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Schnelles Internet in Mönchengladbach: Irrsinn über Glasfaser-Anschluss für ein Dorf

Schnelles Internet für Mönchengladbach : Die Glasfaser-Grenze durch Genhodder

Ganz Genhodder bekommt schnelles Internet dank Glasfaserkabel? Nicht ganz. Gut 20 Haushalte dürfen nicht an die soeben im Dorf verlegte Leitung angeschlossen werden. Selbst wenn sie es bezahlen würden.

Von hyperschneller Warp-Geschwindigkeit wie im Raumschiff Enterprise spricht die Stadttochter WFMG zwar nicht. Dennoch dürfte eine etwas tiefer stapelnde, jüngst von ihr veröffentlichte Mitteilung einigen Bürgern in Genhodder höchst futuristisch vorkommen: Im Gewerbegebiet Mitte zwischen Gladbach und Rheydt könnten Unternehmen dank Anschluss ans Glasfaserkabel-Netz jetzt mit „Lichtgeschwindigkeit“ im Internet surfen, sagt die WFMG. Bei etlichen Bürgern in Genhodder läuft ein Download aus dem Netz hingegen noch mit Dampflok-Tempo. Obwohl gerade ein Glasfaserkabel für den „lichtschnellen“ Internetverkehr durch den Ort gelegt wurde, dürfen einige nicht daran angeschlossen werden – selbst wenn sie den Preis für den Hausanschluss zwischen Dorfkabel und eigenem Haushalt selbst bezahlen. Das frisch verlegte Kabel endet kurz vor dem Ortsausgang und wurde nicht bis zu ihren Häusern ausgerollt.

Noch kurioser: Vor einigen Häusern liegt das Kabel in der Erde, sie dürfen aber dennoch nicht angeschlossen werden – mit Ausnahme von einem. „Mitten im Dorf werden sechs Haushalte beim Anschluss ‚übersprungen’, dann wird wieder ein Haus angeschlossen und danach stoppt dann die Verlegung der Kabel gänzlich, nur 130 Meter vor dem Ortsausgang, und weitere 14 Haushalte werden nicht angeschlossen“, schildert Markus Kohlen von der Dorfgemeinschaft Genhodder das Problem. Das sorgt  für eine Grenze mitten im Dorf – zwischen denjenigen, die Glasfaser und schnelleres Internet bekommen und denen, die nicht mitmachen dürfen.

 Markus Kohlen an der Glasfaser-Grenze von Genhodder: Ab hier gibt’s bald sehr schnelles Internet.
Markus Kohlen an der Glasfaser-Grenze von Genhodder: Ab hier gibt’s bald sehr schnelles Internet. Foto: Holger Hintzen

Angeschlossen werden nämlich nur Haushalte, in denen die Download-Geschwindigkeit nach Angaben ihrer Internet-Anbieter geringer als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit / sek) ist. Markus Kohlen liegt mit 37 Mbit / sek über dieser Marke und gehört zu denen, die keinen Glasfaseranschluss bekommen. Der Grund: Der Ausbau des Netzes geschieht zwar auf privatwirtschaftlicher Basis, er wird aber aus einem Förderprogramm aus Mitteln des Bundes bezuschusst.

Und das Programm zieht nun einmal bei 30 Mbit / sek eine Grenze, bestätigt Benjamin Schmidt, als Breitbandkoordinator bei der WFMG dafür zuständig, den Ausbau der Glasfasernetzes in der Stadt voranzutreiben. Folge für das Unternehmen Deutsche Glasfaser: Es darf nicht Fördermittel nutzen und dann einfach noch ein paar Anschlüsse mehr „dranhängen“, die für das Förderprogramm nicht qualifiziert sind. Und das trotz eines Angebotes, das „abgehängte“ Haushalte in Genhodder gemacht haben. „Sie haben angefragt, auf eigene Kosten angeschlossen zu werden. Die Antworten waren sowohl von der Stadt als auch von der ,Deutsche Glasfaser’, dass es ,förderrechtlich nicht möglich’ sei“, sagt Kohlen. Warum zwischen mehreren Häusern ohne Glasfaseranschluss nun ein einziges liegen soll, das doch einen bekommt, ist laut Benjamin Schmidt wohl damit zu erklären, dass der Internet-Anbieter dieses Haushalts offenbar eine Geschwindigkeit von weniger als 30 Mbit / sek gemeldet hat.

Bei den betroffenen Bürgern in Genhodder sorge die Lage für „Kopfschütteln, Verärgerung und Enttäuschung“, berichtet Kohlen. Glücklich ist auch Benjamin Schmidt darüber nicht: „Wir wollen ja, dass so viele Mönchengladbacher wie möglich schnelles Internet haben.“ Er steht in Kontakt mit der Deutschen Glasfaser und will darauf drängen, dass es eine weitere Anschlussrunde in Genhodder geben wird – allerdings kann die erst laufen, wenn die jetzige, geförderte Runde beendet ist. Schmidt gibt sich zuversichtlich, doch Kohlen ist skeptisch. Warum sollte sich eine zweite Runde für ein Unternehmen lohnen, wenn es nur noch um 20 Haushalte geht, fragt er. Und: „Warum kann die Stadt der Deutschen Glasfaser keine verbindliche Zusage abringen, dass im Anschluss an das aktuelle Projekt, die restlichen Haushalte angeschlossen werden, zum regulären Selbstkostenpreis?“

Genhodder ist nur eine Wabe im Glasfasernetz in der Stadt. In zwei Dutzend ländlichen Ortschaften hat die Deutsche Glasfaser schon die schnellen Leitungen verlegt, während in den urbanen Regionen der Stadt die alten VDSL-Leitungen der Telekom und das TV-Kabelnetz Daten ins Haus bringen – und zwar erheblich langsamer. Begleitet wird der von privaten Unternehmen bewerkstelligte Ausbau von der WFMG, und deren Vision reicht ins Jahr 2030. Bis dahin soll Mönchengladbach allerorten über „gigabitfähige Telekommunikationsnetze“ verfügen. Am besten sogar mit 100 Prozent Anschluss an das Glasfasernetz, das riesige Bandbreiten bietet.