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Mönchengladbach: Schwänzen macht Schule

Mönchengladbach : Schwänzen macht Schule

Sie fehlen oft Monate, manchmal auch Jahre. In der Stadt gibt es immer mehr Schulverweigerer. Über 300 Kinder und Jugendliche machen regelmäßig blau. Nach den Sommerferien startet die Stadt ihre dritte Umfrage an Schulen.

Sogar an Grundschulen gibt es sie: Kinder, die lieber in Kaufhäusern oder in Parks herumhängen, als im Unterricht zu lernen. Mehr als 300 Schüler machen in der Stadt regelmäßig blau. Das heißt: So viele Schulverweigerer wurden bei der letzten Umfrage von den Schulen gemeldet. Experten gehen davon aus, dass es noch viel mehr Kinder und Jugendliche sind, die unerlaubt dem Unterricht fernbleiben. Manchmal würden Entschuldigungen einfach gefälscht, oft sei es Lehrern auch ganz Recht, wenn Störenfriede fern bleiben.

Schulleitung entscheidet

Ob und wie Schulverweigerer bestraft werden, entscheidet die Schulleitung. Stadtsprecher Dirk Rütten sagt: "Sie kann bestimmen, ob das Ordnungsamt eingeschaltet wird." Sanktionsmöglichkeiten gibt es viele: Bußgelder und Zwangszuführungen gehören dazu. Ob sie allerdings immer wirksam sind, wird bezweifelt.

107-mal mussten Ordnungsamtsmitarbeiter im vergangenen Jahr Schüler morgens aus dem Bett klingeln, um sie zum Aufstehen, Waschen, Anziehen und zum Schulbesuch zu bewegen. "Das sind Einsätze, die oft 40 Minuten Zeit und mehr in Anspruch nehmen", weiß Stadtsprecher Walter Schröders. Wenn die Schüler dann die erste Pause nutzen, um sofort wieder abzuhauen, hat sich der ganze Aufwand kaum gelohnt.

Seit einigen Jahren kann die Stadt von älteren Schülern fünf Euro pro blau gemachten Schultag einfordern. 56-mal wurde diese "erzieherische Maßnahme" in 2009 angewandt. "Doch die allermeisten können nicht zahlen", sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Deshalb beschäftigen sich auch Gerichte immer häufiger mit Schulverweigerern. Denn wird das Bußgeld nicht gezahlt, können die Richter es in soziale Arbeitsstunden umwandeln. Werden die auch nicht geleistet, droht Arrest. "Auch das kommt vor", sagt Gerichtssprecherin Dr. Annette Siemes.

In Mönchengladbach wird versucht, notorische Schwänzer wieder in die Schullaufbahn einzugliedern. Comeback heißt das Projekt, das mit einer 70-prozentigen Erfolgsquote aufwarten kann. CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Günter Krings fordert, dass noch mehr als die 15 bereits bestehenden Plätze eingerichtet werden. Finanziert und unterstützt wird Comeback unter anderem vom Land, das die Pädagogen stellt, und der Stadt, die Räume zur Verfügung stellt.

Nach den Sommerferien soll die mittlerweile dritte Umfrage zu Schulverweigerern gestartet werden. Dann soll sich herausstellen, ob sich der Trend des vermehrten Schwänzens fortsetzt. Bei der letzten Abfrage vor zwei Jahren wurden nämlich noch 160 schulmüde Kinder und Jugendliche gemeldet. Warum sich immer mehr Schüler hartnäckig weigern, in die Schule zu gehen, soll jetzt in einer Studie der Hochschule Niederrhein ergründet werden, die durch Spenden der Gladbacher Service-Clubs finanziert wird.

(RP)