Mönchengladbach: Schrotthändler bestreitet die Anklagevorwürfe

Mönchengladbach: Schrotthändler bestreitet die Anklagevorwürfe

Was geschah wirklich auf dem Schrottplatz des Niederländers? Und wer hat die Lastwagen zerlegt und Teile verkauft?

Noch immer spielen im Prozess vor der Ersten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts widersprüchliche Zeugenaussagen eine Rolle. Auf der Anklagebank sitzt ein holländischer Schrotthändler (31), der sich wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in insgesamt 18 Fällen verantworten muss. Doch der Niederländer weist die Anklagevorwürfe zurück.

Dabei geht es in diesem Fall um gestohlene Lastkraftwagen, die einen Wert bis zu 80 000 Euro hatten. Die Mitglieder einer Schaustellerfamilie sollen die Lkw in der Zeit von Januar 2009 bis September 2009 unter anderem in Erkelenz, Schwalmtal, Tönisvorst und Jüchen gestohlen haben. Die Familienmitglieder sind bereits zu Haftstrafen verurteilt worden und haben sich in ihren Verfahren offenbar geständig gezeigt. Sie sollen damals vor Gericht sinngemäß zugegeben haben: "Wir haben die Lastkraftwagen auf den Schrottplatz des Niederländers gebracht."

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Der Angeklagte habe ihnen ein Teilstück seines Geländes zur Verfügung gestellt. Danach sei man wieder nach Hause gefahren. Der Schrotthändler habe dann, wie vereinbart, die Lkw in ihre Einzelteile zerlegt. "Alles wurde komplett abgeschraubt. Wir haben vor allem Getriebe und Motoren abtransportiert", so sollen Täter der Schaustellerfamilie vor Gericht erklärt haben. Der Holländer soll die meisten Einzelteile, vor allem Motoren und Achsen, an die Familie zurückgegeben haben. Einzelne Teile habe der 31-Jährige mit Gewinn an niederländische Schrotthändler verkauft. Laut Anklage soll der Mann für jeden zerlegten Lastkraftwagen mit 1000 oder 1500 Euro entlohnt worden sein. Und der Angeklagte soll genau gewusst haben, dass es sich um gestohlene Fahrzeuge handelte und dass er sich dabei der Hehlerei schuldig gemacht hat. In der Bundesrepublik ist der Angeklagte bisher nicht als Straftäter aufgefallen.

Aber in dem jetzigen Prozess vor dem Landgericht erinnern sich die Mitglieder der Schaustellerfamilie ganz anders an den Lkw-Fall. Plötzlich sind sich bereits verurteilte Täter aus dem Kreis sicher, dass der Niederländer auf der Anklagebank mit dem Zerlegen der wertvollen Lkw nichts zu tun hatte. Tatsächlich sollen die Lastkraftwagen-Diebe mit dem Holländer damals telefoniert haben: "Wir haben Arbeit für dich." Aber jetzt beteuerten die Zeugen, das Zerlegen sei ihre Aufgabe gewesen. Das Gericht war überzeugt, dass der Angeklagte auf Zeugen eingewirkt hat. Der Prozess wird mit Zeugen fortgesetzt.

(RP)
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