Mönchengladbach: Sozialwohnungen: Das Land bleibt auf seinen Fördermillionen sitzen

Mönchengladbach : Sozialwohnungen: Das Land bleibt auf seinen Fördermillionen sitzen

Wenn das Land mit Förderzuschüssen in Millionenhöhe winkt, dann greift die Stadt meist schnell zu. Das ist beim Sozialen Wohnungsbau derzeit nicht der Fall. Rund 5,9 Millionen Euro könnten für Bauprojekte in der Stadt ausgegeben werden.

Bislang sind aber nur 22 Wohnungen mit einem Fördervolumen von rund 1,7 Millionen Euro für 2014 geplant. Die Zeiten, als die Landesmittel überzeichnet waren, scheinen vorbei zu sein. Der Grund: Investoren bekommen bei den Hypotheken derart günstige Konditionen, dass sie lieber frei finanzieren und eine Sozialbindung der Wohnung ausschließen. Denn wer die zweckgebundenen Fördermittel des Landes in Anspruch nimmt, darf für einen langen Zeitraum nur Mini-Mieten nehmen: Der Quadratmeterpreis für den Sozialen Wohnungsbau liegt in der Stadt bei 4,85 Euro.

Noch macht sich die Stadt Hoffnungen, dass sie Investoren bewegen kann, das Geld abzurufen. Derzeit will die GWSG an der Waldhausener Straße einen Komplex mit sieben Wohnungen bauen, ein privater Investor plant am Tomper Weg 15 Wohneinheiten. "Wir sind zuversichtlich, dass wir weitere Projekte initiieren können", sagt Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz. Doch es wäre kein Beinbruch, wenn dies nicht gelänge: Mit fast 9000 Sozialwohnungen und rund 2100 öffentlich geförderten Häusern hat die Stadt ein ausreichend großes Angebot. Und da Fördergeld auch nur dann gewährt wird, wenn Häuser und Wohnungen langfristig im Sozialmiet-Niveau bleibt, ist auch nicht mit einem schnellen Aderlass zu rechnen.

In der Regel ist ein Investor 20 Jahre an den Mietpreis gebunden, läuft die Bindung aus, gibt es noch eine zehnjährige Nachfrist. Für die 9000 jetzigen Sozialwohnungen in der Stadt würde dies bedeuten: In zehn Jahren gibt es 2268 weniger, weil bei ihnen die Bindungsfrist beendet ist. Die Stadt müsste mit privaten Investoren und städtischen Wohnungsgesellschaften dafür sorgen, diesen Schwund durch neue Projekte aufzufangen. Wenn man das überhaupt will: Es gibt genügend Wohnungen im niedrigpreisigen Segment in der Stadt.

Sozialdezernent Schmitz geht nicht davon aus, dass Investoren nach Ablauf der Bindungsfrist das Fördergeld beim Land ablösen und Sozial- in Luxuswohnung umwandeln. "Die meisten Sozialwohnungen in Gladbach sind von Lage und Zuschnitt nicht für Luxuswohnungen geeignet", sagt Schmitz. Doch da gibt es Ausnahmen. Was ist zum Beispiel mit den 25 Sozialwohnungen im Schloss Wickrath? Wohnungen in einem Barockpark und in unmittelbarer Umgebung von Pferden, Wasserflächen und vielen Spazierwegen — dies schreit geradezu nach Luxus. Doch Schmitz wiegelt ab: "Die Mieter brauchen sich keine Sorgen zu machen. Die Bindung läuft hier erst im Jahr 2093 ab!"

(RP)
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