Mönchengladbach: Seit acht Tagen ohne Wasser

Mönchengladbach : Seit acht Tagen ohne Wasser

In einem Mietshaus an der Mühlenstraße hat die NEW vergangenen Mittwoch das Wasser abgestellt. Der Vermieter hatte die Nebenkosten der Mieter nicht an die NEW weitergeleitet. Laut Mieterschutzbund häufen sich diese Fälle.

Der Brief der NEW liegt immer noch auf dem Wohnzimmertisch von Familie Ghadimi-Herfe. Um den Text herum sind Telefonnummern, Namen, Uhrzeiten notiert, eingekreist, wieder durchgestrichen. Notizen einer Suche nach Hilfe.

Vor drei Wochen bekam die iranischstämmige Familie besagtes Schreiben von der NEW. Darin stand, dass ihr Vermieter seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der NEW nicht nachgekommen sei. Dadurch seien "erhebliche Zahlungsrückstände" entstanden. Was "erheblich" bedeutet, stand ebenfalls in dem Brief: 22 484 Euro und 27 Cent. Sollte dieser Betrag nicht umgehend beglichen werden, werde die Wasserversorgung am 22. August eingestellt.

Ali Ghadimi-Herfe und die anderen Mieter der Mühlenstraße 120 versuchten sofort, ihren Vermieter zu erreichen. Schließlich hatten sie ihre Nebenkosten immer an ihn bezahlt. Doch der war im Urlaub. Und auch danach war er die meiste Zeit unerreichbar für seine Mieter. Am vergangenen Mittwoch stellte die NEW folglich das Wasser ab.

Seitdem holen sie Wasser in Eimern bei der Dönerbude um die Ecke, bringen es von der Arbeit mit, oder bitten Freunde um Hilfe. Ghadimi-Herfes Nachbarin hat vom vielen Wassertragen mittlerweile Rückenschmerzen. "Ich bin Kellnerin und kann nicht mehr arbeiten gehen", sagt sie.

Gesetzeslage ist unzureichend

Für Peter Hess vom Mieterschutzbund ist das nichts Neues: "Solche Fälle gibt es leider immer häufiger. Früher wohnte der Vermieter um die Ecke, war für die Mieter immer erreichbar. Heute gibt es immer mehr Spekulanten aus dem Ausland, die hier Immobilien kaufen und für die Bewohner nicht zu erreichen sind."

Auch die rechtliche Handhabe der Mieter ist beschränkt. "Juristisch hat sich der Vermieter bisher nicht strafbar gemacht. So verrückt das auch klingt", sagt Hess. Sein Verband versucht seit Jahren, die Politik dazu zu bewegen, die Gesetzeslage zu reformieren, um den Mieterschutz in solchen Fällen zu verbessern.

NEW-Sprecherin Christina Achtnich bestätigt den Fall. Das Kundencenter, bei dem der Vermieter am Freitag dann doch vorstellig wurde, machte ihm das Angebot, eine Anzahlung zu leisten. Dann werde das Wasser wieder angestellt, den Rest könne er in Raten bezahlen. "Das war ein Entgegenkommen unsererseits", betont Christina Achtnich. Die Anzahlung ist bisher jedoch nicht an die NEW überwiesen worden.

Mittlerweile hat sich Peter Hess in den Fall eingeschaltet, verhandelte mit der NEW über eine schnelle Lösung für die Mieter. Sie sollen ihre Miete für September und die folgenden Monate nicht an den Vermieter zahlen, sondern auf ein Treuhandkonto überweisen. Ralf Poll, Geschäftsführer der NEW, erklärt: "Wir liefern wieder Wasser, sobald die ersten Zahlungen auf dem Treuhandkonto eingegangen sind. Schließlich haben auch wir kein Interesse daran, diesen schrecklichen Zustand für die Mieter aufrechtzuerhalten."

Der Vermieter war in den letzten zwei Tagen für eine Stellungnahmegegenüber unserer Redaktion nicht erreichbar.

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(RP/rl/jco)
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