Serie Was Macht Eigentlich?: Schlaflose Nächte wegen der Umsiedlung

Serie Was Macht Eigentlich?: Schlaflose Nächte wegen der Umsiedlung

Vor einem halben Jahr haben Hans-Josef Pisters und seine Frau Anita den Ortsteil verlassen müssen, wo sie 1964 als junges Ehepaar gebaut und 53 Jahre gelebt haben. "Wir sind Vertriebene zur Friedenszeit", sagen sie. Opfer des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II, dessen Bagger das Land Stück für Stück wegfressen. Er hat, mit vielen anderen, drei Jahrzehnte um den Erhalt der Heimat gekämpft. Mit unzähligen Aktionen, besonders spektakulär die "Fackelkette", die im Juli 1987 5000 Menschen bildeten. Der Fernsehsender "ARTE" hat kürzlich noch zur besten Sendezeit unter dem Titel "Der Kampf um die Kohle. Wie Heimat zerstört wird" daran erinnert, mit Pisters als Zeitzeugen. Selbst das dänische Fernsehen war zu Gast in Keyenberg, neben dem WDR und überregionalen Blättern.

"Wir wären natürlich am liebsten im alten Keyenberg geblieben. Die Umsiedlung hat uns viele schlaflose Nächte gebracht. Aufgrund unseres Alters haben wir uns dann aber zu einem frühzeitigen Umzug entschieden", sagen die Pisters. Und der ehemalige Verwaltungsmann sieht heute auch dieses Kapitel ohne Verbitterung: "Heimat ist da, wo man Freunde hat." Die Familien der beiden Söhne Markus (49 Jahre) und Andreas (45) wohnen weiter in Sichtweite, viele Nachbarn ziehen mit um, bevor Keyenberg ganz weggebaggert ist.

Langeweile kennt Hans-Josef Pisters eh nicht. Es ist noch genug zu tun, dafür sorgen längst nicht nur die Enkelkinder Eliah (sechs Jahre), Jonah (8) und Nancy (10). Die Vergangenheit, in endlos vielen Kartons untergebracht, muss noch einmal geordnet werden, und er ist weiter ehrenamtlich im Bezirksausschuss sowie im Braunkohleausschuss aktiv. Immer wieder melden sich noch Menschen aus Wickrath, die um Rat und Hilfe bitten. Und er schreibt weiter. Sein erstes Buch (mit Rainer Merkens als Co-Autor) ist 2014 erschienen, herausgegeben vom Heimatverein der Erkelenzer Lande. Titel: "Pfarrkirche und Gemeinde Heilig Kreuz in Keyenberg" - die irgendwann wohl auch dem Tagebau zum Opfer fallen wird.

(oes)