Mönchengladbach: Schüler bekommen Oscar der Amateurfilmer

Mönchengladbach : Schüler bekommen Oscar der Amateurfilmer

Für ihren Kurzfilm "Entgleist" wurden drei Mönchengladbacher jetzt mit dem "Camgaroo-Award" ausgezeichnet.

Es scheint ein ganz normaler Tag zu sein, doch irgendetwas ist anders als sonst. Ein junger Mann schließt die Tür zu seinem Elternhaus auf. Die Augen mit Tränen benetzt, der Blickt zerstreut. Wankend geht er die lange Treppe hinunter in den Waschkeller und greift entschlossen nach einem kleinen dunklen Fläschchen – gefüllt mit Gift. Wird er es wirklich tun? Plötzlich schellt es. Verwirrt bricht der junge Mann seinen Suizidversuch ab, rennt hinauf und erblickt ein bekanntes Gesicht an der Haustür. Es ist sein großer Bruder. "Hast mich wohl vergessen, was? Wir haben uns doch zum Klettern verabredet", sagt er. Wie es weitergeht? Dazu später mehr.

Diese Szene ist der Anfang des Kurz-Filmes "Entgleist". Ein sechsminütiger Streifen, den drei Schüler aus Mönchengladbach geplant, gedreht, vertont und geschnitten haben. Die Hauptrolle des selbstmordgefährdeten Sam Wellington übernahm Regisseur Felix S. (16) höchstpersönlich. Seinen großen Bruder spielte Sinan Kurt (17), hinter der Kamera stand Florian Quacken (17). Die drei sind gute Freunde und besuchen gemeinsam die elfte Klasse der Bischöflichen Marienschule. Innerhalb von drei Tagen drehten sie den Film ab – unter anderem bei Felix S. zu Hause und in der Kletterkirche. "Ich wollte einfach mal einen neuen Film machen", erklärt Felix S., der die Film-AG an seiner Schule leitet und ein Praktikum bei einer Düsseldorfer Werbefilmproduktion absolvierte.

Von diesen Erfahrungen haben er und seine Freunde profitiert. Alle steckten viel Herzblut in den Kurzfilm, der rund drei Monate Arbeitszeit in Anspruch nahm. Arbeitszeit, die sich gelohnt hat. Denn nachdem Felix S. seinen Film bei der Jury des renommierten "Camgaroo-Award" – auch bekannt als der "Oscar der Nachwuchsfilmer" – einreichte, wurde er zur Preisverleihung nach München ins Filmtheater am Sendlinger Tor eingeladen. Und gewann. Bewertet wurden dabei Drehbuch, Schauspiel, Regie, Kamera, Schnitt, Ton und Musik. In der Jury war unter anderem der Schauspieler Heinz Hönig vertreten – der Lieblingsschauspieler von Felix S. Großmutter. "Wir waren natürlich alle sehr überrascht über den Sieg. In meiner Rede habe ich mich vor allem bei Sinan und Florian bedankt", sagt der Jung-Regisseur, der nur notgedrungen die Hauptrolle übernahm und in Zukunft Imagefilme für örtliche Unternehmen produzieren möchte. Dem Schauspiel möchte er sich nicht weiter widmen.

Aber wie geht die Geschichte zu Ende? In der Kletterkirche angekommen, schwingt Sam Wellington befreit durch die Luft, hangelt sich von Griff zu Griff. Seinem Blick ist zu entnehmen, dass er durch die Sportart neue Lebensenergie tankt. Die Suizidgedanken sind verflogen. "Aber der Grund, warum Sam Wellington sich umbringen wollte, bleibt ein Geheimnis", sagt Felix S. lächelnd.

(RP)
Mehr von RP ONLINE