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Polizist aus Mönchengladbach war Täter: So überwältigte Ralf M.* den Bankräuber

Polizist aus Mönchengladbach war Täter : So überwältigte Ralf M.* den Bankräuber

Ein Gladbacher Polizist, der nicht mehr im aktiven Dienst ist, raubt in Wegberg eine Bank aus und wird von einem 46 Jahre alten Familienvater überwältigt und der Polizei übergeben. "Ich wusste, was ich tue", sagt der Kampfsportler heute.

"Nein, nein, ich bin kein Held", sagt Ralf M.* und winkt ab. Es scheint, als habe der 46-Jährige aus Wegberg-Beeck mit der ganzen Sache irgendwie schon abgeschlossen. Ein bisschen komisch sei es schon, gibt er zu: "Mich grüßen plötzlich Leute, die ich gar nicht kenne."

Ralf M. ist der Mann, der einen mutmaßlichen Bankräuber verfolgt, überwältigt und der Polizei übergibt (die RP berichtete). Wie sich später herausstellte, handelt es sich bei dem Tatverdächtigen, der die Sparkassenfiliale in Wegberg-Beeck mit einer Waffenattrappe überfallen haben soll, um einen 37-jährigen Polizeibeamten aus Mönchengladbach.

"Vorweg muss ich mal klarstellen, dass ich das nicht gemacht hätte, wenn ich ein ganz normaler Buchhalter wäre", sagt Ralf M. Pech für den Bankräuber: Ralf M. ist erfahrener Kampfsportler (Kickboxen, Taekwondo), jobbte früher als Türsteher und ist heute beim Werkschutz eines großen Energieversorgungsunternehmens tätig. Heikle Situationen und Deeskalationsstrategien sind ihm bestens vertraut. "Ich wusste, was ich tue", sagt Ralf M. mit felsenfester Überzeugung.

Am Montag fuhren er und seine Frau gegen 10.45 Uhr mit dem Auto über die Prämienstraße in Wegberg, als sie plötzlich einen maskierten Mann weglaufen sahen. "Ich habe zuerst an Karneval gedacht, dann an Filmaufnahmen für die Actionserie ,Alarm für Cobra 11'", sagt Ralf M. Als er und seine Frau die älteren Damen sahen, die vor der Filiale der Kreissparkasse standen und erschrocken dem flüchtenden Mann mit der Gesichtsmaske hinterherschauten, wurde ihnen klar: Da ist ein Bankräuber auf der Flucht.

"Als ich die Situation erkannt hatte, schoss mir sofort der Gedanke an unsere Kinder durch den Kopf", sagt Ralf M. Der Räuber sei Richtung Schule gelaufen. Ralf M.'s Sohn geht dort in die zweite Klasse. Was M. auch wusste: Die Erzieherinnen hier immer montags mit den Kindergartenkindern vorbei. "Was, wenn der Räuber sich auf der Flucht ein Kind greift?", dachte Ralf M.

Er ließ den Räuber nicht mehr aus den Augen und verfolgte ihn mit dem Auto. Ralf M. beobachtete, wie der Flüchtende in ein kleines Waldstück lief, sich die dunklen Klamotten vom Leib riss und ein grelles, orangefarbenes Sweatshirt zum Vorschein kam. "Mir schien es, als wollte der Bankräuber dort ein paar Sachen verstecken und sich mit anderen Klamotten wieder unters Volk mischen, um zu entkommen."

Als der Täter das dichte Waldstück verließ, handelte Ralf M. blitzschnell. "Ich musste den Überraschungseffekt nutzen." Er habe die Autotür aufgestoßen, sei aus dem Fahrzeug gesprungen und habe den Bankräuber mit beherzten Griffen überwältigt. "Der Bankräuber war total perplex, hat kein Wort gesagt", sagt Ralf M.

Mit ein, zwei Schlagversuchen wollte sich der Räuber befreien. Doch das sei ihm nicht gelungen. Dann habe er dem Mann gesagt, dass er wegen des Verdachts des schweren Raubüberfalls festgenommen sei, berichtet Ralf M. Er habe den Verdächtigen fixiert, ihn den etwa 60 Meter langen Weg zurück zur Kreissparkasse gebracht und dort in einem abgeschlossenen Raum an die Wand gestellt und erneut durchsucht. "Ich wollte absolut sicher sein, dass er keine Waffe bei sich hat."

Nach wenigen Minuten traf die Polizei ein und nahm den mutmaßlichen Bankräuber fest. Dabei fiel Ralf M. auf, dass ein Polizist den Tatverdächtigen mit Vornamen ansprach. Ralf M. schlussfolgerte, dass es sich bei dem Festgenommenen wohl um einen stadtbekannten Kleinkriminellen handelte. Dass er einen nicht mehr im Dienst befindlichen Polizisten überwältigt haben sollte, ahnte Ralf M. zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Der Filialleiter der Kreissparkasse sprach Ralf M. Dank und Anerkennung aus. Die Polizei habe seine Zivilcourage gelobt.

Dass Ralf M. nun ein paar Leute mehr grüßen als sonst, damit kann der Held, der keiner sein will, gut leben. Großen Rummel um seine Person möchte Ralf M. vermeiden: "Bitte schreiben Sie meinen richtigen Namen nicht", sagt er. Der Alltag soll für ihn und seine Familie ganz normal weitergehen. "Die Sache ist für mich abgehakt", sagt Ralf M. Letzteres dürfte für den Tatverdächtigen nicht gelten. Der 37-Jährige sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. *Name von der Redaktion geändert

(RP)