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Aktion Fit Für 10: So verändern Menschen ihr Leben nachhaltig

Aktion Fit Für 10 : So verändern Menschen ihr Leben nachhaltig

Dr. Michael Fritz, sportlicher Leiter von "Fit für 10", zu den Erfolgen der Aktion. Heute ist Anmeldeschluss – dann werden die Teams bestimmt.

Dr. Michael Fritz, sportlicher Leiter von "Fit für 10", zu den Erfolgen der Aktion. Heute ist Anmeldeschluss — dann werden die Teams bestimmt.

Sonja Schreiber jubelt im Ziel: Die junge Frau gehörte im vergangenen Jahr zum Laufteam von "Fit für 10". Die Gemeinschaftsaktion von Rheinischer Post, NEW und Stadtsparkasse startet im März. Heute ist Bewerbungsschluss. Foto: Riewe

Mehr als 1000 Frauen und Männer haben "Fit für 10" erfolgreich absolviert. Hatten Sie mit diesem Erfolg beim Startschuss 2007 gerechnet?

Fritz: Mit dem Erfolg schon, diese Resonanz auf "Fit für 10" hat mich überrascht. Weil das Konzept gut ist, war ich mir von Anfang sicher, dass man so bisherige Nicht-Sportler zu sportlich aktiven Menschen machen kann. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass sich jedes Jahr so viele Menschen für "Fit für 10" bewerben. Das ist schon beeindruckend, zeigt mir aber auch, dass viele Menschen an ihrem Lebensstil etwas ändern und vor allem gesünder leben wollen.

Was sind die Besonderheiten dieses Konzepts?

Fritz: Wir haben uns von Anfang an nicht darauf beschränkt, Menschen nur zum Laufen zu bewegen. Das Nordic-Walking-Angebot richtet sich an die Teilnehmer, für die Laufen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht infrage kommt. In diesem Jahr schließen wir mit Power-Walking noch eine Lücke: Hier machen wir den besonders engagierten und talentierten Nordic Walkern ein Zusatzangebot.

Das Trainingskonzept basiert darauf, dass die Teilnehmer vieles autodidaktisch machen. Personal-Trainer gibt es also nicht.

Fritz: Richtig. Das wäre auch nicht umsetzbar. Mehr als 100 Teilnehmern in der Laufgruppe kann man nicht auch mehr als 100 Personal-Trainer beiseitestellen. Wir haben eine große Gruppe engagierter und qualifizierter Betreuer — sowohl bei den Läufern als auch bei den Nordic Walkern. Und wir haben für beide Gruppen sogar spezielle Treffs.

Es gibt bereits mehr als 400 Interessenten und deutlich mehr Bewerbungen als Plätze. Schauen Sie sich jede Bewerbung an?

Fritz: Conny Kerkhoff, die Cheftrainerin bei den Nordic Walkern, und ich schauen uns jede Bewerbung an. Bei der Auswahl sind alle Betreuer dabei, auf deren Urteil Frau Kerkhoff und ich sehr großen Wert legen.

Wie reagieren Sie, wenn ein Teilnehmer Ihnen bei der Anmeldung mitteilt, dass er einen Herzinfarkt hatte? Oder massive Knie-Probleme? Oder massives Übergewicht?

Fritz: Übergewicht und Herzinfarkt sind keine Schicksalschläge, die Menschen vom Sport ausschließen. Das Gegenteil ist richtig. Gerade diese Gruppe bedarf einer Sport- und Bewegungstherapie. Wir prüfen jeden Fall individuell. Nur wenn die Details offenbaren, dass die Bewerber nicht in unserer Projektstruktur optimal betreut werden können, empfehlen wir die Sporttherapie in einem Rahmen zu betreiben, der ihrem Problem angemessener erscheint. Das kann Rehabilitationssport, Koronarsport oder Funktionstraining sein.

Wie kontrollieren die Teilnehmer bei ihren Trainingseinheiten, dass sie sich nicht überfordern?

Fritz: Leistungssteuerung befähigt die Teilnehmer, Überforderung zu vermeiden. Hierzu trainieren die Läufer exakt nach vorgegebenen, bewährten Trainingsplänen auf der Basis von Testläufen zur Ermittlung der maximalen Herzfrequenz. Die Pulsuhr und die Borg-Skala geben den Läufern Handlungssicherheit. Wir schulen die Teilnehmer in sportwissenschaftlichen Seminaren und sportpraktischen Übungsstunden bei der Trainingssteuerung sowie in Laufstil und Technikübungen. Zusätzlich haben unsere Betreuer noch ein wachsames Auge.

Wer für einen Zehn-Kilometer-Lauf trainiert, hilft Körper und Seele. Wie stellen Sie denn sicher, dass die Sportschuhe nach dem halbjährigen Training nicht wieder in der Ecke liegen?

Fritz: Wenn die Aktion beendet ist, ist jeder Teilnehmer für sich selbst verantwortlich. Die Mitglieder der Laufgruppe bekommen von mir einen Trainingsplan für einen Halbmarathon, auf den sie sich vorbereiten können. Das heißt: Es gibt klare Vorgaben für jeden Trainingstag. Wir kontrollieren nach der Trainingsphase nicht mehr. Aber es gibt mehrere hundert Teilnehmer aus den Vorjahren, die inzwischen Halbmarathon und Marathon gelaufen sind. Andere bleiben bei Trainingseinheiten und bewältigen sieben bis zehn Kilometer.

Können Sie erkennen, ob jemand das Trainingskonzept nicht einhält?

Fritz: Dafür haben wir, die Betreuer, Conny Kerkhoff und ich, einen guten Blick. Außerdem gibt es regelmäßige Testläufe.

Gibt es Erfolge und Erlebnisse, die Sie mit "Fit für 10" verbinden?

Fritz: Es macht Freude, Einzelfälle zu erleben, in denen ein 50-jähriger, übergewichtiger Raucher, durch "Fit für 10" ausgelöst, in drei Jahren zum schlanken, nicht rauchenden Ironman-Triathleten wurde. Auch eine 61-jährige medikamentenpflichtige Bluthochdruckpatientin, die nun mit normalem Blutdruck ohne Tabletten auskommt und Marathon läuft, hat mich strahlen lassen. Noch wichtiger war mir eine Teilnehmerin, die an Krebs erkrankte, wenige Monate nach OP und Chemo die zehn Kilometer gewalkt ist und das Laufen ins Visier genommen hat. Das sind glückliche Einzelfälle.

Sie gucken aufs große Ganze.

Fritz Genau. Wichtiger ist mir, dass ich mit Hilfe des "Fit für 10"-Programms Erfolge erzielen kann, die mir in der allgemein- und sportmedizinischen Praxis verwehrt sind. Bei den Patienten, die in meine Praxis kommen, sind die Erkrankungen meist ausgebrochen oder nicht mehr abwendbar. Die Patienten leiden darunter und suchen mich deshalb auf. Bei den Teilnehmern von "Fit für 10" kann ich durchgreifende lebensumstellende Maßnahmen verankern, die im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig sind und Erkrankungen vorbeugen, so dass sie nicht auftreten. Man bekommt als Arzt höchst selten eine solche Gelegenheit, bei über 1000 Menschen diese Chance wahrnehmen zu dürfen. Das ist für mich der besondere Erfolg und das größte Erlebnis.

DIETER WEBER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)