Mönchengladbach: Spanische Musikanleihen in der Bank

Mönchengladbach: Spanische Musikanleihen in der Bank

Es war keine finanzpolitische Demonstration der Deutschen Bank, dass sie das Eröffnungskonzert der Reihe Musik im Haus Spanien widmete. Mitreißende iberische Klänge und Rhythmen des Septetts Classica Española sorgten für einen temperamentgeladenen Auftakt.

90 Minuten beherrschte der Flamenco in allerlei Varianten das Haus der Deutschen Bank am Bismarckplatz. Dafür sorgte das Ensemble Classica Española mit der Gladbacher Flötistin Anette Maiburg. Dabei zeigten die sieben Musiker in wechselnder Besetzung so viel Herzblut für die spanische Folkloresache – mit Ausflügen nach Südamerika – und so große Kompetenz, dass wohl keiner der gut 200 Zuhörer das Land mehr mit Finanzproblemen und Rettungsschirmen in Verbindung brachte. Die hier gebotenen Anleihen waren rein musikalischer Natur.

Tanzbewegte Folklore

Der Funke sprang gleich beim Eröffnungsstück, einem mit "Andaluza" betitelten Satz aus den Danzas españolas von Enrique Granados, über. Bereits hier demonstrierte das Ensemble, dem Musiker aus Deutschland, Spanien, Polen, Chile und Venezuela angehören, seine Stärken: locker federnde Tongebung in Verbindung mit schlafwandlerischer Sicherheit bei der Umsetzung komplexer Rhythmen. Das vermittelte jenen ureigenen Pulsschlag der tanzbewegten Folklore Spaniens, der hierzulande große Bewunderung weckt. Dass dabei bald der Flamenco sein Recht einfordern würde, konnte nicht verwundern. Die Zuhörer genossen beim Start der Reihe "Musik im Haus" die klug arrangierte Mischung, darunter namhafte Komponisten wie Isaac Albéniz und Manuel de Falla, von dem Stücke aus seinen Balletten "Das kurze Leben" und "Zauberin Liebe" brillant ausgeführt wurden.

Eine treffsichere Entscheidung war, auch Kastagnetten als belebendes rhythmisches Element einzusetzen, zumal die edlen Klappern in den Händen von Alberto Alarcón nicht nur den beim Spiel stets lächelnden Solisten in Begeisterung versetzten. In dem venezolanischen Komponisten Omar Acosta hat "Classica Española" einen famosen Freund gefunden, der dem Ensemble eigene Flamenco-Stücke, sogar einen Tango andalusischer Art, auf den Leib geschrieben hat. Hier konnten sich neben der virtuosen Flötistin Maiburg und dem soliden Gitarrenprofessor Andreas v. Wangenheim besonders der flinke Flamenco-Gitarrist Juan Lama, Cajón-Spieler Luis Llorente aus Chile und Martin Rosas an der venezolanischen Vier-Saiten-Gitarre Cuatro temperamentvoll profilieren. Mit Chick Coreas "Spain" verabschiedeten sich die sieben mit einer weiteren rhythmisch-organischen Glanzleistung.

Dass das Konzert erst nach akademischem Viertel starten konnte, war den ausgedehnten Ansprachen und Dankesadressen geschuldet, mit denen Hausherr Georg Schiffer und Dr. Carsten Christmann, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Musik, das Publikum einstimmten.

(RP)