Mönchengladbach: Marathonläufern fehlt am Ende oft der Durchblick

Mönchengladbach: Marathonläufern fehlt am Ende oft der Durchblick

Beim Santander-Marathon am 3. Juni gibt es einen wissenschaftlichen Versuch mit Langstrecklern, die Kontaktlinsen tragen. Sie laufen oft in einem Nebelschleier. Probanden werden noch gesucht.

Die letzten Kilometer eines Marathons: Die Beine sind schwer wie Blei. Der Magen grummelt. Unter den Achselhöhlen melden sich wundgescheuerte Stellen. Und dann fehlt auch noch komplett der Durchblick. Wie durch einen Nebelschleier blickt der Läufer auf die Zuschauer rechts und links der Strecke und auf die Straße. Der Läufer ist Kontaktlinsenträger. Seine Probleme sind kein Einzelfall, und die Probleme sind auch nicht darauf zurückzuführen, dass den Augen Feuchtigkeit fehlt. Ursache für den Lauf durch die merkwürdige Nebelwand ist vermutlich ein Zuckermangel im Auge.

Beim Santander-Marathon am 3. Juni will der namhafte Sport- und Augenarzt Dieter Schnell dieses Thema gezielt angehen: Der frühere Arzt der deutschen Olympia-Mannschaft sucht Kontaktlinsenträger, die sich für einen wissenschaftlichen Versuch zur Verfügung stellen. Mehrere Ärzte - unter anderem Michael Fritz aus den Fit-für-10-Teams - und die Organisatoren der Mönchengladbacher Laufveranstaltungen unterstützen ihn dabei. Gesucht werden möglichst viele Kontaktlinsenträger und eine gleich große Zahl von Sportlern ohne Linsen, die beim Santander-Marathon die 42,195 Kilometer lange Strecke oder einen Halbmarathon laufen.

Für Kontaktlinsenträger, die nach einem langen Lauf keinen Durchblick mehr haben, ist das unangenehm. Es kann Stunden dauern, bis der Nebel sich wieder lichtet. Und gesundheitlich können die Vorgänge, die sich im Auge abspielen, auch nicht unproblematisch sein: Der vermutete Zuckermangel im Auge führt zu Stoffwechselstörungen der Hornhaut des Auges. Die nicht erneuerbare Innenschicht der Hornhaut (Endothel) erleidet dabei unter Umständen Zellverluste. Tritt das häufiger auf, kann sich die Hornhaut durch den Zellmangel eintrüben. Dieses Hornhautödem führt der renommierte Augenarzt Schnell auf einen Energie-Mangel durch eine Zucker-Verknappung in der Hornhaut zurück.

Denn das Phänomen ist sehr rätselhaft: Warum entleert sich der Glukosespeicher des Auges während des Marathonlaufs stärker als in der übrigen Zeit - obwohl das Auge bei einem Lauf keine stärkere Leistung vollbringen muss als in Ruhe? Es könnte daran liegen - so die These von Dieter Schnell -, dass der Stoffwechsel durch die erhöhte Temperatur des Körpers beim Marathonlauf beschleunigt wird. "Nach unseren Kenntnissen wurde die Temperatur des Auges bei Läufern im Ziel eines Marathonlaufs noch nie gemessen", sagt Michael Fritz, der mit den Augenärzten Martin Lauer, Arno Göbel und Ludwig Krabbe zum Team von Dieter Schnell gehört. Auf die Teilnehmer des wissenschaftlichen Versuchs kommen keine umfangreichen Untersuchungen zu: Die Temperatur wird mit einem Non-Kontakt-Messgerät an der Stirn und an den Augen innerhalb von nur 20 Sekunden vor und nach dem Marathon- oder dem Halbmarathonlauf gemessen. Außerdem wird die Sehschärfe beider Augen vor und nach dem Lauf festgestellt. Laufarzt Michael Fritz: "Wir suchen für diese Studie möglichst viele Kontaktlinsenträger, die beim Santander-Marathon starten. Interessant sind für uns auch Kontaktlinsenträger, die bei der Veranstaltung nur in einem Auge eine Kontaktlinse tragen. Auch der Vergleich von harten und weichen Linsen ist spannend."

Interessenten melden sich bei dem die Studie betreuenden Sportarzt Michael Fritz unter info@praxis-drfritz.de

(RP)