Meerkamp : Sagenhaftes Meerkamp

Das Giesenkirchener Örtchen Meerkamp hat mehr zu bieten, als auf den ersten Blick zu erkennen ist: Eine Menge Engagement der Bürger, die den Ort mit aufgebaut haben. Und eine Legende um ein Schloss sowie deren zweifelhaften Schlossherren, die zu schön ist, um nicht wahr zu sein.

Meerkamp Die Legende ist steinalt, und kein Mensch hat sie jemals beweisen können. Aber sie ist reichlich schön, und sie erzählt etwas über Meerkamp, jene kleine Ortschaft in Giesenkirchen, die nicht viel mehr als eine Straße ist.

Die Geschichte geht so: Vor Urzeiten soll es tatsächlich einmal ein Schloss Meerkamp gegeben haben. Reiche Leute sollen dort in Saus und Braus residiert und das Leben mit Wonne genossen haben. Scharfe Wachhunde bewachten das Schlosstor, angelegt in goldenen Ketten, versteht sich. Und wenn dann doch einmal jemand ans Gehöft klopfte und um eine Gabe bat, wurden die Ketten eben gelöst. Zur Strafe für so eine Hartherzigkeit soll das Schloss dann in einer Weihnachtsnacht bis auf die Grundmauern niedergebrannt sein. Ende. Und wenn sie nicht gestorben sind. . .

Vor wenigen Jahren stieß der Mönchengladbacher Hobby-Archäologe dann aber auf einen Fund im Puttschener Busch, in der Nachbarschaft zu Meerkamp: In einer Baugrube entdeckte er einen alten Spitzgraben, die man vormals angelegt hatte, ob Gebäude zu sichern. Ein erster Hinweis auf die Existenz des Schlosses? Das vermag niemand zu beurteilen. Immerhin: Die Geschichte lebt weiter. Und Meerkamp ebenfalls, sagenhaft.

Eine wesentlich weltlichere Erklärung für die Herkunft des Ortsnamens hat Peter Büttgenbach, einer der wenigen noch verbliebenen Ureingesessenen des Ortes: "Dort, wo jetzt der Spielplatz ist, soll es früher bei Regen immer eine riesige Pfütze gegeben haben, die manchmal so groß wie ein Meer gewesen sein soll. Man erzählte sich: Daher der Name", berichtet der 73-Jährige. Auch eine Art Sage.

Peter Büttgenbach hat erlebt, was aus Meerkamp in den vergangenen 70 Jahren wurde. So lange lebt er schon in dem Ort. In den 50er Jahren erlebte er ein frivoles Dörfchen mit Geschäften, einer Kneipe, der Sporthalle, in der der ATV Biesel stets turnte, abendlicher Blasmusik, einer Hühnerfarm, der Getränke-Abfüllung seines Vaters und vielem mehr. "Hach, dat woar een romantische Zeit", sagt Büttgenbach. "Als Kinder haben wir viel gespielt auf der Straße, dass die Scheiben geklirrt haben." Wenn Büttgenbach, der den Getränkehandel auch heute noch betreibt, von dieser Zeit spricht, dann klingt das so, als würde von Schloss Meerkamp erzählen. Für ihn schlicht: sagenhaft.

Von alldem ist jedoch nicht mehr viel übrig geblieben. Die Gaststätte Hüsges, in der früher das Leben tobte in Meerkamp, ziert seit einigen Jahren das Schild "Zu vermieten." Höfe sind mittlerweile Neubaugebieten gewichen, Blasmusik ist eine Seltenheit. Und der ATV Biesel turnt und spielt Handball mittlerweile in der Sporthalle am Asternweg. Dafür feiert die Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt einmal im Jahr ihr Sommerfest vor der Kirche. Der Kirchenchor der Gemeinde singt im Jugendheim und die Grundschule belebt den Ort. Aber rings um Meerkamp sind die Häuser aus dem Boden gewachsen. Biesel, Puffkohlen, Tackhütte und Meerkamp gehen heute nahtlos ineinander über. Es ist ruhiger geworden in den Straßen. Geschäfte gibt es kaum noch. Eines aber bleibt für immer: Die Legende um Schloss Meerkamp. Sagenhaft.

(RP)
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