Mönchengladbach: Sechste Generation in der Manege

Mönchengladbach: Sechste Generation in der Manege

Familie Neigert-Bügler ist seit Jahrzehnten in der Zirkuswelt unterwegs. Früher reisten sie international, jetzt beschränken sie sich auf NRW. Sogar Stefan Effenberg vertraute Messerwerfer Jonny Bügler. Heute findet die erste Vorstellung der Artisten im "Circus Hansa Wunderland" statt.

Hoch hinauf führt der Blick in den blau-weißen Sternenhimmel des Vier-Mast-Zirkuszelts. Bunte Lichter erhellen die Manege und schaffen eine nostalgische Atmosphäre. Zurück in die Zeit, in der das Zirkusleben vielleicht etwas einfach war. "Früher waren wir größer, wir hatten mehr Tiere, und wir waren international unterwegs", sagt Johnny Bügler, Artist in sechster Generation. Seit nun fünf Jahren reist die vierköpfige Familie nur noch durch NRW - mit dabei immer ein paar zusätzliche Artisten. "Es gibt einfach zu viele Angebote und zu wenig Nachfrage in der Zirkuswelt", sagt der 26-Jährige.

An seiner positiven Grundeinstellung ändere das aber rein gar nichts: "Meine gute Laune kann nichts trüben." Das mag auch daran liegen, dass Bügler das Zirkusleben unter keinen Umständen gegen ein "normales Leben" eintauschen wollen würde - ein anderes Leben hat er sich noch nie gewünscht. "Jeden Tag das Gleiche machen? Das wäre nichts für mich", ist sich der Artist sicher. "Wir leben immer wieder woanders, ich kann mir neue Nummern ausdenken. Ich bin sozusagen mein eigener Chef - das ist doch toll." Bereits im Kindesalter hüpfte der junge Mann schon durch den Circus. Lediglich die Schulzeit sei bis zu seinem zwölften Lebensjahr anstrengend gewesen: "Ich war immer nur zwei bis drei Wochen in einer Schule, dann sind wir wieder weitergezogen", erinnert sich Bügler kopfschüttelnd. "Da konnte man nichts lernen."

Dann aber wurde die Schule für Zirkuskinder ins Leben gerufen. Von da an besuchten Lehrer ihn und seinen Bruder dreimal pro Woche mit einem mobilen Klassenzimmer und sorgten dafür, dass er den Realschulabschluss schaffte. Wäre es nach Mutter Yvonne gegangen, hätten ihre beiden Söhne etwas "Richtiges" gelernt: "Das Zirkusleben wird schließlich immer härter."

Sie selbst ist seit Kindesalter Trapezkünstlerin. Im familieneigenen Circus tritt sie aber nicht mehr auf. Viel mehr kümmert sie sich um Organisatorisches und sorgt dafür, dass alles glatt läuft. Bügler ist in die Fußstapfen seines Vaters gestiegen und - genau wie sein Bruder - ein vielgefragter Messerwerfer. Sogar Stefan Effenberg vertraute dem Artisten und ließ vor einigen Jahren in der TV-Show "Mein Mann kann" auf sich werfen. Noch nie sei ein Messer daneben gegangen, sagt Jonny Bügler.

Wenn der Circus sich dann im Winter zurückzieht und eine Pause einlegt, geht für Bügler der Spaß aber erst richtig los: Schon mehrfach hat er im Weihnachts-Zirkus in Paris Messer geworfen und durfte gleichzeitig die Stadt an der Seine genießen.

Das Zelt steht an der Eisenbahnstraße 131. Für die Premiere am heutigen Tag, 17 Uhr, hofft die Familie auf mindestens 120 Besucher. Platz gäbe es sogar für 300 Leute. Weitere Vorstellungen finden am 7. April um 17 Uhr, am 8. April um 11 Uhr und um 15 Uhr, am 9., 12., 13. und 14. April um 17 Uhr und am 15. April um 11 Uhr statt.

(sikr)