Serie Gladbacher Lesebuch (36): Als Kinder die Landwehr in Flammen setzten

Serie Gladbacher Lesebuch (36) : Als Kinder aus Versehen die Landwehr in Flammen setzten

In einem heißen und sehr trockenen Sommer in der 1960er-Jahren brannte die Grünfläche. Jugendliche aus Holt hatten ein Kartoffelfeuer gemacht, das außer Kontrolle geriet.

Welcher kleiner Junge sieht nicht gern der Feuerwehr nach, wenn sie vorbei rauscht? Auch ich gehörte dieser „Sparte“ an und blieb stehen, wann immer dies geschah. Wenn die Feuerwehr nicht mehr zu hören war, war alles vergessen. Nur einmal sollte dies anders sein. An einem heißen Sommertag, es hatte Wochen nicht mehr geregnet, spielte ich mit anderen Kindern in der Landwehr in Engelsholt. Für mich als Kind war die Landwehr ein idealer Platz, um zu spielen oder mit dem Rad die engen Wege zu fahren. Dass wir dort auch ab und zu ein kleines Feuer machten, und die „geernteten Kartoffeln“ vom Acker des Bauern ins offene Feuer warfen, um sie später halb roh noch zu verspeisen, war für mich als Kind nichts besonderes.

So war es auch damals. Das Feuer brannte, und ich ging mit anderen Kindern zum Feld, um Kartoffeln zu holen. Altersmäßig waren wir zwischen zehn und zwölf Jahre. Auf dem Rückweg merkte ich schon, dass etwas nicht stimmte. Starker Rauch war von weitem zu sehen. Das konnte unmöglich unser kleines „Kartoffelfeuer“ sein, dachte ich. Wir liefen so schnell wir konnten und sahen das Malheur. Irgendwie hatte sich trockenes Farn entzündet und das Feuer breitete sich in Windeseile aus. Ein Flächenbrand entstand. Natürlich versuchten wir, das Feuer zu löschen. Aber alle Versuchen waren aussichtslos. Dafür hatte sich der Steppenbrand zu weit ausgedehnt. Wir schrien vor Angst. Eine Situation, die ich heute noch vor Augen habe. Endlich hörten wir das ersehnte Tatü-Tatü der Feuerwehr und der Polizei. Wer auch immer hat die Feuerwehr alarmiert, die mit mehreren Löschzügen kam. Die Feuerwehrmänner hatten das Feuer in kurzer Zeit unter Kontrolle, sodass die verbrannte Fläche doch nicht allzu große Dimensionen aufwies. Natürlich kamen die Polizeibeamten auf uns Kinder zu und fragten, wie es dazu kam. Ehrlich und vor lauter Ehrfurcht schilderten wir den „Tatvorgang“ Nachdem sie nach unserem Alter fragten und feststellten, dass ich mit zwölf Jahren der älteste war, durfte ich im Polizeiwagen Platz nehmen. Wir fuhren zur Wache, die sich 1961 an der Nicodemstraße befand. Das „Verhör“ begann von vorne und die Polizisten wollten den Namen meiner Eltern, meine Adresse und den Beruf meines Vaters wissen.

Natürlich bekam ich Vorhaltungen, wie man auf die Idee kommt, bei diesem trockenen Wetter ein Feuer in der Landwehr zu machen. Nachdem die Polizisten mir erklärten, dass die Kosten des Einsatzes mein Vater bezahlen musste, brach die Welt zusammen. Zum Schluss sagten sie: „Jetzt gehst du sofort nach Hause und erzählst alles deinen Eltern, damit sie Bescheid wissen, wenn der Brief über die Forderungen des Einsatzes kommt.“

So lief ich weinend aus der Wache und machte mich zu Fuß auf den Weg zu meinem Elternhaus. Unterwegs schwor ich mir, einfach nichts zu erzählen. Ich wollte alles auf mich zukommen lassen. Die Tage, Wochen, Monate, Jahre vergingen. Es kam kein Bescheid wegen der angeblichen Forderungen. Das hatten die Polizisten nur gesagt, um mir Angst einzujagen. Es hat Jahre gedauert, ich war bestimmt schon achtzehn Jahre alt, ehe ich meinen Eltern die Story erzählte.