Mönchengladbach: Showtime! Lächeln!

Mönchengladbach: Showtime! Lächeln!

Cookie verkauft Kosmetik an der Tür. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Esther Keil ist die überragende Hauptfigur in "Everything beautiful". Das neue Stück am Theater ist lustig, erschreckend und nah an der Realität. Nicht verpassen!

Es fließt Blut. Viel Blut. Aus Schuh, aus Nase, aus Oberschenkel. Ja, das Lächeln wird alsbald vertrieben sein, obwohl Cookie, schrecklich intensiv gespielt von Esther Keil, ständig dazu auffordert. Vor allem sich selbst: "Showtime! Lächeln!" Als Vertreterin für Kosmetikartikel ist sie unterwegs, putzt Klinken, wird ignoriert, weggeschickt. "Scheiße", sagt Cookie und müht sich zur nächsten Tür. Ihr Umsatz ist katastrophal. Sie läuft sich die Hacken wund, schüttet das Blut aus den Schuhen in den Gully. Sie ist in die Jahre gekommen, der Lack ist ab. Und im Laufe des bösen Spiels verliert sie nicht nur gelegentlich die Contenance, sondern auch Teile ihrer Kleidung und zum Schluss sogar Augenlicht und Haupthaar. Arme Cookie, verzweifelte Cookie, aber immer wieder kämpferische Cookie. Aufgeben gilt nicht, das hat ihre Mutter ihr eingebläut.

Christoph Roos hat Noah Haidles Schauspiel "Everything beautiful - Für immer schön" für das Gemeinschaftstheater inszeniert. Der Bühnenboden steigt schräg nach hinten an. Eingelassen sind die Türen mit Klingel und Spion. Cookie quält sich immer und immer wieder mit ihrem Kosmetik-Rollkoffer hinauf, müht sich ab, um auf ihr immer gleiches Sprüchlein letztlich abgewiesen zu werden. In ihr Revier dringt ihre ehemaligen Schülerin Heather (Carolin Schupa) ein. Hochnäsig, schnippisch, höhnisch, verächtlich und widerlich arrogant macht sie sich über die ehemalige Lehrmeisterin lustig. Spottet über ihr Alter, das Aussehen. Im Kampf zerreißt Cookies Kostüm, und Heather sticht ihr mit einer Nagelfeile ins Bein,

Derartig gedemütigt, aber selbstverständlich weiterhin lächelnd, macht Cookie den noch kindlichen Dan (Paul Steinbach) an, treibt es mit ihm und bekommt ein Kind. Als sie Dan als jungen Mann wiedertrifft, liegt Töchterchen Dawn im Kinderwagen, und Dan ist mit Heather verheiratet. Cookie überlässt den beiden ihr Baby. Die Situation spitzt sich zu. Wird dramatisch. Die Zuschauer im Theater werden zunehmend ruhig, lachen allenfalls erleichtert, wenn sich kurz eine Gelegenheit bietet. Für die sorgt in der Regel der tolle Paul Steinbach.

Bitterböse wird es, als die jugendliche, inzwischen drogenabhängige Dawn (Anna Pircher) Dan und Heather entflieht und von Cookie auf den Beruf der Handelsreisenden vorbereitet wird. Das von ihrer Mutter erzwungene Lächeln gerät zur Fratze. Das verzweifelte Mädchen nimmt sich das Leben. Cookie kann sich keine angemessene Beerdigung leisten. Sie zieht weiterhin von Tür zu Tür, alt geworden, müde, aber unbeugsam. Sie schiebt ihren Rollenkoffer und zieht die tote Tochter an einem Strick hinter sich her. Furchtbar.

  • Mönchengladbach : Eine Begegnung mit Vertreterin Cookie

Leistungsdruck, Durchhaltevermögen, Geschwindigkeit und Erfolgsdruck: Das sind die Themen, die das Stück so aktuell machen. Cookie lebt ihr Leben unbarmherzig weiter, egal, wer oder was sich ihr in den Weg stellt. "Showtime! Lächeln!", so motiviert sie sich beständig selbst. Es ist zum Heulen. Aufhalten möchte man sie, zur Ruhe zwingen.

Als ehemalige Freundin Vera tritt Eva Spott beeindruckend in Szene. Und dann ist da noch der Generalintendant des Theaters, Michael Grosse, der als Mr. Ogilve den zweiten Mann Heathers spielt. Mit Trump-Fiffi auf dem Kopf und Gel auf den Lippen zeigt er sein komödiantisches Talent. Das versöhnt.

Lassen Sie sich auf keinen Fall davon abhalten, dieses Theaterstück zu sehen. Bei allem Schrecklichen, es ist unfassbar gut gespielt - von überragenden Schauspielern!

Nächste Vorstellungen: 12., 18. und 22. April sowie im Mai, Juni und Juli. Tickets reservieren unter 02166 6151-100 und auf www.theater-kr-mg.de.

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