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Mönchengladbach: Sängernachwuchs verblüfft die Juroren

Mönchengladbach : Sängernachwuchs verblüfft die Juroren

33 junge Sängerinnen und Sänger bemühen sich um die drei Stipendien, die das Opernstudio Niederrhein für die kommende Spielzeit vergibt. Da wird das Vorsingen zur Nervensache.

Monika Rydzkowski war gerade noch mal für kleine Mädchen. Zehn Minuten sind es noch bis halb 12, sie ist in der ersten Gruppe. Lippenstift und Wimperntusche sitzen. Ein paar nervöse Griffe gelten dem Kleinen Schwarzen. Das alles geschieht zwischen Tür und Angel auf einem der Flure im vierten Stock des Theaters in Rheydt. Gleich beginnt die Audition fürs Opernstudio 2014/15.

In beinahe jedem Zimmer harrt einer der Kandidaten aus und macht seine Stimme geschmeidig: Eine kakofone Sinfonie erfüllt den Gang: Verdi, Mozart, Gounod sopranbasstenoral und deutschitalofranzösisch. Und mittendrin die Sopranistin Rydzkowski aus Düsseldorf. Sie nimmt sich sogar noch Zeit für neugierige Fragen. "Klar kribbelt's. Aber man muss mit Freude in so ein Vorsingen gehen, sonst kann man gleich zu Hause bleiben", strahlt die Sängerin, die gerade ihr Gesangsstudium in der Jarnot-Klasse an der Robert-Schumann-Hochschule abschließt.

Eine Etage tiefer verlassen die letzten Juroren die Kantine. Walter Planté und Debra Hays sind vom Opern-Ensemble da, erinnern sich an ihre Probesingen vor über 20 Jahren. Sie gehen zu den Kollegen in den großen Saal, wo mitten im Bühnenbild von "Romeo und Julia" ein Flügel steht. Die Jury sitzt verstreut im Parkett und klärt die Abläufe: Von den 33 Kandidaten sollen etwa zehn ins Finale kommen, danach drei übrig bleiben, die in der nächsten Spielzeit auf Stipendiumsbasis das Bühnenleben im geschützten Raum erleben und erlernen können. Das Geld dazu hat Operndirektor Andreas Wendholz von Sponsoren eingeworben, das Ganze in eine Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Düsseldorf gebettet - und jetzt laufen ihm die Bewerber die Türen ein. Sie dürfen höchstens 30 sein, sollen gut deutsch sprechen, natürlich bühnentauglich singen können. Dafür werden sie viel lernen und etliche Partien (als Doppelbesetzungen) für die "wirkliche" Bühne einstudieren.

"Wir wären dann so weit", ruft Inspizient Ognian Ratchkov. Er reicht Robert Pazur am Klavier einen Packen Noten und nennt den Namen des ersten Sängers. Wie dieser tritt später auch die Sopranistin Monika Rydzkowski ins Rampenlicht, stellt sich brav auf ein markiertes Kreuz weit weg von der Rampe und singt ihre Despina-Arie aus Mozarts Oper "Così fan tutte".

Erstaunlich gut ist die Qualität der Stimmen, die Jury tut sich schwer mit der Auswahl. Die Juroren sind Thomas Gabrisch, Konrad Jarnot, Andreas Wendholz, Mihkel Kütson, Helen Donath und Klaus Donath.

Ein asiatischer Tenor trifft locker alle Spitzentöne, ein Bass dringt schwerelos in die Tiefen der Hallen-Arie aus der "Zauberflöte". Manche Kandidatin zittert vor Aufregung, eine entwickelt aus dem Stand große Bühnenpräsenz.

An der Pforte hält Inspizientin Victoria Bröcker die "abgesungenen" Kandidaten bei Laune, kümmert sich um die Gefühlslage der Kandidaten, tröstet die, die nach Hause fahren müssen. Gegen halb eins sitzt Monika Rydzkowski schon wieder in einer Garderobe. Sie hat die erste Runde geschafft, telefoniert, entspannt, ist happy. "Hier geht's ums Engagiert-Werden. Wenn ich das schaffe, weiß ich mindestens ein Jahr, wo ich bin. Und ich kann ganz viel lernen für meinen Traumberuf." Noch schnell ein Foto, dann geht's zum Essen, und dann wird's ernst.

Am Ende des Tages sind drei Kandidaten gefunden. Sie werden demnächst noch auf Bühnentauglichkeit getestet, dann wären sie dabei. Man wird von ihnen hören.

(ark)