Mönchengladbach: Sonnenkönig Michael Schroeren

Mönchengladbach : Sonnenkönig Michael Schroeren

Könige kann er besonders gut: Der CDU-Politiker Michael Schroeren, einer der besten Komödianten der Stadt, reitet beim Stadtschützenfest am Sonntag wieder voran. Diesmal ist er Ludwig XIV. – mit Puderperücke und bemerkenswerter Entourage.

Könige kann er besonders gut: Der CDU-Politiker Michael Schroeren, einer der besten Komödianten der Stadt, reitet beim Stadtschützenfest am Sonntag wieder voran. Diesmal ist er Ludwig XIV. — mit Puderperücke und bemerkenswerter Entourage.

So langsam hat er sie alle durch, die Herrscher der letzten zwei Jahrtausende. Er war schon Cäsar, Nero, Napoleon, Kaiser Wilhelm zwo, der Alte Fritz und König Philipp von Spanien. Wenn bei den CDU-Karnevalssitzungen, die nicht zuletzt seinetwegen legendär sind, bei den Pulvermeistern oder beim Stadtschützenfest die ganz Großen aufleben sollen, fragen sie den Kleinen. Denn Michael Schroeren hat nicht nur das komödiantische Talent, sondern auch den Mut und Fleiß, es zu nutzen. Gerade bereitet er sich auf seinen nächsten Auftritt am Sonntag beim Stadtschützenfest vor — und grübelt, wie er das damals gemacht hat. Denn Schroeren war schon mal Ludwig XIV. "Das war im Haus Baues beim CDU-Karneval. Aber ich weiß nicht mehr genau, wo ich das Kostüm her hatte", sagt er. Wie immer hat Schroeren in den vergangenen Tagen Gemälde und Stiche en masse studiert. Denn sein Erfolg beruht auf Akribie. "Es soll so echt wie möglich aussehen" — und das heißt in diesem Fall: Ohne Puderperücke geht gar nichts. Der Sonnenkönig ist auch selbst geritten, davon hat Schroeren sich in der einschlägigen Fachliteratur überzeugt.

Dass der CDU-Ratsherr noch einmal der Sonnenkönig sein darf, hat er Schützenchef Horst Thoren zu verdanken. Der bereichert gerne die echte Tradition des Stadtschützenfestes um eine Prise Weltgeschichte, die die wahren Läufe stets niederrheinisch-augenzwinkernd so umdeutet, dass Mönchengladbach zum Nabel der Welt wird. Dies beruht stets auf wahren Geschichten. Ludwig XIV. etwa war in Liedberg, um den damaligen Kölner Erzbischof Joseph Clemens von Bayern zu treffen. "Und wer kommt schon von so weit her, ohne in der Gladbacher Abtei vorbeizuschauen", fragt Thoren — ohne die Antwort groß abzuwarten. So einen waschechten Sonnenkönig erkennt man nicht nur am Puder auf der Perücke, sondern an der Qualität seiner Entourage, Und da wäre der echte Ludwig XIV. beim Blick auf Schroerens Anhang wohl nicht vor Vornehmheit, sondern vor Neid ganz blass geworden. Bürgermeisterin Renate Zimmermanns, Ex-Oberbürgermeisterin Monika Bartsch und GEM-Chefin Gabi Teufel umgarnen Frankreichs Herrscher mit ihrer Lieblichkeit. Dahinter befehligt Lothar Erbers die bürgerliche Gesellschaft, die zur Feier des Tages den schwarzen Frack nicht nur herausgeholt, sondern auch gebügelt hat. Unter den beachtlichen 17-Zentimeter-Zylindern stecken und anderem die NEW-Vorstände Friedhelm Kirchhartz und Dr. Rainer Hellekes, Sparkassen-Vorstand Hartmut Wnuck, Rechtsanwalt Dr. Peter Backes, First-Reisebüro-Chef Gert Kartheuser, Unternehmer Lutz Menge, Karnevalist Rolf-Peter Jansen und RP-Karikaturist Nik Ebert.

Zwei wirken auch ohne Frack staatstragend: Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre achtet in historischer Polizeiuniform darauf, dass der Sonnenkönig sicher durch die Oberstadt kommt. Und Oberbürgermeister Norbert Bude weiß, wann er hintan stehen muss. Er lässt dem König den Glanz und reitet in schlichtem grünen Schützenrock. Sein Pferd ist übrigens schon Modell Nummer drei. Kämmerer Bernd Kuckels hat sich trotzdem noch nicht beschwert, denn die Tiere gehen nicht zu Lasten der Stadtkasse. Die muntere Historiengruppe ist nur die Vorhut für fast 2500 Schützen und Musikanten. Sie verwandeln die Innenstadt am Sonntag in ein farbenfrohes Spektakel für die ganze Familie.

Und Michael Schroeren? Hat bei Lichte betrachtet doch noch nicht alle Herrscher durch. Nachdem er als Rotkäppchen brillierte, wird es langsam Zeit für die Merkel. Das wär' doch was für den CDU-Karneval.

(RP/rl)
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