Mönchengladbach: Ruth Zadow macht keine halben Sachen

Mönchengladbach: Ruth Zadow macht keine halben Sachen

Die Künstlerin gestaltet ihre Ausstellung im Projektraum EA 71 als "Work in Progress". In der Kulturnacht am 26. Mai werden die Besucher das Ergebnis sehen. Bis dahin lässt Ruth Zadow sich gern bei der Arbeit zusehen. Einfach klingeln.

Als die Ausstellung eröffnet wurde, war sie noch gar nicht fertig. "Die Besucher waren etwas irritiert", sagt Ruth Zadow. Sie standen im abgedunkelten Raum des Ladenlokals, das lediglich durch projizierte Dias erhellt wurde. Diese zeigten gezeichnete Stadtansichten, Menschen und andere Wesen. "Meine Gäste standen im wahren Sinn des Wortes ständig in den Bildern." Dazu kamen vom Tonträger Geräusche, die sie beim Ausschneiden von Pappe und mit raschelndem Papier erzeugt hatte. Ruth Zadow betrachtet das, was sie derzeit im städtischen Projektraum tut, als "Work in Progress". Bis zur Kulturnacht am Samstag, 26. Mai, wird dann alles so sein, wie sie es sich vorstellt. Fertig eben.

Ruth Zadow mit einem ihrer spontanen Zeichnungen, entstanden beim "Heimatabend". Foto: I. Schnettler

Dabei ist der Titel der Präsentation "halb". Das passt perfekt, sagt die Künstlerin, "die Ausstellung ist halb fertig, die Jalousien sind halb offen - und die zweite Hälfte der Ausstellung ist noch gar nicht hier." Selbstverständlich verrät sie nicht, wie diese zweite Hälfte aussehen wird.

Ruth Zadow ist keine gebürtige Gladbacherin. Sie ist in Bochum geboren und dann mit ihren Eltern oft umgezogen. "Wir haben in Süddeutschland gelebt - längere Zeit in München und Stuttgart." Zum Studium - Latein, Archäologie und Philosophie - ging sie nach Köln. "Diese Fächer interessierten mich damals." Das änderte sich. Sie schwenkte um, kam an die Hochschule Niederrhein, lebte in Krefeld und studierte Kommunikations-Design. "Nach Mönchengladbach kam ich der Liebe wegen." Das war 2010. Sie blieb. Und genießt es, dass die Stadt so stark im Aufwind ist.

Ihre Kunstwerke haben viel zu tun mit Stadt, Architektur und den Menschen, die sie bewohnen. Da gibt es beispielsweise eine Art Teletubbie - mit Antenne auf dem rundlichen Köpfchen. Das Wesen hält in jeder Hand ein Hochhaus. "Es räumt die Stadt auf", sagt Ruth Zadow. Gern baut sie in ihre Zeichnungen Songtitel ein - etwa "We built this City".

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Aus ihrer Beschäftigung mit der Stadt hat sich der "Heimatabend" im Köntges an der Waldhausener Straße entwickelt. Da reagiert sie etwa auf Texte von Markim Pause und Jonas Jahn. Es entstehen spontane, quirlige Zeichnungen voller Witz (s. Bild links).

Ruth Zadow ist fast immer im Projektraum anzutreffen. "Wer mich besuchen und mir bei der Arbeit zusehen möchte, kann ans Fenster klopfen oder klingeln", sagt sie.

Die Ausstellung "halb" im EA 71, Eickener Straße 71, ist samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. In der Kulturnacht am 26. Mai ist sie von 18 bis 23 Uhr zu sehen. Und dann wahrscheinlich fix und fertig.

(isch)
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