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Serie Gladbacher Lesebuch (35): Eine Elster hielt die Nachbarn auf Trab

Serie Gladbacher Lesebuch (35) : Eine listige Elster hielt die Nachbarschaft auf Trab

Die Autorin hatte eine zahme Elster. Mal pickte sie Wäscheklammern an, dann riss sie Porree aus, pickte in Strümpfe und Kuchen.

Da wir kurz am Wald wohnen, war es nicht besonders erstaunlich, dass mein Neffe eine junge Elster mit nach Hause brachte, die wohl aus dem Nest gefallen war und ein Bein gebrochen hatte. Wir haben das Bein laienhaft verbunden und die Elster in einem großen Kaninchenstall gesetzt. Der Stall wurde abgeschlossen, da wir außer einem Hund auch eine Katze hatten. Mit zur Familie gehörte ein alter Onkel, der Hannes hieß, und Haus und Garten und nun auch die Elster versorgte, die wir nun Jakob nannten. Hannes ließ Jakob dann auch später aus dem Stall, nur unter Beobachtung, bis sie später wieder richtig fliegen konnte.

Damit fing aber auch der Ärger an. Damals wurde die Wäsche noch draußen auf der Leine getrocknet und mit Wäscheklammern befestigt. Jakob hatte aber Spaß an den Wäscheklammern und hat sie losgepickt, so dass die Wäsche auf den Boden, das heißt in den Dreck fiel. Die Beschwerden unserer Nachbarn waren uns sicher. Am Ende unseres Grundstücks grenzte das Grundstück eines selbstständigen Gärtners, der seine Erzeugnisse auf dem Wochenmarkt verkaufte. Er hatte Porree gepflanzt, jede Menge, und das zur Freude unseres Jakob. Er hat die gepflanzten Porreestangen zum Teil ausgerissen und fein auf den Boden fallen lassen. Als meine Eltern zu Besuch kamen, rief ich „Jakob“ und er kam sofort und hüpfte mit uns in den Garten, immer am Fuß oder auf dem Schuh meiner Mutter. Sie fand das niedlich, musste aber später feststellen, dass Jakob durch die kleinen Löcher in ihrem Schuh Löcher in ihre Strümpfe gepickt hatte. Das fand sie dann nicht mehr so gut.

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Wir hatten einen Malerbetrieb und morgens zogen sich die Gesellen ihre Arbeitskleidung an und legten dann oft ihre Zigaretten auf ein Mäuerchen, das an die Werkstatt grenzte. Da hatte Jakob schnell das Silberpapier entdeckt und pickte nicht nur in das Silberpapier, sondern auch in die Zigaretten. Da haben die Gesellen oft den Jakob verwünscht. Jakob hat sich auch einmal in die Werkstatt gewagt und neugierig wie er war, ist er in einer Schublade mit Trockenfarbe gestiegen. Es war das Pulver, womit man auch Mauern strich (im Volksmund Totenkopf genannt). Diese Farbe hat seine weißen Federn rötlich gefärbt und das blieb auch für immer, wodurch er überall erkannt wurde.

Das Schlimmste, was er gemacht hat, hat er sich bei unserem direkten Nachbarn geleistet. Die holten ihren Besuch am Bahnhof ab. Der Tisch war für den Nachmittagskaffee fertig gedeckt. Der Kuchen stand auf dem Tisch. Unglücklicherweise hatten sie aber das Oberlicht in der Küche aufgelassen. Jakob hatte das entdeckt und auch den Kuchen. Er ist in das Zimmer geflogen und hat tüchtig in den Kuchen gepickt, an vielen Stellen. Das ist für uns schlimm ausgegangen. Sonst war Jakob sehr anhänglich. Wenn er abends noch nicht zurück war und ich rief, er bekomme Butter, dann kam er und pickte ein Stückchen Butter von meinem Finger.

Da wir nun Nachwuchs erwarteten, waren wir etwas ängstlich, hoffentlich tut Jakob dem Kind nichts an. Aber soweit kam es nicht. Eines abends ist er nicht mehr nach Hause gekommen. Wo er geblieben ist, haben wir nie erfahren.