Mönchengladbach: Schwebende Module im Boetzelen-Silo

Mönchengladbach : Schwebende Module im Boetzelen-Silo

Dem Mönchengladbacher Bildhauer Wolfgang Hahn richtet der Kunstverein MMIII zum 60. Geburtstag eine Einzelausstellung aus. Der bedankt sich mit einer "Gladbacher Hängung" und einer Edition.

"Gladbacher Hängung"? Wie soll das gehen bei einem Bildhauer, im Speziellen bei Wolfgang Hahn, für dessen Werk – bei aller Verspieltheit – so wesentlich ist, dass es steht? Die überraschende Antwort auf diese Frage gibt die Ausstellung, die der Kunstverein MMIII dem Gladbacher Künstler in den Boetzelen-Höfen zum bevorstehenden 60. Geburtstag ausrichtet. Hahns modulare Skulpturen, diese nichts anderem als dem Würfel abgetrotzten hölzernen Spiel- und Steck-Elemente: Sie schweben. Graues Rollladenband hält die klaren geometrischen Formen im Zweier- und Dreierpack zusammen und in der Luft. Massiv und frei. Alt und jung. Mit 60 eröffnen/öffnet sich Wolfgang Hahn neue Perspektiven.

Schon vor dem Eintreten in die alte Fabrikhalle schwebt und dreht sich dem Besucher eine der verschachtelten Steck-Skulpturen entgegen, die Hahn gewöhnlich als statische Intervention in den Raum inszeniert. Im Untergeschoss der vom Stahlskelett geprägten Räumlichkeit steht noch eine graue Bank – als Reminiszenz an eine weitere der Hahn'schen Werkgruppen. Unterm Dach jedoch nimmt das Hängen und Schweben kein Ende.

Wolfgang Hahn, 1953 in Willich-Anrath geboren, lebt seit 1997 in Mönchengladbach, arbeitet im städtischen Atelierhaus Steinmetzstraße. Nach dem Pädagogikstudium zieht es ihn zur Freien Kunst: Kassel, USA, Harry Kramer, Otto Piene. Sein Werk verfolgt wenige klare Stränge, ist in Form, Material und Farbgebung stark reduziert, konzeptionell. Aber eben alles andere als streng oder verbissen. Hahn spielt mit seinen Elementen, in lebendiger Spannung zwischen Freiheit und Kalkulation. Wenn er jetzt seine in den vergangenen Jahren entstandenen Holzarbeiten förmlich zum Tanzen bringt, zeugt das auch von Freiheit und humordurchtränkter Souveränität seinem eigenen Werk wie dem Kunstbetrieb allgemein gegenüber.

"Das ist auch für mich wie eine Befreiung, dass ich neu und leicht mit meinen Arbeiten umgehen kann", sagt der fast 60-Jährige, dem sich parallel zur "Gladbacher Hängung" neue Perspektiven auftun: Im Atelier wächst zurzeit eine neue, fünfteilige Skulptur, die vielleicht eine neue Werkgruppe begründet. "Wir vom Kunstverein schenken dem Künstler Wolfgang Hahn diese Ausstellung und würdigen damit auch die künstlerische Qualität, die in unserer Stadt vorhanden ist. Wir finden, das gehört sich so", sagt Klaus Schmitt, der Hahn seit gemeinsamen Studienzeiten in Aachen kennt.

Wolfgang Hahn revanchiert sich mit einer Edition, die aus einem edlen Pappkarton besteht. Außen grau, innen gelb lackiert, beherbergt das aufwändig hergestellte Behältnis Luft. Kostbares Nichts. 14 Exemplare hat Hahn in Handarbeit geschaffen, zum Preis von je 190 Euro. Die Ausstellung wird heute, Samstag, 19.30 Uhr, im Rudolf-Boetzelen-Silo des Kunstvereins eröffnet und bis zum 12. Mai "hängen".

(ark)
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