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Mönchengladbach: Schülerzeitung 4.0

Mönchengladbach : Schülerzeitung 4.0

Dorothée Vollmer ist an der Gesamtschule Hardt für die Schülerzeitung verantwortlich. Sie und ihr Team denken crossmedial. Viel hat das Magazin nicht mehr mit dem ursprünglichen Format zu tun. Das sorgt für Aufsehen - und Preise.

Am Anfang war der G-Punkt . . . Dann kam Lehrerin Dorothée Vollmer 2008 an die Gesamtschule in Hardt und ihr erster Gedanke lautet: "Oh Gott, so kann man doch keine Schülerzeitung nennen", sagt sie heute und lacht. "Die Zeitung erinnerte zu der Zeit mehr an ein Imageheft der Schule, als an etwas Informatives."

Kurz darauf sorgte jedoch eine Ausgabe für Aufsehen, deren Cover den desolaten Zustand der Schulklos zeigte. Die Schüler hatten genug von dem Imageheft und wollten ihren Standpunkt klar machen. Bei der Schulleitung kam das nicht gut an. Die Zeitung sollte verändert werden, und Vollmer wurde die Zeitung aufgedrückt. "Den damaligen Schülern und mir war klar, ,Punkt' muss im Namen bleiben, weil wir weiter unseren Standpunkt klar machen wollten - so entstand dann zunächst ,Mittelpunkt'", erklärt Vollmer. "Denn so wollten wir uns selbst sehen - als Mittelpunkt der Schule."

Schnell war klar: Sie und die Jugendlichen wollten etwas Neues entwickeln, fern von den üblichen Schülerzeitungen. "Wir setzten uns zusammen, machten große Themen- und Rubrikenfindung. Für jeden sollte etwas dabei sein", sagt die Lehrerin. Der Plan war, dass das Heft jährlich erscheint und Schülern und vor allem den Eltern, die Schule näherbringt. "Anfangs war der Ansturm riesig", erklärt Vollmer. "Wir hatten rund 30 Schüler, die mitgemacht haben. Die ersten unserer Schreiber waren von der 7. Klasse bis zum Abitur dabei."

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Da die jungen Redakteure, aber auch die lesenden Schüler über die Jahre natürlich älter wurden und sich für neue Themen interessierten, entstand schnell ein Problem. "Unsere Älteren wollten unbedingt etwas zu Politik machen, größere Themen aufnehmen und sich nicht nur auf die Schule beschränken", sagt Vollmer. "Davon waren die Kinder aus der 5. oder 6. Klasse natürlich überhaupt kein Fan."

Da zum gleichen Zeitpunkt auch das Thema Internet immer größer wurde, entschied Vollmer, mit ihrem Team crossmedial zu arbeiten. "Von da veröffentlichten wir neue Geschichten nur noch online. Die besten Stücke gab es dann einmal im Jahr als Magazin." Und auch für die Probleme mit den verschiedenen Zielgruppen entwarf das Team eine Lösung: ein Wendeheft. "Wenn man von der einen Seite liest, geht es nur um Schulthemen, dreht man das Heft um, geht es auch um das Weltgeschehen", erklärt Vollmer.

Da eine Schülerzeitung im Normalfall von Schülern gemacht wird, war es nur eine Frage der Zeit, bis daraus ein Problem wurde. "Als die Schreiber der ersten Generation die Schule verließen, wollten viele trotzdem weiter helfen", so Vollmer. Aber auch dafür gab es eine Lösung: die Geburt des "Standpunkt". Nun war das Wendecover geteilt in Mittel- und Standpunkt. "Beim Standpunkt durften auch Externe mitschreiben. Der Mittelpunkt blieb für die Schüler." Und so nahm die Geschichte von 2008 bis heute ihren Lauf. Schüler kamen und gingen.

Die Kernbesetzung hinter der Schülerzeitung ist inzwischen deutlich kleiner geworden. "In der heutigen Zeit haben viele einfach weniger Zeit. Es gibt immer mehr zu tun", sagt Vollmer. Das aktuelle Redaktionsteam besteht aus den drei Schülern Sean (18), Ivana (18) und Nikolas (18). Alle sind aus dem gleichen Grund dabei: "Na ja, es gibt bei den Veranstaltungen immer freies Essen", sagt Ivana und lacht. "Nein, ich bin seit der 7. Klasse im Team, weil ich immer schon in der Medienbranche arbeiten wollte." Das Gleiche gilt für Sean. "Ich bin seit 2012 dabei. Wollte mich einfach ausprobieren. Dazu hat man hier viele Gelegenheiten." Nikolas schließt sich den beiden an. "Verschiedene Formate auszuprobieren, ob Print, online oder mit Film. Das ist toll."

Die Besonderheit des Magazins "Standpunkt" hat auch über Mönchengladbach hinaus Aufmerksamkeit erregt. Eine Vielzahl von Preisen konnte das Team bereits gewinnen, unter anderem bei einem Wettbewerb der "Zeit", des "Spiegels" und zuletzt sogar bei einem europäischen Vergleich. "Die Preise sind ein großer Ansporn", sagt Nikolas. "Und bei den Auszeichnungen lernt man viele Menschen kennen, von denen man ebenfalls lernen kann. Das ist inspirierend." Für Sean hat sich sein Engagement beim "Standpunkt" auch längst ausgezahlt. "Die Unternehmen kennen uns. Wenn ich irgendwo nach einem Praktikum frage, ist das nie ein Problem. Eine tolle Bestätigung." Die drei haben noch ein Schuljahr vor sich, schon jetzt ist klar, auch sie werden weiter ihren Standpunkt vertreten.

(se)