Mönchengladbach: Spannende Diskussionen beim Frauenfrühstück

Mönchengladbach: Spannende Diskussionen beim Frauenfrühstück

Rund 100 Frauen sind am Sonntag anlässlich des internationalen Frauentages zum großen Frauenfrühstück im Paritätischen Zentrum zusammengekommen. "100 Jahre Frauenwahlrecht - was war, was ist, was könnte sein?" lautete das Motto in diesem Jahr.

"Es gibt noch viel zu tun", sagte Monika Hensen-Busch, Organisatorin und Gleichberechtigungsbeauftragte der Stadt Mönchengladbach. Sie begann ihre Eingangsrede mit einem Blick auf andere Länder und Kontinente und stellte die Frage in den Raum "Wie geht es den Frauen in anderen Teilen der Welt?". "Deutschland war mit der Einführung des Frauenwahlrechts, verglichen mit unserem Nachbarstaat Frankreich, 1918 eines der ersten Länder. In England durften die Frauen erst ab 1923 offiziell wählen und in Frankreich waren sie erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges dazu berechtigt", sagt Hensen-Busch. 2015 bekamen die Frauen in Saudi-Arabien das Wahlrecht zugesprochen. "Es war und bleibt ein Kampf", sagte die Organisatorin des großen Frauenfrühstücks. Das große Ziel in Deutschland sei nun, dass die Anzahl der Frauen im Parlament ansteige. "Wir wollen eine bunte Mischung erreichen und am besten wäre eine 50/50-Verteilung von Frauen und Männern. Stattdessen ist im Landtag Nordrhein-Westfalens der Frauenanteil der Abgeordneten von 30 auf 27 Prozent gefallen, und im Bundestag haben wir einen Rückgang", sagte Monika Hensen-Busch.

Insgesamt drei Stunden wurden gefüllt mit Reden unterschiedlicher Gruppen, wie dem Leslie Verein, der sich gegen sexistische Werbung einsetzt, den Verdi-Frauen, die die Bedeutung des Equal Pay Day betonten, und der Vulvarine-Gruppe, die eine Kampagne gegen Fernsehformate, wie Germany's Next Top Model, startete (#notheidisgirl).Den Abschluss des Vormittags bildete das Duo Kerstin Brix und Yorgos Ziavras mit Lesungen, Gedichtsvorträgen und Gesängen.

Bisher sei es eine Tatsache, dass Frauen auf sich und ihre Leistungen aufmerksam machen müssen, fanden viele Besucherinnen. "Wir müssen nicht laut, aber wir sollten bestimmt auftreten", sagte Ingrid Paulußen. Ähnlich sieht es Marianne Godoj: "Es ist wichtig, dass wir zusammen mit den Männern dieselben Chancen haben. Eine Frau sollte die freie Entscheidung haben, ob sie arbeiten will oder lieber zu Hause bei der Familie bleiben möchte." Für Godoj ist gerade diese Wahlentscheidung ein Zeichen dafür, dass es keine Gleichberechtigung in vielen Unternehmen gebe. Denn besonders der Wiedereinstieg in den Beruf sei vielen Müttern erschwert. "Nachdem ich für meine Kinder eine Arbeitspause über mehrere Jahre gemacht hatte, war der Wiedereinstieg sehr hart", sagte sie. Doch heutzutage blieben auch immer öfter die Männer zu Hause, und die Frau gingen arbeiten. "Das passt aber nicht so gut in das Muster, das uns die älteren Generationen vorleben", sagte Paulußen. Ihr Appell an Unternehmen und Männerwelt: "Niemand muss Angst haben, wenn eine taffe Frau auf sich aufmerksam macht und ihre Meinung sagt." Godoj ist sich sicher, dass "gerade die Unternehmen nicht ausreichend emanzipiert sind".

(nije)