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Mönchengladbach: Schlosshotel "Windsor" am Ballermann

Mönchengladbach : Schlosshotel "Windsor" am Ballermann

Harald B. Thor hat sich die Bühnen-Deko zu der komischen Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" ausgedacht. Die Premierenzuschauer werden am Freitag ein Hotel auf Mallorca auf der Bühne sehen. Der Spaß macht auch viel Arbeit.

Bei unserem Backstage-Besuch im Theater türmen sich noch Farbeimer auf einem Rollcontainer, Akkuschrauber rasseln, eine Technikerin pumpt und schiebt an einer "Giraffe" herum, mit der sie in rund drei Metern Höhe irgendwelche Kabel verlegt. Bis wir den Teil der Bühne erreicht haben, wo demnächst Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" gesungen und gespielt werden wird, die Vorderbühne nämlich, zwängen wir uns an einem Loch vorbei, das mit blauer Lackfolie ausgekleidet ist — der Pool. Zwischen zwei Sperrholzwänden gelangen wir in ein komplett eingerichtetes, verborgenes Hotel-Schlafzimmer, um durch einen Spalt eine Stufe hoch in einen roh zusammengehauenen Verschlag zu treten, mit bestem Blick in den Zuschauerraum. Aha, die Rezeption. Wir stehen in der Hotel-Lobby. Nussbaumbraun die Wände, die Palme aus Plastik und die Aussicht: Wandmalerei. Willkommen im Hotel Windsor.

"Das macht einen als Bühnenbildner schon an, wenn ein Regisseur mit der Idee kommt, Windsor nach Mallorca zu verlegen", erinnert sich Harald B. Thor an das erste Konzeptionsgespräch mit Andreas Baesler. Thor hat mit dem Regisseur häufig zusammengearbeitet und war sich schon bald sicher, dass dieses Konzept funktioniert. "Wir wollen den Leuten das etwas angestaubte Stück möglichst nahe bringen", sagt er.

Und dann erzählt er gut gelaunt, dass zu so einer Arbeit natürlich eine "präzise Recherche" gehöre, was das Team gar zu einem (privaten) Trip auf die Ferieninsel bewog. "Herausgekommen ist eine Szenerie, die wir in den 80ern verorten. Ein leicht angestoßenes Hotel, sagen wir mal spanische drei Sterne, auf dem Höhepunkt des Mallorca-Booms. Unser aller Jugend."

Harald Thor erzählt gern von der guten Laune, die sich spätestens mit Probenbeginn auf Technik-Crew und das ganze Ensemble ausgebreitet hat. "Mallorca-Stimmung mitten in diesem ins Wasser gefallenen Frühling, das macht einfach nur Spaß." Der aus Salzburg stammende Bühnenbildner hatte naturgemäß mit Baeslers Idee auch seine liebe Not. Denn so eine Hotel-Halle ist natürlich kein Schloss, geschweige denn ein Zimmer, ein Wald oder ein Garten. Hier muss also eine Menge umgedeutet werden. Oder bei offener Bühne umgeräumt. "Für die Schlafzimmerszene wird es so richtig surreal", sagt Thor und beschreibt, wie der Raum mit Muskelkraft in die Halle gerollt und in ein fremdes Licht getaucht wird. "Wir nutzen in allen Bereichen Nicolais Hang zur Übertreibung", erläutert Thor das Konzept. Und fügt an: "Wir wollen nicht das Stück zertrümmern, sondern den Zuschauern das ,Vertraute' schmackhaft machen."

(ark)