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Mönchengladbach: Schloss Rheydt ist etwas Besonderes

Mönchengladbach : Schloss Rheydt ist etwas Besonderes

Interview mit dem neuen Leiter des Museums Schloss Rheydt, Dr. Karlheinz Wiegmann, über sein erstes Jahr als Museumsdirektor, die Stärken des Museums und seine Pläne. Wiegmann will die einzige Renaissance-Schlossanlage im Rheinischen künftig stärker zur Geltung bringen.

Herr Dr. Wiegmann, Sie sind nun ein Jahr im Amt. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Wiegmann Durchaus. So ganz genau weiß man es vorher ja nie. Man hat ja zunächst immer nur die Außenperspektive. Aber meine wesentlichen Erwartungen haben sich erfüllt. Mir war vorher schon klar, dass Schloss Rheydt ein großes Potenzial hat. Es ist ja nicht nur Museum, sondern auch Naherholungsgebiet und Ausflugsort. Es ist wunderbar integriert in die Stadt und sehr beliebt bei den Bürgern. Ein wenig hat es sich auch zur "guten Stube der Stadt" gemausert, da dort viele hochkarätige Veranstaltungen stattfinden.

Was hat Ihnen am meisten Freude gemacht beim Einleben in den neuen Job?

Wiegmann Das sind, denke ich, zwei Dinge. Erstens die Qualität von Schloss Rheydt. Jeden Morgen, wenn ich dort raus fahre, genieße ich es. Oft werde ich von Leuten gerade hierauf gezielt angesprochen: Sie haben ja einen wunderschönen Arbeitsplatz! Zweitens habe ich überall offene Türen gefunden, insbesondere bei unseren Kooperationspartnern. Sehr enge Kontakte pflegen wir zum Beispiel zur Hochschule, zu den Schulen, auch den Kirchen, zur Sozial-Holding und zum Theater, um nur einige zu nennen. Es gibt viele Querverbindungen.

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Und was war weniger erfreulich?

Wiegmann (überlegt) Hmm, den Eindruck "Oh je, Oh je" habe ich bisher noch nicht gehabt. Den einzigen Nachholbedarf sehe ich in der Stadtgeschichtlichen Abteilung. Hier haben wir für die historische Sammlung und die Depotsituation noch keine Lösung gefunden, die mich auf Dauer 100 Prozent befriedigen würde.

Sie leben in Münster. Wie gut kennen Sie inzwischen Mönchengladbach?

Wiegmann Allmählich kenne ich die Stadt ziemlich gut, würde ich sagen.

Waren Sie denn schon einmal im Borussia-Stadion?

Wiegmann Nein, da habe ich es leider noch nicht hin geschafft. Ich bin ein sehr großer Fußballfan. Aber, um ehrlich zu sein, spiele ich lieber selber als zuzuschauen. Allerdings bin ich bei der Hockey-Europameisterschaft im Hockeypark gewesen.

Welchen Eindruck haben Sie vom Kulturbetrieb in Mönchengladbach. Entspricht das Niveau den Erwartungen, die man an eine Stadt von deutlich mehr als 250 000 Einwohnern stellen darf?

Wiegmann Im Großen und Ganzen ja. Das Theater ist ja erfreulicherweise jetzt auch saniert. Nur im Bereich der Kunst sehe ich einen gewissen Nachholbedarf. Sicherlich, das Museum Abteiberg ist erstklassig. Aber es fehlt derzeit ein Ort für Einzelausstellungen lebender Künstler der Region. Schloss Rheydt kann dies aufgrund seiner ohnehin schon breiten Aufgabenfülle als Museum für Stadtgeschichte und Kunst und Kultur der Renaissance und des Barock, gleichzeitig auch noch als historische Sammlung zur Textiltechnik, nicht abdecken.

Haben Sie bereits strukturelle oder organisatorische Dinge bei den Arbeitsabläufen im Schloss Rheydt verändert?

Wiegmann Die Aufgabensetzung hat sich teilweise verändert. Zum Beispiel sind neue Schwerpunkte im Bereich der Pädagogik — Museums-Uni, Demenz-Führungen und so weiter — und im Marketing hinzugekommen. Erst vor kurzem haben wir unseren Internetauftritt rundum erneuert. Generell arbeite ich sehr gerne projektorientiert. Das heißt, einzelne Personen bekommen Projekte übertragen, die sie dann betreuen.

Sie haben die Stadtgeschichtliche Abteilung räumlich ein wenig verändert. Bleibt das Erdgeschoss der Vorburg auf Dauer frei von den Objekten der Dauerausstellung Flashback?

Wiegmann Inhaltlich hat sich nicht viel geändert, nur ein paar von den großen Maschinen sind nicht mehr zu sehen. Wir haben die Ausstellung verlagert, um den Raum im Erdgeschoss wieder für Sonderausstellungen nutzen zu können. Er ist geradezu prädestiniert dafür. Zudem kommt die Veränderung unseren Besuchern zugute: Wir können sie jetzt mit einem richtigen Rundgang durch das Gebäude führen.

Wie ist der Zuspruch zur laufenden Ausstellung Werner Gilles?

Wiegmann Wir sind sehr zufrieden damit. Es ist eher ein Fachpublikum, auch aus Düsseldorf oder der Umgebung, das sich die Ausstellung anschaut.

Welches Ausstellungsprojekt Ihrer bisher kurzen Amtszeit ist am besten gelaufen?

Wiegmann Die Lotte Reiniger-Ausstellung sowie die Ausstellung über die Burgen und Schlösser an der Niers sind sehr gut gelaufen.

Was dürfen die Kunstfreunde im nächsten Jahr erwarten?

Wiegmann Insbesondere zwei Projekte sind geplant. Wir werden in Kooperation mit den Museen am Niederrhein eine Ausstellung zum Thema Familie und Wohnen anbieten. Zum Beispiel stellt sich die Frage: Wie hat man früher in Mönchengladbach gewohnt? Zweitens werden wir das Thema Kunst und Kultur der Renaissance und des Barocks stärker ins Blickfeld rücken. Es gibt zwar allein entlang der Niers 73 Herrenhäuser. Doch das Schloss Rheydt ist die einzige erhaltene Renaissance-Schlossanlage im Rheinischen. Die Leute scheinen das oft zu vergessen. Diesen Aspekt wollen wir stärker hervorheben, weil es etwas ganz besonderes ist, was Mönchengladbach an dieser Stelle zu bieten hat.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Museumsverein, der Otto-von-Bylandt-Stiftung?

Wiegmann Die funktioniert wirklich sehr gut. Die Stiftung hat letztes Jahr die Anschaffung eines Renaissancekunstwerks, eines Reliefbildes aus der berühmten della Robbia-Werkstatt aus Florenz, großzügig finanziert. Zudem hat sie das Rheydter Jahrbuch herausgebracht.

Mitunter finden Veranstaltungen wie gegenwärtig das Herbstfest auf dem Schlossgelände statt, die sogar mehrere Tage umfassen. Bringt das dem Museum etwas? Mehr Geld?

Wiegmann Sicher bringt das was ein. Wir sehen die Veranstaltungen inzwischen natürlich auch unter einem ökonomischen Gesichtspunkt. Wert legen wir allerdings immer noch auf die inhaltliche Komponente. Die Veranstaltungen müssen zum Schloss passen. Das ist entscheidend.

Dennoch braucht das Museum Geld. Sie haben die Möglichkeit, Räume an Fremdveranstalter zu vermieten. Geschieht das in verstärktem Umfang?

Wiegmann Ja. Im Bereich der Großveranstaltungen, die im Außenbereich stattfinden, haben wir kaum noch Luft. Unsere Kapazitäten sind hier ausgeschöpft. Die Nutzung des Innenbereiches allerdings kann noch ausgebaut werden. Aber auch hier finden traditionell schon viele Veranstaltungen wie Konzerte, Tagungen oder Vortragsabende statt. Auch Trauungen werden im Rittersaal regelmäßig durchgeführt.

Wie viele Besucher hatten Sie eigentlich im Jahr 2010?

Wiegmann Knapp 70 000. Nicht eingerechnet die reinen Gastronomiegäste und jene Gäste, die allein die Schlossanlage besuchen.

Gibt es Pläne, anlässlich eines Jubiläums in der Zukunft eine besonders aufwändige Ausstellung zu gestalten?

Wiegmann Nein, bisher haben wir so etwas noch nicht geplant, denn es gibt in näherer Zukunft kein zwingendes Datum. Dafür werden wir andere, kleinere Jubiläen feiern. Beispielsweise 2017 den 500. Jahrestag der Reformation.

Dirk Richerdt, Fabian Eickstädt und Caroline Schiemann führten das Gespräch.

(RP)