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Mönchengladbach: SMS Meer auf Expansionskurs

Mönchengladbach : SMS Meer auf Expansionskurs

Die Produkte des Anlagen- und Maschinenbauers erobern den Weltmarkt. Das Können von 1400 Mitarbeitern sorgt für gute Geschäfte. Heute nimmt das Unternehmen eine neue Montagehalle in Betrieb. Und bei der Messe in Düsseldorf wurden zwei Aufträge über 100 Millionen Euro unterzeichnet.

Der Gladbacher würde lakonisch feststellen: "Es knubbelt sich!" Damit meint er viele Menschen, die sich auf einem relativ kleinen Raum aufhalten. So wie in den Hallen der Düsseldorfer Messe. Da treffen sich bis Ende der Woche Spezialisten, Innovatoren und Marktführer bei der weltweit wichtigsten Leistungsschau der Rohrindustrie. Mittendrin und immer dicht umlagert: der Stand des Mönchengladbacher Unternehmens SMS, mit 1000 Quadratmetern der größte in den Messehallen. Und während es bei benachbarten Ständen amerikanischer, britischer und koreanischer Hersteller im Vergleich dazu eher etwas beschaulicher zugeht, gleicht der SMS-Stand einem Bienenkorb. So, als würde es bei den Gladbachern etwas umsonst geben.

Dabei erschließt sich die SMS-Welt in erster Linie nur dem Fachmann: Er blickt interessiert auf das Muster eines nahtlosen Stahlrohrs, lässt sich erklären, wie ein Expander aus dem Hause Meer Rohre für die Erdgaspipeline durch die Ostsee geweitet hat und wie es mit Spezialrohren gelingt, in 15 Metern Tiefe Gas zu fördern. Da wirkt es schon ein bisschen folkloristisch, wenn ein chinesischer SMS-Mitarbeiter auf einen Kabelberg zeigt und den Besucher fast akzentfrei auf Deutsch fragt: "Schätzen Sie einmal, welchen Wert das Kabel hat?" Um dann gleich selbst die Antwort zu geben: "70 000 Euro!"

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Damit entspricht er der neuen Ausrichtung, die SMS Meer inzwischen erfolgreich pflegt. Konstruierten die Experten des Unternehmens noch vor einigen Jahren im "stillen Kämmerlein", so wissen sie heute auch, wie sie Leistungen und richtungweisende Produkte aus den elf Geschäftsfeldern entsprechend präsentieren müssen. "Wir haben unser Licht zu lange unter den Scheffel gestellt. Heute zeigen wir, was wir können, und wie offen und transparent wir agieren", sagt Kommunikationschef Dr. Peter Heimerzheim. Die Bühnenshow gehört bei der Düsseldorfer Messe ebenso dazu wie die spektakuläre Unterzeichnung von zwei gerade abgeschlossenen Verträgen für neue Anlagen im Wert von rund 100 Millionen Euro.

In der Tat: SMS Meer kann auf ein bemerkenswertes Wachstum verweisen. Der Auftragseingang liegt inzwischen bei 1,4 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit 2004 auf rund 1400 nahezu verdoppelt. Die Hälfte davon sind Ingenieure. "Mönchengladbach ist Herz und Hirn des Unternehmens", sagt Heimerzheim. Was bedeutet: Am Ohlerkirchweg werden nicht nur die großen Anlagen vor allem für China, Brasilien und künftig Indien gebaut. Hier ist auch die Entwicklungsabteilung, von deren Know-how Produktionsstandorte weltweit profitieren. Wenn heute die neue Montagehalle mit rund 4500 Quadratmetern Fläche übergeben wird, ist das nicht nur für SMS Meer ein wichtiges Ereignis: Rund 500 Kunden lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen und sind mit vor Ort. Bis 2015 will das Unternehmen rund 60 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts Mönchengladbach investiert haben — in erster Linie in diesem und im nächsten Jahr.

Die Expansion kann nur dann gelingen, wenn das Unternehmen geeignete Fachleute findet und an sich bindet. Auch da ist SMS Meer auf einem guten Weg. Die Auszubildenden schließen durchgängig mit sehr guten Ergebnissen ab und werden in der Regel übernommen. Und gezielt wird der Markt sondiert, um weitere Experten für das SMS Meer zu gewinnen. Mit einer eigenen Betriebskindergarten-Gruppe — eine zweite Gruppe soll im Sommer eröffnet werden, sogar über den Bau eines eigenen Kindergartens wird nachgedacht — hat das Unternehmen in Mönchengladbach Neuland betreten. Ohne dass es eine Quote gibt, wird die Förderung von Ingenieurinnen vorangetrieben. "Noch ist das bei uns eine männerdominierte Welt. Das wollen wir ändern", sagt Heimerzheim.

Davon verspricht sich das Unternehmen weitere Pluspunkte — vor allem auf der Sympathiekurve.

(RP/rl/ila)