Mönchengladbach: Schüler trafen in Auschwitz eine Holocaust-Überlebende

Mönchengladbach: Schüler trafen in Auschwitz eine Holocaust-Überlebende

Massen von Haaren, Schuhen, Koffern, Beinprothesen, Geschirr, Goldkronen - als Josef und Maike gefragt wurden, was sie am meisten beeindruckt hat, sprachen sie von solchen Alltagsexponaten, die im nachgebauten Stammlager in Auschwitz ausgestellt wurden. Acht Schüler des Leistungskurses Geschichte der Jahrgangsstufe 13 der Gesamtschule Espenstraße besuchten in Auschwitz das Stammlager und Vernichtungslager, in Krakau das Schindler-Museum und das jüdische Viertel Kazimierz, um sich mit dem Schicksal von Millionen von Juden und der jüdischen Kultur auseinanderzusetzen.

Auf ein Einzelschicksal trafen die jungen Besucher in der deutsch-polnischen Begegnungsstätte, als sich ihnen eine Zeitzeugin vorstellte und ihnen über ihre Zeit als Mädchen im KZ und darüber hinaus berichtete. Geboren wurde sie in Weißrussland und als kleines Mädchen mit ihrer Mutter 1944 nach Auschwitz deportiert. Im Lager überlebte sie, ihre Mutter kam im Arbeitslager ums Leben. Nach der Befreiung wurde das Mädchen in eine polnische Familie aufgenommen und erhielt die polnische Staatsbürgerschaft. In ihrer neuen Heimat spielte sie zur Beunruhigung ihrer Familie "Selektion" und "Appell" - zwei Machtinstrumente, die zur alltäglichen brutalen Kontrollroutine im Lager gehörten. Und die vielen Monate im KZ zeigten noch weitere spürbare und sichtbare Folgen: Misstrauen und Angst bei Berührungen und Umarmungen sowie beim Einlassen von Bädern, was auf die Behandlung beim Lagerarzt Josef Mengele zurückgeführt werden könne.

Zudem wurde ihr nach der Selektion ein lebenslanges Mal in den Unterarm tätowiert: die Lagernummer. An ihre Mutter könne sie sich kaum erinnern. Nur die Hände seien ihr in Erinnerung geblieben, durch diese empfing sie im Lager zusätzlich Essen, das ihre Mutter ihr damals zusteckte. Ansonsten bekam sie ihre Mutter nicht zu Gesicht.

(gap)