Mönchengladbach: Sie zeigen Kunst aus und mit dem Computer

Mönchengladbach : Sie zeigen Kunst aus und mit dem Computer

Die Ausstellung im Museum Abteiberg ist Teil einer dreiteiligen Reihe zur Sammlung Etzold.

Ab Sonntag stehen zwei große Ausstellungssäle des Museums Abteiberg unter dem Zeichen der "Zukunft der Zeichnung: Algorithmus". Algorithmus? Dieser komplizierte und komplexe Begriff aus der Mathematik und Informatik taucht jetzt auch schon im Zusammenhang mit einer Kunstausstellung im Museum Abteiberg auf? Das Wort ist zwar in aller Munde, erklären oder verstehen aber können ihn viele Menschen nicht.

Felicia Rappe, stellvertretende Direktorin des Museum Abteiberg und Mit-Kuratorin der Ausstellung kann beides. Ein Algorithmus, so erklärt sie, sei eine Anweisung an den Computer, eine Aufgabe auszuführen, eine Handlungsvorschrift, ein Problem zu lösen. Diesen Anweisungen bzw. den Ergebnissen - und zwar in höchst ästhetischer und künstlerischer Form begegnen die Besucher des Museum Abteiberg in den kommenden Monaten in Form von 72 Blättern von zehn historischen Computerkünstlern aus der Sammlung Etzold. Die Ausstellung ist nach "Die Zukunft der Zeichnung: Konstruktion" vor einem Jahr die zweite, die Werke aus der Sammlung thematisch zusammenfasst.

Schwerpunkt der Sammlung von Hans Joachim und Berni Etzold mit über 500 Arbeiten sind die Werke konstruktivistischer Künstler. Die 70 in der aktuellen Ausstellung gezeigten Blätter allerdings, die das Sammlerpaar Anfang der 1970er Jahre erwarben, sind einzigartig: Es handelt sich um die damals ebenso innovative wie überraschende Technik der Computergrafik - "eine der ganz raren Sammlungen von Computergrafiken weltweit", sagt Susanne Titz, Leiterin des Museum Abteiberg. Arbeiten von Künstlern wie Klaus Basset, Manfred Mohr, Frieder Nake, Georg Nees und anderen werden präsentiert. Skepsis und Ratlosigkeit über die Qualität dieser Kunst gab es natürlich in den 1960er und 1970er Jahren in der Rezeption dieser Zeichnungen, die aus dem mathematischen oder industriellen Bereich stammten und Nebenprodukte von Berechnungen waren. Jost Etzold, Sohn des Sammlerpaares, war "damals stolz auf Eltern, die sich damit beschäftigten". Für das Unternehmerpaar, so erklärt er, war es immer wichtig, sich Neuem zu öffnen.

Viele Künstler waren interdisziplinär zwischen Mathematik, Physik und Kunst tätig. Sie arbeiteten mit dem Graphomaten, dem von Konrad Zuse gebauten Zeichenautomaten oder mit Industrieplottern. Sie ließen den Automaten zeichnen, experimentierten auf einem Grat zwischen Planung und Zufall und entwickelten vor 50 Jahren die aus heutiger Sicht erstaunlich aktuellen Zeichnungen.

Neben den "historischen Computerkünstlern", wie Rappe sie nennt, wird mit einer zeitgenössischen Position der Bogen ins 21. Jahrhundert gespannt: Ein wandfüllender Druck mit dem Titel "Bodypaint IV 01" von Friedemann Banz (geboren 1980) und Giulia Bowinkel (geboren 1983) führt über eine App, die der Besucher vor Ort auf sein Smartphone herunterladen kann, zu einer "augmented reality" - noch so ein Begriff, der kompliziert und komplex ist. Einfacher ist es, wenn man's macht: Das Smartphone verwandelt den Wanddruck in eine dreidimensionale fiktive Realität, deren Teil die Besucher plötzlich werden. "Eine geniale Idee", findet es Jost Etzold, "den Zeitsprung von vor 50 Jahren ins Heute und das reale Leben zu tun".

(b-r)
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