Sexualdelikt im Borussia-Fanzug 19-jähriges Opfer soll Tatverdächtigen auf Fotos nicht erkannt haben

Mönchengladbach · Ein Mann soll eine 19-Jährige in einem Fanzug missbraucht haben. Nun hat die Landesregierung einen Untersuchungsbericht zu dem Fall vorgelegt, aus dem weitere Details hervorgehen.

Polizisten stehen an dem Sonderzug. (Archiv)

Polizisten stehen an dem Sonderzug. (Archiv)

Foto: dpa/Hans-Peter Reichartz

In einem Bericht der Landesregierung werden jetzt mehr Details zu dem Sexualdelikt im Sonderzug voller Borussia-Fans bekannt. Demnach hatten sich das Opfer und der Beschuldigte zunächst einvernehmlich in der Zugtoilette geküsst. Weitere sexuelle Handlungen habe die 19-Jährige, die nach dem Vorfall Erinnerungslücken gehabt haben soll, aber abgelehnt.

Der Rechtsausschuss des Landtags NRW wird sich am Mittwoch mit dem Sexualdelikt in einem Sonderzug voller Borussiafans befassen. Die SPD hatte einen Bericht von der Landesregierung gefordert, der jetzt schriftlich vorliegt und mehr Details zu dem Vorfall am 15. April liefert. Darin heißt es unter anderem, dass das stark alkoholisierte 19-jährige Opfer den Beschuldigten im „Samba-Wagen“ kennengelernt habe. Die beiden hätten sich zunächst unterhalten, dann sei es zunächst vor und schließlich in der Toilette des Zuges zum einvernehmlichen Austausch von Küssen gekommen. Obwohl die 19-Jährige weitere Handlungen sexueller Natur abgelehnt und dies auch gesagt habe, sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Erinnerungslücken

Wie die Polizei nach dem Vorfall berichtet hatte, hatte die junge Frau nach der mutmaßlichen Vergewaltigung sofort ihre Eltern angerufen. Die verständigten die Polizei, die wiederum in Flörsheim den Zug stoppte, die 19-Jährige herausholte und zur Untersuchung ins Krankenhaus brachte. Im Bericht heißt es, dass der Beschuldigte aufgrund von Fotos, die ein als Ordner im Zug gemacht hatte, durch szenekundige Beamte des Polizeipräsidiums Mönchengladbach identifiziert worden sei. Die Geschädigte selbst, deren Aussage von „erheblichen Erinnerungslücken geprägt“ gewesen sei, habe den Beschuldigten im Rahmen einer Wahllichtbildvorlage nicht wiedererkannt. Vor diesem Hintergrund habe die Staatsanwaltschaft mangels dringenden Tatverdachtes auch von der Beantragung eines Haftbefehls abgesehen.

Die Ermittlungen in dem Fall seien noch nicht abgeschlossen. So stünden die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung der Geschädigten noch aus. Die sichergestellten DNA-Spuren lägen dem Landeskriminalamt zur Auswertung vor. Mit einem Ergebnis sei erst in einigen Wochen zu rechnen. Derzeit würden weitere Zeugen vernommen.

Der Tatverdächtige, ein 30-Jähriger aus Mönchengladbach, hätte viel früher in Haft sitzen müssen. Ein Haftbefehl gegen ihn wegen einer bereits im Februar 2015 begangenen Vergewaltigung konnte nicht vollstreckt werden, weil die Akten des Verfahrens, das durch drei Instanzen ging, nicht zügig an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden. Auch das ist Thema im Bericht der Landesregierung. Dort heißt es, dass die Zeit zwischen rechtskräftigem Urteil und Einleitung der Haftbefehl-Vollstreckung von rund dreieinhalb Monaten deshalb „als zu lang und mit dem Gebot einer zügigen Vollstreckung nicht mehr vereinbar bewertet werden“ muss.

(GAP)
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