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Jüchen: Santanas Gitarren-Himmel

Jüchen : Santanas Gitarren-Himmel

Latin Rocker- und Woodstock-Legende Carlos Santana machte auf seiner Welttournee Station in Jüchen und spielte gestern Abend vor mehr als 7000 Fans ein Konzert mit viel Rambazamba und zahlreichen Welthits. "Guitar Heaven" heißt seine Tour, und so klingt sie auch.

Um Punkt 20.30 Uhr am gestrigen Sonntagabend trat Jüchen in den Gitarren-Himmel ein. In gewohnt lässiger Manier betrat Altmeister Carlos Santana die Bühne im Polodrom. Weiß-goldene Weste, schwarzer Hut, schwarze Hose und in der Hand – natürlich eine Gitarre. Der Auftakt ist ein wenig holprig: Santana eröffnete sein Konzert vor über 7000 Fans mit einem Cover des AC/DC-Songs Back in Black. Doch die Hard-Rock-Nummer lässt sich mit Hip Hop-Gesang, Latin-Rhythmen und Percussion-Schischi selbst nicht unter Santanas ausgefallenen Hut bringen. Es sind seine eigenen Songs, die vollends überzeugen und das Publikum mitreißen: Hits wie "Black Magic Woman" und "Oye como va", beide schon mehr als 40 Jahre alt und die jüngeren Popsongs "Corazón Espinado" und "Smooth".

Wenn der Erfinder des Latin Rock mit seinen Gitarrensoli loslegt, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Carlos Santana versteht es heute wie damals, durch seine klar singende Sologitarre jedem Song seinen ganz persönlichen Fingerabdruck zu verleihen. Außerdem hat er eine zehnköpfige Band dabei, die gepflegt auf alles eindrischt, aus dem sich Latino-Rhythmen hervorholen lassen. Bassist Benny Rietveld spielt Solos zum Fingerbrechen. Selbst die hervorragenden Sänger Andy Vargas und Tony Linday müssen mitrasseln, wenn der Chef seine exzellenten Soli spielt. Denn dafür sind die Fans schließlich nach Jüchen gekommen.

Nur bei wenigen Songs tritt der gebürtige Mexikaner selbst ans Mikrofon. Das Singen überlässt er nach wie vor lieber anderen. Und die Fans lieben ihn dafür. Allen voran Horst Aschura (50) und Werner Klix (57). Die beiden Gladbacher haben sich vor einigen Jahren bei einem Santana-Konzert in Oberhausen kennengelernt. Während Klix sich schlicht als "wirklich großen Santana-Fan" beschreibt, steht Aschura ganz offen zu seiner Santana-Beklopptheit", wie er seine Verehrung für den Gitarrenmeister selbst beschreibt.

Er war bereits am Freitag bei Santanas Auftritt in Leipzig. Am Mittwoch fährt er nach Luxemburg. "Dafür habe ich mir extra Urlaub genommen. Für ihn würde ich mein letztes Hemd geben", sagt der 50-Jährige. Sein größter Traum: Santana einmal live in Las Vegas zu sehen. Beinahe wäre sein Traum schon vor Ort in Jüchen wahr geworden. Kurz vor Konzertbeginn gibt es Getuschel am Bierstand. Ist er es oder ist er es nicht? An der Theke steht ein Mann, der dem Superstar zum verwechseln ähnlich sieht Nein, es ist Vitorino Trimdade. Der 62-jährige Portugiese könnte als Santana-Double arbeiten: Hut, Sonnenbrille, Schnurrbart und Frisur – alles fast wie beim Original. Aber eben nur fast. Höhepunkt des von Instrumentalstücken getragenen Konzerts ist aber das lateinamerikanische Traditional "Foo Foo", bei dem Santana selbst Spaß ohne Ende hat, mittanzt und danach fragt: "Seid ihr glücklich?" Da kann man schwer Nein sagen. Nach fast drei Stunden ist man dem Gitarren-Himmel zwar keinen Takt näher gekommen. Aber man weiß jetzt, wie er klingen muss.

(RP)