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Mönchengladbach: Schmerzensmann gerettet

Mönchengladbach : Schmerzensmann gerettet

Mit Unterstützung des Bezirksverbandes der Mönchengladbacher Schützenbruderschaften konnte ein Bildstock aus dem Besitz der Münsterkirche restauriert werden. Museums-Restauratorin Ute Adolphs leitete die Arbeiten.

Vor zwei Jahren fand Münsterpropst Dr. Albert Damblon in einem Abstellraum oberhalb der Sakristei des Gladbacher Münsters einen alten Bildstock. "Das Reliefbild war in einem ramponierten Zustand, das Bildnis, das Christus als Lebenden, aber versehen mit allen Zeichen des Gekreuzigten, zeigt, war von Holzwürmern zerfressen", berichtet Damblon.

Das Bild ist ein in einen medaillonförmigen Rahmen gefasstes Relief aus Linden- oder Pappelholz. Bereits 1986 hatte der Gründer des Gladbacher Münster-Bauvereins, der Historiker Hans Bange, in seiner Schrift "Verlorener Kunstbesitz" auch dieses "Erbärmdebild" aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aufgeführt.

Aus Waldhausener Kapelle

Ursprünglich hing das Bild, das den gepeinigten Christus als Schmerzensmann mit Dornenkrone, Nägelmalen auf den gefesselten Händen und der Wunde am rechten Rippenbogen der Figur zeigt, in einer Kapelle in Waldhausen. "Nach dem Ersten Weltkrieg fuhr ein Lastwagen der belgischen Besatzungsmacht gegen die Kapelle und zerstörte sie", hat der Propst herausgefunden. Das Bild rettete damals ein beherzter Nachbar.

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Nun wird es ein zweites Mal gerettet — vor dem totalen Verfall. "Als ich es bekam, musste ich einen Totalschaden feststellen", berichtete gestern Christine Adolphs. Die Diplom-Restauratorin des Museums Abteiberg nahm sich des Kunstwerks an. "Zunächst musste der Befall mit Anobien genannten Nagekäfern gestoppt werden", erzählt sie. Das Erbärmdebild kam in die Stickstoffkammer, um sicher zu gehen, dass kein Holzwurmgelege überlebte. Dann machte sich Adolphs daran, Rahmen und Innenleben mit Kunstharz zu stabilisieren.

Die stark zerstörten Teile von Gesicht und Korpus der Figur ließ die Restauratorin bei einem Bildschnitzer rekonstruieren. "Es gab einen weit geöffneten Schwundriss durch den Korpus, die Gesichtszüge waren kaum mehr auszumachen, Holzfraß hatte den linken Unterarm und die rechte Hand der Christusfigur sowie die Dornenkrone zerstört." Auch die Farbfassungen hat Adolphs vorsichtig so restauriert, dass erkennbar wird, dass es mehrere Schichten gibt. "Oberflächenglanz herzustellen war nicht mein Ziel", betont sie.

Das Restaurierungsprojekt ermöglichte der Bezirksverband der Schützenbruderschaften, indem er für das Erbärmdebild die Patenschaft übernahm. Seinen Standort soll das Bildnis in einer Nische nahe dem Nordportal des Münsters finden. Darauf freuen sich bereits Schützenpfarrer Johannes van der Vorst und Heinz-Josef Esser vom Bruderrat.

(RP/rl/ila)