RP-Schuldebatte in Mönchengladbach Das Für und Wider der digitalen Schule

Mönchengladbach · Schüler der Gesamtschule Hardt diskutierten beim RP-Wettbewerb #mitreden über die Vorzüge des digitalen Unterrichts – und über Nachteile.

  Die Schüler Sinan Schuler, Lara Mund, Jörg Horsch und Marie Sophie Neumann mit Lilli Stegner von der Rheinischen Post (v.l.) bei dem Debatten-Forum.

Die Schüler Sinan Schuler, Lara Mund, Jörg Horsch und Marie Sophie Neumann mit Lilli Stegner von der Rheinischen Post (v.l.) bei dem Debatten-Forum.

Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Durchaus einig waren sich alle Teilnehmer an der RP-Schuldebatte #mitreden in Mönchengladbach: Die Digitalisierung ist im vollen Gange, wird weiter fortschreiten und macht auch vor der Schule und dem Unterricht nicht Halt. In der Gesamtschule Hardt diskutierten nun zwei Teams über das pro und contra zum Thema „Sollte Schulunterricht in Zukunft verstärkt mit digitalen Medien stattfinden?“

Sowohl Marie Sophie Neumann und Jörg Horsch, die Argumente für die Vorteile der Digitalisierung vortrugen, als auch Lara Mund und Sinan Schuler, die die Debatte mit Argumenten über die Nachteile fütterten, zeigten sich sehr engagiert und gut vorbereitet und lieferten sich eine verbale Auseinandersetzung, in der es wohltuend sachlich zuging, und sie stimmten überein in der Aussage, dass jegliche Digitalisierung einher gehen muss mit Medienkompetenz. Hier sei es eine Aufgabe der Schule, diese Kompetenz zu vermitteln, damit jeder die Risiken und Fallstricke der Digitalisierung erkennt.

Die Digitalisierung werde auch im Schulunterricht immer präsenter, meinte Schülersprecherin Nike Lange bei der Begrüßung der Diskutanten, der Schüler im Publikum und der Jury, bestehend aus RP-Redakteurin Lilli Stegner, RP-Politikredakteur Martin Kessler und Andrea Dimitrova als Vertreterin von Evonik. Deshalb, so Lange, sei es wichtig, sich damit auseinander zu setzten.

Dimitrova betonte den Wert des RP-Debattenwettbewerbs, den Evonik unterstützt. „Er bietet eine sehr gute Möglichkeit, sich sachlich mit Argumenten und Gegenargumenten zu beschäftigen.“ Susanne Feldges, Vorstandsmitglied des Vereins nextMG, machte in einer Einleitung deutlich, dass die Schule auf das Leben vorbereite – und dieses Leben sei ohne Digitalisierung nicht mehr denkbar. „Digitalisierung ist unser Alltag.“ Doch dieser sei in Mönchengladbach noch nicht richtig in den Schulen angekommen. Gerade einmal drei Schulen, bezeichnenderweise Grundschulen, würden in der Stadt über ein „belastbares“ W-Lan-Netz verfügen. 50 Prozent der Schulen im Stadtgebiet hätten mindestens „Glasfaser im Keller“. Dennoch ist Feldges zuversichtlich, dass zum Schuljahresende 2022/23 alle Schulen die technischen Voraussetzung für die Digitalisierung von Schulorganisation und Unterricht besitzen werden. Die Corona-Pandemie habe der Digitalisierung in die Karten gespielt, meinte sie. Der Distanzunterricht und die Kommunikation zwischen Lehrern und Schüler sei in Zeiten des Stillstands nur dank digitaler Technik möglich gewesen.

Dem stimmte Neumann zwar zu, sie meinte aber, dass man an den Schulen noch mehr digitale Mittel brauche und noch mehr Lehrer, die „mittels der Digitalisierung unterrichten“. Es gehöre zum Bildungsauftrag der Schule, die Schüler auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Mund wollte nicht widersprechen, gab indes zu bedenken, dass das analoge Lernen nicht zu kurz kommen dürfe. Der Distanzunterricht habe gezeigt, dass vielen Schülern die „Struktur im Alltag“ gefehlt habe. Der digitale Unterricht im Lockdown sei ein Notfall gewesen und dürfe nicht zum Alltag werden, ergänzte Schuler. Horsch hingegen stellte klar, dass die Digitalisierung längst den Präsenzunterricht erreicht habe.

Für die Schule der Gegenwart und der Zukunft seien eine digitale Ausstattung und die technischen Voraussetzungen ebenso vonnöten wie die kritische Beschäftigung mit der Digitalisierung. An der Technik hapere es noch. „Manche Schule in Mönchengladbach hat nicht einmal einen Beamer“, kritisierte Mund. Neumann hielt dagegen, dass die Stadt Mittel aus dem digitalen Bildungspakt des Landes abgerufen habe, um den Ist-Zustand zu verbessern. Nicht ausgeräumt in der Debatte wurden die Bedenken, die die Digitalisierung auf das „echte Leben“ haben kann. Psychische und physische Belastungen steigen ebenso wie der Stress der permanenten Erreichbarkeit. Hierauf müsse, auch bei zunehmender Digitalisierung der Schule, ein Augenmerk gelegt werden. Der Präsenzunterricht hat einen großen Vorteil: Man sieht sich, man trifft sich, man redet miteinander. Der digitalisierte Unterricht hat einen Vorteil: Lernkontrolle mit Förderung und Nacharbeiten sind jederzeit möglich, fernab von Unterrichtszeiten.

Der Jury fiel es schwer, sich für eine Seite zu entscheiden. Sie sprach schließlich der contra-Seite den „Sieg“ zu. Das Team könnte nun zu den vier Schulteams gehören, die in beim Finale RP-Schuldebatte #mitreden, teilnehmen können. Bei den zuhörenden Schülern ergab das Meinungsbild eine klare Zustimmung für mehr Digitalisierung in „ihrer“ Schule.

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