Mönchengladbach: Schutz von Glasmalereien in aufgegebenen Kirchen

Mönchengladbach: Schutz von Glasmalereien in aufgegebenen Kirchen

Glasmalereien aus profanierten Kirchen werden nicht ausreichend als Kulturgut geschützt. Oft würden mit den Kirchen auch die Glasfenster aufgegeben und abgerissen, kritisierte die Leiterin der Europäischen Akademie für Glasmalerei, Annette Jansen-Winkeln, auf der Tagung "Kulturgutschutz in Politik und Gesellschaft von der EU bis in die Region am Beispiel der Glasmalerei". Die Tagung brachte die Probleme der Kulturgutverluste vor allem durch Kirchenschließungen zutage, die in diesem Ausmaß nicht bekannt sind und von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen 15 Jahren 435 Kirchen geschlossen und davon 100 abgerissen. Niemand fühle sich für den Schutz der Werke verantwortlich. Viele Glasarbeiten seien bereits verloren gegangen. "Dieser Trend wird sich mit weiteren Kirchenaufgaben verschärfen." Glasfenster seien aber ein wichtiger Teil des kollektiven Gedächtnisses und der kulturellen Identität. Um den Themenkomplex sinnvoll anzugehen, fehlten Entscheidungskriterien und finanzielle Mittel, sagte der frühere NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU).

Auch der ehemalige Direktor der Kommission für Zeitgeschichte, Karl-Joseph Hummel, kritisierte den Umgang der Kirche mit den Glasfenstern. Die Kirche sei zu passiv. Die Bewahrung der Glasfenster sei eine große Aufgabe, die mit zahlreichen Problemen, hohen Kosten und Unklarheiten verbunden sei. Aus Angst vor dieser Aufgabe kümmere die Kirche sich gar nicht oder zu wenig um den Erhalt der Glaskunstwerke. Sie warte ab, bis sich das Problem von allein gelöst habe und die Glasmalereien mit den Gotteshäusern abgerissen würden.

(isch)