Serie Gladbacher Lesebuch (47): Ein Valentinstag im Krieg in Dresden

Serie Gladbacher Lesebuch (47) : Ein Valentinstag im Krieg bleibt im Gedächtnis

Der Autor erinnert sich, wie er als kleiner Junge den Valentinstag 1945 während des schweren Luftangriffs auf Dresden erlebte.

Gemeinhin verbindet man den Valentinstag mit freudigen Erlebnissen. Das stimmt heute wohl mit Sicherheit, nicht aber im Jahr 1945. Meinen Großeltern gehörte ein wunderschönes Haus an der Kaizerstraße 77 in Dresden. Dort hockten meine Großmutter, meine Mutter, ihre Schwester, mein Bruder und ich, damals drei Jahre alt, in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 im Keller. Die Royal Air Force und die United States Army Air Forces griffen in vier Angriffswellen vom 13. bis 15. Februar Dresden an und zerstörten Großteile dieser herrlichen Stadt.

Die Kaizerstraße liegt ostwärts des Hauptbahnhofs. Dieser Teil Dresdens war kein Angriffsziel der Alliierten. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Eine verirrte Bombe traf unser Haus und legte es in Schutt und Asche. Meine Mutter erzählte später, dass die drei Erwachsenen alles versucht hätten, um aus dieser Mausefalle heraus zu kommen. Dann geschah das Unglaubliche. Die Kompanie, in der ein Neffe meiner Großmutter als Gefreiter Dienst tat, übernachtete auf dem Rückweg von der Ostfront an die Westfront in Dresden. Er hatte den Angriff in einer umgestürzten Litfasssäule überlebt und wollte am Morgen des 14. Februar nach seinen Verwandten schauen. Der Schutthaufen muss ihn sehr erschreckt haben, trotzdem rief er die Namen und bekam aus dem Keller Antwort. Jetzt wurde von beiden Seiten Steine weggeräumt, und wir Eingeschlossenen wurden befreit.

Meine Mutter war damals 24 Jahre alt und trug die Verantwortung für meinen Bruder und mich.

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