Mönchengladbach: Schock: Abriss nach Hauskauf

Mönchengladbach : Schock: Abriss nach Hauskauf

Gerade erst gekauft soll das Haus eines Ehepaars in Wickrathberg abgerissen werden. Das Gebäude sei 1965 schwarz gebaut worden, heißt es. Die Abrisskosten von 50 000 Euro sollen die neuen Eigentümer tragen.

Vor anderthalb Jahren nahm ein junges Ehepaar einen Kredit auf, kaufte ein Haus an der Berger Dorfstraße und baute es nach eigenen Vorstellungen um. Doch nur wenige Wochen nach dem Einzug war es mit der Freude über die eigenen vier Wände vorbei. Wie aus ihrem Traumhaus ein Albtraumhaus wurde, darüber berichtete das Paar am Mittwoch in der Sendung Stern-TV bei Günther Jauch.

Denn wenige Wochen nach dem Hauskauf, fanden die Neu-Wickrathberger ein Schreiben der Stadt mit einer Verfügung im Briefkasten. Das Haus, Baujahr 1965, sei seinerzeit ohne Genehmigung, also illegal, errichtet worden. Deshalb müsse es nun abgerissen werden. Das ist teuer: Geschätzte 50 000 Euro würden fällig. Ein Schock für die neuen Hauseigentümer. Denn jetzt müssen sie nicht nur den Kredit abbezahlen, es wird von ihnen auch verlangt, die kompletten Abrisskosten zu tragen.

Jeder Kaufvertrag geht zur Stadt

Bei der Stadt war gestern niemand zu einer Stellungnahme bereit. Die Begründung: Es handele sich hier um ein schwebendes Verfahren.

Auf die Frage, wie es geschehen könne, dass erst 45 Jahre nach Fertigstellung eines Hauses bekannt wird, dass es sich um einen Schwarzbau handelt, erklärte Stadtsprecher Walter Schröders: "Bei Grunderwerb geht jeder Kaufvertrag automatisch an die Stadt." Denn stets werde geprüft, ob die Stadt von ihrem theoretisch möglichen Vorverkaufsrecht Gebrauch machen sollte.

Das heißt: Jahrzehntelang fiel niemandem auf, dass das Häuschen, das an der Berger Dorfstraße in zweiter Reihe errichtet wurde und nur über einen Feldweg erreichbar ist, dort eigentlich nicht stehen dürfte. Erst, als das Ehepaar es kaufte und der Vertrag bei der Stadtverwaltung geprüft wurde, entdeckte ein städtischer Mitarbeiter, dass offenbar nie ein Bauantrag gestellt wurde. Solche Fälle kommen laut Schröders heute äußerst selten vor. In der Vergangenheit gab es so etwas dagegen häufiger. Schröders: "In den Nachkriegsjahren wurden oft Gartenlauben immer weiter ausgebaut, bis sie schließlich richtige Häuser waren. Viele davon sind damals im Nachhinein genehmigt worden. Sie erfuhren Bestandsschutz."

Und was ist mit dem Wickrathberger Fall? Könnte das Ehepaar nicht auch eine nachträgliche Genehmigung beantragen? Zum Einzelfall wollte Schröders nichts sagen, nur so viel: "Einen Antrag kann jeder stellen."

Im Grundbuch ist als Wirtschaftsart für das Grundstück an Berger Dorfstraße Gartenland sowie Gebäude- und Hoffläche angegeben. Doch das, so erklärt Joachim Banke, Sprecher des Landgerichts, habe keine Rechtsverbindlichkeit. Dies sei nur eine Beschreibung. Und Schröders erläutert: "Selbst wenn der Bebauungsplan für ein Gebiet Wohnungsbebauung zulässt, darf nicht ohne Genehmigung gebaut werden.

(RP)