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Mönchengladbach: So verlegt man einen Präsidenten-Besuch

Mönchengladbach : So verlegt man einen Präsidenten-Besuch

700 Gäste neu einladen, Sicherheitsvorkehrungen neu regeln, KFH und Hotel umbuchen: Sehr kurzfristig gelang es der MGMG, den Auftritt von Mahmud Abbas zu verschieben. Erforderlich machte das die Kanzlerin.

Angela Merkel ist eine gewissenhafte Frau: Sie wartete den Ausgang der Wahl ab, ehe sie ihr Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei dessen Staatsbesuch terminierte. Bevor der am Samstag, 19. Oktober, auf Bundespräsident Joachim Gauck trifft (der ihn einlud), trifft er nun am Freitag auf die Kanzlerin, jeweils in Berlin. Für Freitag jedoch war Abbas bereits für einen Auftritt in Gladbach gebucht, und das seit einem Jahr: In der KFH sollte er, bei einer Sonderveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Initiativkreises, über den Friedensprozess im Nahen Osten sprechen.

Wird er auch, aber 24 Stunden später. Am Samstagabend, nach den Treffen mit Merkel und Gauck. Doch wie verlegt man einen Präsidenten-Besuch kurzfristig um einen ganzen Tag? "Das ist fast so, als würde man eine ganz neue Veranstaltung planen", sagt Peter Schlipköter, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft MGMG. Ende letzter Woche war der Merkel-Termin mit Abbas fix, am Sonntag kehrte Schlipköter aus seinem Israel-Urlaub zurück: "Ich hing erst einmal zweieinhalb Tage am Telefon." Am Montagabend wusste man: Die Veranstaltung kann irgendwie durchgeführt werden. "Und am Dienstag war klar, dass wir sie eins zu eins um einen Tag verschieben können."

Dafür war ein immenser Einsatz seines Teams nötig – bei dem die guten Kontakte der MGMG, aber auch das Glück eine Rolle spielten. Ist die KFH am 19. Oktober frei oder muss man ins Kunstwerk ausweichen? Können die Simultantechniker auch Samstag? Haben beide Übersetzer Zeit? Kann Moderator Werner Sonne umdisponieren, ebenso das "Trio Joubran", dessen Musik Abbas sich wünscht? Ist das Restaurant verfügbar? Zeigt sich das Hotel kulant, obwohl die Kunststoffmesse K Zehntausende nach Düsseldorf spült? Gelingt eine neue Abstimmung mit der Staatskanzlei? Klappt es, 700 geladene Gäste – 150 davon auf Einladung von Abbas, der mit 15-köpfigem Tross anreist – neu einzuladen; wer kann am Samstag nicht, wer kann Samstag, obwohl er am Freitag nicht gekonnt hätte? Nicht zu vergessen der Sicherheitsaspekt: Abbas' Sicherheitsstufe dürfte hinter denen früherer Besucher wie Shimon Peres und dem Dalai Lama kaum zurückstehen.

Toi toi toi: Alles glückte. "Langsam glätten sich die Wogen", sagt Schlipköter, der zugibt, lange unter Strom gestanden zu haben: "So ein kurzfristiges Umdisponieren hatten wir noch nie zu bewältigen." Er betont die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, speziell auch Polizei und Staatsschutz. "Das ist Gladbach. Es ist kein Zufall, dass Abbas neben den beiden Treffen in Berlin nur einen weiteren Auftritt in Deutschland hat – und zwar bei uns."

(RP)