solche Persönlichkeitsveränderung stamme meistens aus der Kindheit. Im Laufe der Zeit würden sich derartige sadistische Tendenzen immer stärker bemerkbar machen und manchmal, wie in diesem Falle in einer sadistischen Tötung enden, erklärte er. Nicht in jedem Falle stünde bei einem Sadisten Sex im Vordergrund, sondern auch Dominanz und Unterwerfung des Opfers. In der Novembernacht habe der Angeklagte unbedingt ausschweifenden Sex gewollt. Sein sadistisches Verlangen sei während der Tat gewachsen – bis zur Schwelle der Tötung. „Ein Sadist möchte durch sadistische Handlungen Allmachtsgefühle befriedigen“, ergänzte Albrecht.

Die Tochter des Opfers, die am Prozess als Nebenklägerin teilnahm, erinnerte sich in ihrer Aussage vor Gericht, dass die Mutter oft blaue Flecke gehabt habe. Als sie danach fragte, habe die Mutter geantwortet: „Das geht dich nichts an.“ Zugleich erinnerte sich die Tochter, dass der neue Freund der Mutter zunächst keinen schlechten Eindruck gemacht habe.

Ja, er habe die 55-Jährige auch geschlagen, soll der Wickrather den Ermittlern gesagt haben. Das Klatschen auf Bauch, Po und Oberschenkel habe ihn stimuliert. „Da habe ich probiert, wie weit ich gehen kann.“ Was genau in jeder Nacht geschah, ist zu grausam, um es detailreich wiederzugeben.

Fakt ist: Die Frau erlitt so massive Verletzungen im Unterleib, dass sie innerlich verblutete. Laut Anklageschrift reinigte der Rentner dann sich selbst und die Frau vom Blut und schlief anschließend neben ihr ein. Am Morgen alarmierte er die Feuerwehr und erklärte, er habe seine Lebensgefährtin leblos gefunden. Doch die eingesetzte Notärztin hatte gleich gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Sie rief die Polizei.

Das Schwurgericht verurteilte den 68-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Angeklagte habe in der Tatnacht nicht mehr an die Frau gedacht, die er heiraten wollte, sondern nur noch an seine Lustbefriedigung, hieß es in der Urteilsbegründung.