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Shishu Mandir: Der Verein ist die Brücke von Mönchengladbach nach Indien

Organisation aus Mönchengladbach : Shishu Mandir – Die Brücke nach Indien

Ehrenamtliches Engagement wird in Mönchengladbach großgeschrieben. Ein Beispiel ist der Verein „Shishu Mandir – Zukunft für Kinder e.V.“, der sich vor allem um Kinder in Slums kümmert. Er steht wegen des Corona-Virus vor neuen großen Herausforderungen.

Die rund 7600 Kilometer entfernte indische Millionenstadt Bangalore ist im Haus des Ehepaars Clark am Bunten Garten an diesem Abend ganz nah. Und die vielfältigen Probleme durch die Pandemie, mit denen die Mönchengladbacher Bürger zurzeit konfrontiert sind, wirken klein gegenüber der großen Not der Inder, die ohne jede Absicherung täglich um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen.

„Wie können wir vor allem den Familien von Wanderarbeitern helfen?“ sind zwei der aktuellen Fragen, die Vorstandsmitglieder von „Shishu Mandir“ (Tempel für Kinder) bei den Clarks erörtern. Denn was staatliche Stellen in Indien nicht schaffen, versucht der Verein zu stemmen: die Ärmsten in der Corona-Krise vor dem Hungertod zu bewahren.

Karin Clark präsentiert den Geschenkgutschein. Foto: Helmut Michelis

Diese private Hilfsorganisation, die sich außerhalb der Pandemie auf Kinder aus den Armutsvierteln in Bangalore konzentriert, hatte ihren Ursprung vor mehr als vier Jahrzehnten und wurde vor 22 Jahren in Mönchengladbach offiziell gegründet. Inzwischen sind die ehrenamtlichen Helfer über NRW verstreut: Die Vereinsvorsitzende Hella Mundhra, eine Ärztin, die mit einem Inder verheiratet war und die die Idee zu der beispielhaften Initiative hatte, lebt inzwischen in Heinsberg; der Zahnarzt Rainer Klesper, der 35 Jahre lang in Mönchengladbach praktiziert hat, ist aus Duisburg angereist.

 Vorstandsmitglied Karin Clark kümmert sich besonders um das neue Projekt „Babynest“: „Die Säuglingsstation unseres Heims ist seit einiger Zeit total überlastet, weil viele Kinderheime aufgrund der komplizierten und arbeitsintensiven Formalitäten keine Adoptionen mehr vermitteln. Sogar die Polizei bringt uns manchmal ungewollte Babys. Da die Kleinen oft unterernährt sind und in ganz vielen Fällen kostspielige medizinische Hilfe benötigen, wachsen uns die Kosten allmählich über den Kopf. Deshalb suchen wir nach neuen Unterstützungsmöglichkeiten.“ So präsentiert Karin Clark an diesem Abend eine Spendenkarte, die als Geschenk bei Einladungen oder zu Geburtstagen überreicht werden kann. „Das ist doch viel sinnvoller, als eine Flasche Rotwein oder einen Blumenstrauß mitzubringen, und findet hoffentlich viele Interessenten, die auf diesem Weg etwas Gutes tun wollen.“

Rainer Klesper in Indien bei der Behandlung. Foto: Shishu Mandir

 Ein Jugendbuch über Indien und später ein Bericht in der Rheinischen Post über Hella Mundhras Engagement hätten sie zu Shishu Mandir geführt, berichtet Karin Clark. Gerade ist sie aus Bangalore zurückgekommen, wo der Verein, der sich ausschließlich durch Spenden finanziert, über die Jahre hinweg ein beeindruckend gewachsenes Zentrum aufgebaut hat. Große Armut und familiäre Missstände wie Aggression und Alkoholismus seien die Hauptgründe, warum viele indische Kinder verwahrlost und zum Teil stark traumatisiert sind, erläutert sie. Aus einem mutigen Experiment sei ein in der Region anerkanntes Erfolgsmodell geworden, aus einem kleinen Privatkrankenhaus ein ausgedehnter Gebäudekomplex mit Kinderheim, Kindergarten, Schule, Ausbildungszentrum und medizinischer Betreuung.

 „In unserem Heim leben zurzeit mehr als 30 Kinder und Jugendliche, insgesamt 410 Kindern konnten wir bereits eine bessere Zukunft ermöglichen“, sagt Hella Mundhra. „Unsere Schule besteht seit 1993 und hat seit dieser Zeit 414 Jugendlichen zu einem Abschluss verholfen.“ Das neueste Projekt sei eine kostenfreie Fahrschule, die besonders Frauen ausbildet – ein „revolutionäres“ Projekt in einem Land, wo praktisch nur Männer am Steuer sitzen. Rund 80 Angestellte – vom Lehrer bis zur Köchin – beschäftigt Shishu Mandir.

 Alle Einrichtungen mussten wegen des Virus vorerst geschlossen werden. Doch Arbeit gibt es weiterhin genug, berichten die Vorstandsmitglieder. So werden zurzeit 550 Familien von Shishu-Kindern mit Lebensmittelpaketen unterstützt. Die Väter sind durch die Pandemie von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden. Hella Mundhra: „Unser bewundernswertes Team von Mitarbeitern hat es geschafft, die ,Speisung der ersten 5000‘ zu bewerkstelligen. Jetzt sollte es an die Speisung der nächsten 5000 gehen.“ Dazu will sie einen neuen Hilferuf an mögliche Sponsoren richten, kündigt sie an.

Auch Rainer Klesper war gerade für zwei Wochen vor Ort. Er informiert darüber, dass er mit einem Kollegen aus Lobberich eine Reihenuntersuchung an 3000 Schülern durchgeführt hat. 350 Kinder konnte er in dieser Zeit behandeln. „Eigentlich wollte ich nach 20 Jahren aufhören“, sagt der Mediziner. „Aber die herzerwärmende Dankbarkeit in den Kinderaugen hat mich dazu motiviert, weiterzumachen. Diese Anerkennung bekommt man in Deutschland nicht.“