Mönchengladbach: S-Bahn soll durch Gärten fahren

Mönchengladbach: S-Bahn soll durch Gärten fahren

Die S-Bahn 28 soll auf dem Nordkanal-Radweg bis nach Viersen verlängert werden. Die Neuwerker sind über diese Pläne entsetzt, die im Kreis Viersen diskutiert werden. Das ist kein Phantasiemodell. Die Euregio Rhein-Maas-Nord genehmigte dafür einen Zuschuss von 34000 Euro.

Die S-Bahn 28 soll auf dem Nordkanal-Radweg bis nach Viersen verlängert werden. Die Neuwerker sind über diese Pläne entsetzt, die im Kreis Viersen diskutiert werden. Das ist kein Phantasiemodell. Die Euregio Rhein-Maas-Nord genehmigte dafür einen Zuschuss von 34 000 Euro.

Neuwerk Für Gerda Roggen ist es ein Schildbürgerstreich. Und deshalb reagierte die stellvertretende Neuwerker Bezirksvorsteherin auch unwirsch, als die Stadtteilpolitiker jüngst einen Kreis-Viersener-Traum diskutierten: eine Regiobahn, die vom Kaarster See über Willich-Schiefbahn, Willich-Neersen bis nach Viersen führen soll. "Diese Trasse soll durch meinen Garten und die Gärten meiner Nachbarn fahren", sagt die SPD-Politikerin Roggen, die an der Donker Straße wohnt.

Und obwohl sie zu den Politikern gehört, die sich für ein dichtes Schienenbahnnetz einsetzen, ist ihr diese Lösung dann doch zu viel: "Das hat nichts damit zu tun, dass ich selbst Betroffene bin. Diese Lösung ist Unsinn. Wir zerstören damit einen Teil der Fietsallee Nordkanal, die jüngst zur Radroute des Jahres erklärt wurde." Doch den Politikern im Kreis Viersen ist es ernst mit dem Vorhaben: Der Ausschuss der Euregio Rhein-Maas-Nord hat für ein Planungsgutachten 34 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Das steckt dahinter: Die als Regiobahn bezeichnete S-Bahnlinie S 28 führt derzeit von Mettmann über die Hauptbahnhöfe Düsseldorf und Neuss bis zur Haltestelle Kaarster See. Viele Kunden der Bahn wünschen sich, dass die Strecke um 14,3 Kilometer in den Kreis Viersen verlängert wird und die S 28 dann über Schiebahn, Neersen bis nach Viersen fährt. Insgeheim spekulieren die Politiker des Kreises Viersen darüber, die S-Bahn auch noch bis Venlo zu führen, über Dülken, Boisheim, Breyell und Kaldenkirchen. Die Fahrzeit von Venlo bis Düsseldorf läge dann bei rund 60 Minuten. Die Strecke wäre eine Ergänzung zum Regionalexpress 13, der weiterhin zwischen Venlo und Hamm fahren soll und dabei auch Halt in Mönchengladbach und Düsseldorf macht.

  • S28 : Kreis Viersen will Regiobahn vorantreiben

Das Problem: Die geplante Streckenführung für die verlängerte S-Bahnlinie 28 verläuft auf Mönchengladbacher Gebiet in der Donk. Der Nordkanal-Radweg ist teilweise neben und auch auf der vorhandenen alten Bahntrasse. Und obwohl diese schienenlos, aber immer noch im Besitz der Deutschen Bahn AG ist, sind in ihrer Nähe Wohnsiedlungen entstanden: Hier wäre im Fall der Fälle teurer Lärmschutz notwendig. "Die S 28 ist nicht im Interesse der Stadt Mönchengladbach", haben die städtischen Planer ihren Kollegen aus dem Kreis Viersen bei einem Arbeitstreffen mitgeteilt. Diese Stellungnahme wird zur Kenntnis genommen – mehr nicht. Die Stadt Mönchengladbach kann die Planungen nicht verhindern.

Denn sie befürchtet unter anderem, dass eine S-Bahn-Verlängerung für deutlich schlechtere Verbindungen sorgt. Wenn die S 28 dann über Willich nach Neuss fahren würde, bliebe Mönchengladbach außen vor. Und wenn Fahrgäste aus dem Kreis Viersen diese Linie bevorzugten, würde darunter der Regionalexpress 13 leiden. Mit der möglichen Folge, dass dann die gesamte Verbindung nach Venlo in Frage gestellt werden könnte.

Die S-28-Verlängerung konterkarierte eine andere Lösung, die Mönchengladbach bevorzugt. Mit Geldern der Europäischen Union wird an einer Verbindung von Düsseldorf über Gladbach und Venlo bis nach Eindhoven gearbeitet. 1,6 Millionen Euro kostet das Projekt, das am Ende Intercity-Niveau haben soll. Da Düsseldorf mit im Boot ist, stehen die Chancen nicht schlecht.

(RP)
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