Mönchengladbach: Spektakuläre Funde an Schloss Rheydt

Mönchengladbach: Spektakuläre Funde an Schloss Rheydt

Auf der Baustelle für das Hochwasserrückhaltebecken fanden Archäologen Reste eines 13 000 Jahre alten Lagerplatzes aus der Steinzeit. Experten sind begeistert über 11 000 entdeckte Artefakte aus der Altstein- bis zur Römerzeit.

"Dieser Fund ist in Deutschland einzigartig und für die Wissenschaft von europäischer Bedeutung." Mit diesen knappen Worten fasst der Archäologe Dr. Martin Heinen das zusammen, was er und sein zwölfköpfiges Team im vergangenen halben Jahr auf der Baustelle für das Hochwasserrückhaltebecken an der Ritterstraße fanden.

"Es handelt sich um über 1100 Fundstücke aus fünf verschiedenen Epochen", erklärt der Wissenschaftler. Am wichtigsten jedoch sind die rund 670 Artefakte aus der späten Altsteinzeit. "Wir haben einen 85 Quadratmeter großen Lagerplatz gefunden, an dem sich längere Zeit eine Gruppe Menschen aufgehalten hat. Die Funde sind rund 13 000 Jahre alt", sagt Heinen.

Besonders macht die Ausgrabung, dass die Zahl der Fundstücke in solch hoher Konzentration vorliegen. Wie die Menschen damals lebten, zeigt eine Begebenheit, die noch nie zuvor gefunden wurde. "Das Lager liegt auf der rechten Seite der Niers. Ein Stück weiter haben wir auf der linken Seite des Flusses in einem Altarm eine Stelle gefunden, an der die Menschen entsorgten, was sie nicht brauchten", erklärt der Experte.

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Schon damals gab es also eine Art Abfallentsorgung. So lagen in dem Altarm unter anderem Knochenreste von Auerochsen und Wildpferden. Einige davon sind in einem nahezu perfekten Zustand. "Es gibt rund 20 Stellen in Deutschland mit Funden aus dieser Zeit. Aber keiner ist so bedeutend wie dieser", sagt Dr. Martin Heinen. Wo die Menschen, die in dem Lager lebten, herkamen, konnte der Archäologe eindeutig identifizieren. "Sie stammten aus einem Gebiet nördlich der Ruhr. Das sieht man an den vielen nordischen Feuersteinen, die wir gefunden haben", erklärt er. Die bedeutenden prähistorischen Funde werden nun zunächst in einem Archiv gelagert und dort gereinigt.

"Schön wäre natürlich, wenn wir sie dann der Öffentlichkeit präsentieren könnten. Das Museum Schloss Rheydt kommt dafür infrage", sagt der Experte. Neben den wissenschaftlich wertvollen Fundstücken der späten Altsteinzeit stießen die Archäologen in einer Tiefe von rund 1,4 Metern auf Stücke aus der mittleren Altsteinzeit. Dabei handelt es sich um große Steine. In der Schicht über der späten Altsteinzeit fanden sie Reste der Mittelsteinzeit. "Hierbei handelt es sich überwiegend um Pfeilspitzen", sagt Martin Heinen. Darüber lagen Artefakte aus der Eisenzeit, wie Scherben und Mörsersteine. In gerade einmal 30 Zentimetern Tiefe fanden die Experten Überreste der Römer. "Darunter sind Perlen, Teile kleiner Statuen und Münzen von Kaiser Trajan", erklärt Heinen.

Zum ersten Mal auf das Gelände aufmerksam geworden sind Wissenschaftler 1982. Damals wurden rund 2500 Oberflächenfunde gemacht, also Dinge, die nur wenige Zentimeter unter der Erde liegen. "Wir wussten damit, dass es hier etwas zum Ausgraben gibt", sagt Martin Vollmer-König vom Landesamt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Deshalb veranlasste die Behörde beim Baubeginn des Hochwasserrückhaltebeckens 250 Probebohrungen. "Wir fanden dabei Pollen. Nach der Analyse stand fest, dass es fünf Schichten gibt, und wir wussten, um welche Epochen es sich handelt", sagt Vollmer-König. Je nachdem, wie viel die Archäologen finden, können die Ausgrabungen noch ein halbes Jahr dauern.

(cli)
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